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7351 Übernachtungen in der Weißfrauen Diakoniekirche

Die Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel zieht Bilanz über die Notübernachtungen im vergangenen Winter.

Die Diakoniekirche steht im Winter zur Übernachtung offen - Nischen sorgen für Privatsphäre. I  Foto: Markus Eisele
Die Diakoniekirche steht im Winter zur Übernachtung offen - Nischen sorgen für Privatsphäre. I Foto: Markus Eisele

Wenn die Temperaturen sinken, wird die Nacht für obdachlose Menschen schnell zur existenziellen Gefahr. Im Winter 2025/2026 fanden mehr als 7.000 Mal obdachlose Menschen Schutz in der Winternotübernachtung in der Weißfrauen Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel. Nacht für Nacht waren die regulären Plätze nahezu vollständig belegt. Gleichzeitig zeigt die Auswertung: Neben akuten Notlagen entstanden auch neue Perspektiven - bis hin zu konkreten Auswegen aus der Obdachlosigkeit.

Die Weißfrauen Diakoniekirche bot von Oktober bis Ende zum 31. März bis zu 47 Männern pro Nacht einen Schlafplatz. Die Nachfrage überstieg das Angebot dabei regelmäßig deutlich. Insgesamt wurden mehr als 7.300 Übernachtungen gezählt, über 1.000 unterschiedliche Personen nutzten das Angebot. Während viele Gäste nur einmalig blieben, kehrte ein Teil regelmäßig zurück und nutzte die Einrichtung über längere Zeiträume. Der Betrieb verlief insgesamt stabil und strukturiert: Ein geregeltes Aufnahmeverfahren, begleitet durch Sozialpersonal und Sicherheitsdienst, sorgte für einen geordneten Ablauf auch bei hoher Auslastung.

Die Platzvergabe erfolgte über eine feste Liste, die im Vorfeld geführt wurde. Wer registriert war und rechtzeitig erschien, erhielt verlässlich einen Schlafplatz. Nicht belegte Plätze wurden über ein Nachrückverfahren vergeben, um die Kapazitäten möglichst vollständig auszuschöpfen. Pro Nacht waren in der Regel zwei Sozialhelferinnen oder Sozialhelfer sowie ein Sicherheitsdienst im Einsatz.

Gleichzeitig stellte der Winter auch das Angebot und die Helfenden selbst vor Herausforderungen. Immer wieder kamen Menschen stark ausgekühlt an. Zahlreiche Sachspenden trugen aber laut Christiane Wirtz, stellvertretende Leiterin des Diakoniezentrums Weser5, dazu bei, dass die Winternotübernachtung gut verlief und den Menschen geholfen werden konnte. „Allen Spenderinnen und Spendern gilt ein großer Dank“, sagte sie.

Trotz der Belastungen berichten die Mitarbeitenden von einer intensiven und sinnstiftenden Arbeit. Besonders ermutigend sei unter anderem die Geschichte eines Gastes, der durch die Vermittlung eines externen Kontakts eine neue, vielversprechende Lebensperspektive bekommen habe. Neben der Aussicht auf eine stabile Wohnsituation eröffneten sich ihm auch konkrete Chancen für eine berufliche Neuorientierung. Dieses Beispiel unterstreicht eindrucksvoll, wie wirkungsvoll die Hilfe ist.

Wirtz erklärte zudem, dass aufgrund des hohen Bedarfs nun eine Weiterentwicklung des Angebots der Winternotübernachtung geprüft werde, „um einen verlässlichen und durchgängigen Schutzraum im Frankfurter Bahnhofsviertel bereitzustellen“. Ziel ist es, insbesondere Menschen, die nachts im öffentlichen Raum übernachten und existenziell gefährdet sind, besser zu erreichen und zu schützen.

Übernachtungen und Nutzung

  • 7.351 Übernachtungen insgesamt
  • 1.027 unterschiedliche Personen nutzten das Angebot
  • 47 Schlafplätze pro Nacht (Feldbetten)
  • reguläre Plätze: 99,9 % ausgelastet

Ausstattung und Personal

  • Schlafsäcke, Decken, Isomatten
  • warme Getränke
  • Luftfiltergeräte
  • 5 Mitarbeitende insgesamt eingebunden
  • pro Nacht: 2 Sozialhelfer:innen, 1 Sicherheitsdienst

Zu WESER5:

Im WESER5 Diakoniezentrum finden wohnungs- und obdachlose Menschen täglich Unterstützung: Tagestreff mit warmen Mahlzeiten, Sozialberatung, Duschmöglichkeiten, Waschmaschine, Kleiderausgabe; dazu ein Übergangswohnhaus, Notübernachtung, Straßensozialarbeit in der Stadt und am Flughafen sowie eine Anlaufstelle für neu zugewanderte EU-Bürger:innen. Rund 100 bis 150 Frauen und Männer kommen jeden Tag in den Tagestreff.

Zur Diakonie und zum Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach: Die Diakonie Frankfurt und Offenbach ist Teil des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach, der als Dachverband für 60 evangelische Kirchengemeinden fungiert und eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist. Der Evangelische Regionalverband betreibt mehr als 200 soziale Einrichtungen und ist damit einer der führenden Träger sozialer und diakonischer Arbeit in den beiden Main-Metropolen.


Autor

Lukas Fortkord 1 Artikel

Pressesprecher/ Referent für Kommunikation in der Stabsstelle für Kommunikation, Marketing, Fundraising und Stiftungsmanagement des Evangelischen Regionalverbandes Frankfurt und Offenbach.