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Dekanats- und Sankt Nicolai-Kantor Andreas Schmidt geht in den Ruhestand

Musik ist kein Nebenbei-Programm, sondern seine Leidenschaft.

Andreas Schmidt I Foto Malte Horberg
Andreas Schmidt I Foto Malte Horberg

Autoradio geht gerade noch, aber Berieselung im Restaurant – dafür ist Andreas Schmidt Musik zu schade. Ins Schwärmen gerät der Kirchenmusiker der Evangelischen Sankt Nicolai-Gemeinde im Frankfurter Ostend und Dekanatskantor angesichts der Leistungen der Frankfurter Oper und wenn er von „seinem“ Flügel spricht, der jetzt im neuen Gemeindehaus an der Waldschmidtstraße Platz gefunden hat.

Gerne greift er dort in die Tasten, Wagner, Bach, Jazz – das Spektrum seiner Vorlieben reicht weit. Stammsitz des 64-Jährigen ist die Orgel aus der Kasseler Werkstatt Werner Bosch, installiert 1959. Seit Herbst 1989 spielt Andreas Schmidt sie im Gottesdienst, aber auch bei Konzerten. Offiziell hat er seinen Dienst zum 1. März 2026 beendet, doch in den nächsten Wochen, wird er noch das eine oder andere Mal auf der Empore das Instrument erklingen lassen. Unter anderem am Sonntag, 15. März, 18 Uhr, wenn ihn Prodekanin Amina Bruch-Cincar in einem festlichen Abendgottesdienst in der Sankt Nicolai-Kirche, Waldschmidt-/Ecke Rhönstraße, in den Ruhestand verabschiedet.

Schmidt, Sohn eines Musiklehrers und Kirchenmusikers, hat in Berlin an der Kirchenmusikschule studiert. Zwei Jahre arbeitete er als Assistent des Direktors und Stiftskantors Martin Behrmann. Frankfurt, wo es damals gleichfalls eine Kirchenmusikschule gab, wäre für den im nordhessischen Haiger Aufgewachsenen deutlich näher gewesen, „aber das galt als zu konservativ“, erzählt Schmidt. Kontakte in die Stadt am Main, seine Frau hat hier Sonderpädagogik studiert, bewogen ihn, eine Bewerbung für die hoch angesiedelte A-Stelle von Sankt Nicolai zu verschicken.

„Der Anfang hier war alles andere als leicht“: Seine Frau saß in Berlin mit den neu geborenen Zwillingstöchtern, er richtete sich erstmal in einem kleinen Zimmer ein. Am 9. November 1989 fiel die Mauer, so war es nicht mehr Transit, sondern eine „normale“ Umzugsfahrt nach Hessen die seine Frau an dem Tag unternahm, erstmal nach Haiger. Aufgewachsen sind die Zwillinge im Frankfurter Ostend in einer Gemeindewohnung. Andreas Schmidt erzählt ein wenig wehmütig von dem Zuhause, der Bau wurde abgerissen, dort steht jetzt das neue Gemeindezentrum. Schmidt lebt seit einigen Jahren um die Ecke an der Habsburgerallee.

Als Andreas Schmidt kam, war die einst renommierte Kantorei reduziert, weil es eine längere Vakanz gegeben hatte, er hat sie wieder aufgebaut. Die Osterkonzerte wurden ein Markenzeichen der Kirchenmusik an Sankt Nicolai. Die Zusammenarbeit mit dem Trompeter David Tasa hebt Schmidt hervor. „Ich bin gut in der Zusammenarbeit mit anderen“, sagt er. Eigenlob fällt bei dem Resümee-Interview knapp aus, aber dieses ist gut nachvollziehbar. In Corona-Zeiten entstand ein anderes Kooperations-Projekt „TastenPlus um Sechs“ – Musik in Kombination mit einer Lesung – das sich auch über die Covid-Phase hinaus großer Beliebtheit erfreut.

Schmidt hat auch Schweres zu berichten, seine Krebserkrankung, die ihm, einem Bariton, das Singen verdarb. „Die Stimme ist auch ein Muskel“, sagt der Kirchenmusiker mit nüchternem Blick. Für Sankt Nicolai bedeutete das nicht das Ende der Chorprojekte. Mit Verve studierte Andreas Schmidt die Johannespassion ein, zum 25. Dienstjubiläum dann das Brahmsrequiem. Dankbar ist er: „Die Gemeinde hat sich sehr engagiert“. Sie hat ihn unterstützt, ist neue Wege mitgegangen.

Für Schmidt ist die Kantorei auch „ein wenig Familie“, nicht nur, weil tatsächlich Angehörige mitsingen, sondern weil die Mitglieder die Musik verbindet und vieles mehr, Wandertouren, Opernbesuche, Gespräche beispielsweise, „da ist ein Freundeskreis entstanden“. Als Dekanatskantor betreute Andreas Schmidt für Frankfurt und Offenbach den Schwerpunkt Orgel. Einige seiner Orgelschüler möchte er gerne weiter begleiten. Musik bleibt auch im Ruhestand seine Leidenschaft.


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Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach