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Ungeduld als Teil des Konzepts

Im Lyoner Quartier ist am Freitagnachmittag die ökumenische Tiny Church offiziell eröffnet worden. Endlich, möchte man sagen, denn die Planung hat Jahre gedauert, es gab Rückschläge, dann wieder Ermutigungen. Nun geht es auch inhaltlich los – mit einem großen Programm rund um die kleinste Kirche Frankfurts.

Eröffnung der ölumenischen Tiny Church in Frankfurt-Niederrad - George Kurumthottikal begrüßt viele interessierte Gäste und Medien I Foto: Anne Zegelman/Bistum Limburg
Eröffnung der ölumenischen Tiny Church in Frankfurt-Niederrad - George Kurumthottikal begrüßt viele interessierte Gäste und Medien I Foto: Anne Zegelman/Bistum Limburg

Wenn George Kurumthottikal, „Projektreferent Sozialraum Lyoner Quartier", katholische Kirchengemeinde Sankt Jakobus, in den letzten Jahren darauf angesprochen wurde, wann sie denn endlich käme, die Tiny Church, musste er sich zusammenreißen, nicht mit den Augen zu rollen. Denn eigentlich hätte alles viel schneller gehen sollen. Nun aber steht das als ökumenisches Projekt konzipierte Tiny House bereits seit Dezember an seinem Platz in der Saonestraße in der Niederräder Bürostadt – und der Projektverantwortliche möchte loslegen mit dem Programm. Nur noch die offizielle Eröffnung am Freitagnachmittag galt es zu organisieren, bevor es nun endlich um Inhalte gehen kann. Und dafür, so findet George Kurumthottikal, wird es höchste Zeit, denn er hat bereits eine ganze Reihe von Ideen und konkreten Plänen.

Zur der Eröffnungsfeier, die wortspielerisch unter dem Titel „Starting Tiny“, also „klein anfangen“ einerseits und „Das Kleine anfangen“ andererseits stand, kamen am Freitagnachmittag rund 100 Menschen. Das Interesse an der Eröffnung von Frankfurts kleinster Kirche war riesig, auch einige Kamerateams, darunter RTL und SAT1, waren vor Ort. Rund um das 17 Quadratmeter große, schwarz-gelbe Gebäude, das auf einem Anhänger mit Rollen steht, gab es Grußworte, Kinder und Eltern der Stadtteil-Kita Madeleine Delbrêl sangen zwei Lieder, die Tiny Big Band der katholischen Pfarrei St. Jakobus spielte und der Frankfurter Poetry Slammer Benedict Hegemann hatte einen vielbejubelten Auftritt.

Public Viewing und Poetry Slam

George Kurumthottikal führte durchs Eröffnungsprogramm und dankte allen, die das Projekt begleitet haben, mit Gebeten, Gedanken und Wohlwollen. „Das hier ist ein Ort, der offen sein will für die, die Heimat suchen – und die, die ihre Heimat teilen wollen“, sagte er. „Wir sind hier, um zuzuhören und Euch zu fragen, was Ihr Euch von uns wünscht.“ Entsprechend konnten die Anwesenden auf Kärtchen notieren, was sie sich unter Heimat vorstellen und was sie sich für Niederrad wünschen. Anja Bode, Pfarrerin der Evangelischen Schöpfungsgemeinde, Standort Paul-Gerhardt, Niederrad und der katholische Pfarrer Werner Portugall mischten sich unters Volk und begrüßten sichtlich erfreut die zahlreichen Gratulanten. Darunter war auch Detlef Hans Franke, stellvertretender Vorsitzender der Standortinitiative Neues Niederrad, der sagte: „Dieses kleine Zentrum bereichert Niederrad schon jetzt“ – und der seiner Hoffnung Ausdruck verlieh, man könne ja hier gemeinsam zu WM und EM Public Viewings veranstalten.

Christiane Moser-Eggs, Leitung der katholischen Stadtkirche in Doppelspitze mit Michael Thurn, begrüßte Frankfurts neue Kirche offiziell in der Stadt. Die Tiny Church habe für Ungeduld gesorgt, sagte Moser-Eggs in ihrem Grußwort. „Ich habe richtig lange gebraucht, um zu verstehen, dass Ungeduld in den letzten Jahren zum Konzept des Projekts gehört hat. Was für ein Spannungsbogen!“ Die Kirche sei erdacht, skizziert, diskutiert, verändert, nochmal ausgestellt, vergeben, geplant, gezeigt, verändert worden, und das in mehreren Etappen. Das habe die Menschen noch neugieriger gemacht. „Das Projekt ist einladend. Und dabei ist schon ganz viel entstanden: Nämlich Gemeinschaft. Und weil alle willkommen sind und alle mitmachen durften (und dürfen), ist um diese neugierigmachende, langsamentstehende, spannungerzeugende Mini-Kirche bereits eine Community entstanden.“

Ein ökumenisches Team: Pfarrerin Anja Bode und Pfarrer Werner Portugall bei der Eröffnung der Tiny Church I  Foto: Anne Zegelman/Bistum Limburg
Ein ökumenisches Team: Pfarrerin Anja Bode und Pfarrer Werner Portugall bei der Eröffnung der Tiny Church I Foto: Anne Zegelman/Bistum Limburg

Ökumene vor Ort wird konkret

Christiane Moser-Eggs überbrachte Grüße von Michael Thurn sowie vom evangelischen Stadtdekan Holger Kamlah und Prodekanin Stefanie Brauer-Noss, die gerne dabei gewesen, aber leider verhindert waren. Holger Kamlah sagte im Vorfeld: „Die Tiny Church ist ein großartiges Projekt, weil hier Ökumene vor Ort konkret wird. Sie beweist, dass wir als Kirche auch ohne große Bauprojekte innovativ und nah bei den Menschen sein können. In einem dynamischen Stadtteil wie Niederrad sind solche flexiblen Begegnungsorte enorm wichtig."

Auch der Limburger Bischof Georg Bätzing zeigte sich jüngst als Fan der Tiny Church. Im Fastenhirtenwort 2026 schrieb er: „Früher hätte man in einem neuen Stadtteil eine Kirche und ein Pfarrzentrum gebaut. Vor einigen Jahren durfte ich den Überlegungsprozess mitverfolgen; die Verantwortlichen fragten sich: Wie können wir hier für die Menschen ein Angebot machen? Was passt? Und sie haben experimentiert: Treffen in einem angemieteten Ladenlokal, Gesprächsangebote und kurze Impulse im Eingangsbereich eines Supermarktes und anderes. Mobil, persönlich präsent, offen einladen ohne Hintergedanken, eine Weihnachtsfeier junger Leute an der erleuchteten kleinen Kirche um Mitternacht. Neu denken und Erfahrungen sammeln, wie wir wirklich unter den Menschen und im Kontakt mit ihnen Kirche sein wollen.“

Info

Das Team der Tiny Church freut sich darauf, nun endlich ganz konkret mit der Arbeit loszulegen. Auf der Webseite www.tinychurch-ffm.de finden sich schon eine ganze Reihe von Terminen, unter anderem die regelmäßige Tiny Church Coffee Break immer mittwochs von 13.30 bis 17.30 Uhr, das Event „Landestypische Gerichte aus aller Welt - Zusammenhalt in Vielfalt“ am 21. Mai, 12 bis 14 Uhr, gefolgt von Angeboten für und mit Kindern am selben Tag von 15 bis 17 Uhr, der Poetry Slam mit Slammer Benedict Hegemann am 24. Juli, 19 Uhr, oder eine Präventionsveranstaltung rund ums Fahrrad am 21. August, 15 bis 18 Uhr.

Hintergrund

Gekostet hat der Bau der Tiny Church 122.000 Euro, geplant worden war zu Beginn ursprünglich mit 90.000 Euro. Die Finanzierung der Baukosten wurde durch Stiftungen und Institutionen gesichert. Beteiligt sind die Crummenauer Stiftung, die Kirchenentwicklung Bistum Limburg, das Bonifatiuswerk, der Gesamtverband Frankfurt und die Schlegl Stiftung. Die Finanzierung der laufenden Kosten werden von der Evangelischen Schöpfungsgemeinde und der katholischen St. Jakobus Gemeinde getragen. Die Kosten des pastoralen Mitarbeiters werden vom Bistum getragen. Hier mehr über den Bau und die Anlieferung lesen: Bezirk Frankfurt: Kleine Kirche, lang erwartet

Autorin: Anne Zegelman, Öffentlichkeitsarbeit, Katholische Stadtkirche, Frankfurt


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Regelmäßig veröffentlichen wir im EFO-Magazin Gastbeiträge von Frankfurter und Offenbacher Pfarrerinnen und Pfarrern oder anderen interessanten Persönlichkeiten.