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"Wir rufen dazu auf, Haltung zu zeigen, wenn jüdisches Leben und jüdische Sichtbarkeit unter Druck geraten"

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In einer gemeinsamen Erklärung äußern die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach und die katholische Stadtkirche Kritik an Betreibern der Astor Film Lounge

Stadtdekan Holger Kamlah und Prodekan Stefanie Brauer-Noss (oben) und die Leitung der katholischen Stadtkirche Frankfurt, Christiane Moser-Eggs und Michael Thurn. |
Stadtdekan Holger Kamlah und Prodekan Stefanie Brauer-Noss (oben) und die Leitung der katholischen Stadtkirche Frankfurt, Christiane Moser-Eggs und Michael Thurn. | Bild: Öffentlichkeitsarbeit

Christiane Moser-Eggs und Michael Thurn, Leitung der katholischen Stadtkirche Frankfurt am Main, Stadtdekan Holger Kamlah und Prodekanin Stefanie Brauer-Noss, Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach, haben angesichts Ablehnung der Astor Film Lounge für die Jüdischen Filmtage Kinos zur Verfügung zu stellen, eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht:

"Die Absage der Astor Film Lounge gegenüber der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, egal aus welchen Gründen sie erfolgte, halten wir für ein falsches Signal zur falschen Zeit. Jüdisches Leben wird aus dem öffentlichen Raum zurückgedrängt.

Dieser Vorgang berührt ein Grundprinzip, das uns als Kirchen in einer pluralen Stadtgesellschaft am Herzen liegt: Frankfurt ist eine der vielfältigsten Städte Europas. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kulturen und Glaubensüberzeugungen leben hier zusammen – und genau das ist eine der großen Stärken dieser Stadt. Diese Vielfalt lebt davon, dass alle Gemeinschaften ihren Glauben, ihre Kultur und ihre Identität im öffentlichen Raum sichtbar machen können: Muslime ebenso wie Christen, Juden ebenso wie Angehörige anderer Religionen und Weltanschauungen. Religiöse und kulturelle Sichtbarkeit ist kein Privileg, das je nach Sicherheitslage gewährt oder entzogen werden darf – sie ist ein Recht. Wenn eine Gemeinschaft aus Angst vor Anfeindungen aus dem öffentlichen Raum weichen muss, ist das ein Angriff auf das Fundament unseres Zusammenlebens. Wer das zulässt, schwächt nicht nur die betroffene Gemeinschaft – er schwächt die ganze Stadt.

Die Jüdischen Filmtage Frankfurt sind weit mehr als ein Kulturprogramm. Sie sind Ausdruck des Selbstbewusstseins und der Lebendigkeit einer Gemeinschaft, die ihren Platz in dieser Stadt behauptet und gestaltet – und das in einer Realität, in der wachsender Antisemitismus und Anfeindungen dem immer wieder entgegenstehen. Das verdient nicht nur Toleranz, sondern aktive, sichtbare Unterstützung.

Wir rufen dazu auf, Haltung zu zeigen, wenn jüdisches Leben und jüdische Sichtbarkeit unter Druck geraten. "

Christiane Moser-Eggs und Michael Thurn, Leitung der katholischen Stadtkirche Frankfurt am Main
Stefanie Brauer-Noss und Holger Kamlah, Ev. Kirche in Frankfurt und Offenbach


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