„Essen und Wärme“ sucht Perspektive für die Zukunft
Seit 33 Jahren versorgt die Offenbacher Initiative „Essen und Wärme“ in den Wintermonaten Menschen mit warmen Mahlzeiten – doch die Zukunft des Angebots ist ungewiss. Viele evangelische und katholische Kirchengemeinden in Offenbach planen, ihre Gemeindehäuser in den kommenden Jahren zu verkleinern oder aufzugeben. Damit könnten wichtige Räume für die Aktion wegfallen.
Auch in diesem Winter war die Nachfrage groß. Im Gemeindesaal der Lukas-Matthäus-Gemeinde in Offenbach-Tempelsee wurden an vier Tagen 62, 91, 78 und 83 Mahlzeiten ausgegeben. Für den letzten Aktionstag wurden vorsorglich 100 Essen bestellt. Organisiert wird die Ausgabe von einem rund zehnköpfigen Team Ehrenamtlicher. Die Gäste erhalten für 1,20 Euro eine warme Mahlzeit mit Nachtisch sowie ein Lunchpaket. Wer früher kommt, bekommt zusätzlich eine Tasse Kaffee und Süßgebäck. Die Tische im Saal sind dafür festlich gedeckt – mit Servietten, auf denen „Herzlich willkommen“ steht, mit Blumen oder kleinen Kerzen in mit Sand und bunten Steinen gefüllten Gläsern. Reste werden möglichst weiterverwendet: Übrig gebliebener Leberkäse kommt am nächsten Tag auf die Brote für die Lunchpakete. Überschüssiges Brot geht an die Offenbacher Tafel, nicht mehr Verwertbares an einen Pferdehof oder eine Schafherde. „Bis jetzt kriegen wir alles los“, sagt Margot Gürbüz, die verantwortliche Ehrenamtliche aus der Gemeinde.
Finanziert wird die Winteraktion ausschließlich über Spenden. Zwischen 80.000 und 90.000 Euro muss der Verein „Essen und Wärme e.V.“ jedes Jahr einwerben, um das tägliche Angebot von Oktober bis März zu ermöglichen. Viele Privatpersonen unterstützen die Initiative seit Jahren mit regelmäßigen Beträgen; auch Unternehmen sammeln unter Mitarbeitenden Geld und übergeben größere Spenden. „Die Spendenbereitschaft und auch die Bereitschaft mitzumachen sind nach wie vor groß“, sagt der Offenbacher Pfarrer Burkhard Weitz, Vorsitzender des Vereins. Sorgen bereite allerdings die Frage nach geeigneten Räumen für kommende Aktionen. Seit Jahren stellen vor allem evangelische und katholische Kirchengemeinden ihre Gemeindesäle zur Verfügung und organisieren freiwillige Helferinnen und Helfer. Auch die frei-religiöse Gemeinde sowie die Ahmadiyya-Moscheegemeinde beteiligen sich.
Über die Weihnachtsfeiertage jedoch findet sich inzwischen keine christliche Gemeinde mehr, die die Aktion ausrichten kann. In den vergangenen Jahren sprangen deshalb die Stadtwerke Offenbach ein und stellten Räume zur Verfügung. Angesichts der geplanten Reduzierung von Gemeindeflächen sucht der Verein nun langfristige Lösungen. Eine Möglichkeit wäre, eine Kirche dauerhaft als zentralen Ort für „Essen und Wärme“ zu nutzen – ähnlich wie bei der Vesperkirche in der Leonhardskirche in Stuttgart. Während der Advents- und Weihnachtszeit könnte sie mehrere Wochen lang zum Treffpunkt für Gäste und Ehrenamtliche werden.
Die Initiative „Essen und Wärme“ wurde 1993 vom reformierten Pfarrer Günter Krämer gegründet. Bis heute findet sie jedes Jahr genügend Freiwillige – auch für Einsätze an Heiligabend oder an den Weihnachtstagen, wenn manche Menschen die Feiertage lieber in Gemeinschaft verbringen als allein zu Hause.