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Zwei neue Fachleute in der Zentrale des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach

Einführungsgottesdienst für Maibritt Gustrau und Malte Dücker

Maibritt Gustrau, Pfarrerin für Ökumene, und Malte Dücker, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung und persönlicher Referent des evangelischen Stadtdekans  |  Fotos: Rolf Oeser
Maibritt Gustrau, Pfarrerin für Ökumene, und Malte Dücker, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung und persönlicher Referent des evangelischen Stadtdekans | Fotos: Rolf Oeser

Stefan Majer, Präses der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach, und der für beide Kommunen verantwortliche Stadtdekan Holger Kamlah laden für Freitag, 6. März 2026, 17 Uhr, in die Heiliggeistkirche am Dominikanerkloster, Kurt-Schumacher-Straße 23, Frankfurt-Innenstadt, zum Einführungsgottesdienst für Pfarrerin Maibritt Gustrau, Fachstelle Ökumene, und Malte Dücker, Theologischer Referent des Stadtdekans sowie Inhaber der Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung, ein. An den Gottesdienst schließt sich ein Empfang an.


Die beiden „Neuen“ im Portrait:

Die neue Ökumenepfarrerin Maibritt Gustrau setzt auf Gespräche im Büro und in vielerlei Gotteshäusern

Die 49 Jahre alte Theologin bringt aus Mannheim interkulturelle Erfahrungen mit

Maibritt Gustrau hört zu, fragt nach, setzt zum Dialog an. Im vergangenen Herbst hat die 49-Jährige im ersten Stock des Dominikanerklosters ihr Büro als Pfarrerin für Ökumene bezogen. Seitdem arbeitete sie sich als Geschäftsführerin des Internationalen Konvents ein, übernahm die Verantwortung für die Ghana-Partnerschaft des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach, etablierte Kontakte zur Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK).

Viele haben in ihrem Büro schon den Dialog gesucht: Vertreter:innen internationaler Gemeinden, die Räumlichkeiten für Gottesdienste brauchen, erbaten ihren Rat und ihre Hilfe. Abgesandte orthodoxer Kirchen, die am Main ansässig sind, tauschten sich in den ersten Wochen mit ihr aus. Zupass kommt Gustrau bei den Gesprächen die Coaching-Ausbildung, die sie aktuell abschließt.

Die Theologin hat nicht nur in ihrem Büro empfangen, sie ist auch viel rausgegangen. Begeistert erzählt sie von dem 50-Jahre-Jubiläum der rumänisch-orthodoxen Gemeinde in Offenbach, inmitten eines Gewerbegebietes liegen deren prächtig ausgeschmückte Räume. Von einem Besuch des regen Familiengottesdienstes der evangelischen Oromo-Gemeinde im Frankfurter Westend, redet die Pfarrerin. Auf ihrem Instagram-Kanal „glauben.am.main“, den sie mit der Übernahme des Ökumene-Amtes eingerichtet hat, berichtet Gustrau in Reels von Besuchen, weist mit Posts auf Veranstaltungen hin.

Der „Mannheimer Morgen“ zitierte im Sommer 2025, zum Abschied Maibritt Gustraus nach zwölf Jahren in der Rhein-Neckar-Metropole, die Ältestenkreisvorsitzende: „Es gibt Stellenangebote, zu denen man nicht nein sagen kann, wenn man das Gefühl hat, die Position sei einem auf den Leib geschrieben worden.“ In der Mannheimer ChristusFriedenGemeinde hatte Gustrau ein Interkulturelles Kirchenzentrum eingerichtet. Nachdem dieses aus Einsparungsgründen nicht mehr an alter Stelle bleiben konnte, sorgte die Pfarrerin dafür, dass die Arbeit in räumlich verkleinertem Umfang weitergehen kann. Schon der Berufseinstieg fokussierte Interkulturelles, Maibritt Gustrau widmete sich zuerst dienstlich in der evangelischen Kirche Nordbaden dem Thema. „Ja, das ist schon meins“.

Nach dem Abitur war gar nicht so klar, dass der Weg der in einem Ort zwischen Karlsruhe und Pforzheim Aufgewachsenen ins Pfarramt führen würde. Im Anschluss an einen Peru-Aufenthalt, einer Zeit in einem Kibbuz In Israel, folgte ein theologischer Kurs für Laien in Hermannsburg und ein Praktikum bei der Gefängnisseelsorge in Celle, beides Niedersachsen. Gen Schulende wollte Maibritt Gustrau Jura studieren, sie schwenkte auf Theologie um: „Mein Thema war und ist Gerechtigkeit“.

Nicht mit der Lanze, sondern mit dem Wort ficht sie dafür und versucht dieser nachzuspüren. Was ist schon Gerechtigkeit? Andere Perspektiven einzunehmen, gehört zu den Aufgaben einer Ökumenepfarrerin. Ihre Doktorarbeit schrieb Maibritt Gustrau in Göttingen über „Orientalen oder Christen? Orientalisches Christentum in den Reiseberichten deutscher Theologen“. Um die Jahre 1870 bis 1914 ging es in der Dissertation, um Erlebnisse von Theologen der Kaiserzeit wie Friedrich Naumann oder auch weniger prominenter, die mit manchem Klischee im Hinterkopf in den Orient reisten. Abwertende Vorurteile hat Gustrau demaskiert, und Fragen gestellt, wie der Titel des Werkes schon sagt.

Ihr Arbeitstag als Ökumenepfarrerin ist gut gefüllt, auch über Frankfurt und Offenbach hinaus Reichendes gehört dazu, etwa der Kontakt zum Zentrum Oekumene der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Das Zentrum hat seinen Sitz in Frankfurt, das macht manche Begegnung leichter.

Feierabends entspannt Gustrau bei Doppelkopf, „die Verbindung von Glück und Strategie“ gefällt ihr und sie liebt es zu kochen. Inspirierend ist dabei Blättern in Kochbüchern und: „Wenn mir was gut schmeckt, dann frage ich nach.“


Malte Dücker: Unterwegs inmitten von Alltagskultur und Kirchenwelt

Der 35-Jährige ist sowohl Fachmann für gesellschaftliche Verantwortung als auch Theologischer Referent des Stadtdekans

Vor ein paar Jahren noch konnte der evangelische Stadtdekan eine 100-Prozent-Stelle für einen persönlichen Referenten, eine Referentin ausschreiben, vor wenigen Monaten erst ist der Vollzeitpfarrer für gesellschaftliche Verantwortung, der weithin Fäden in der Hand hielt, in den Ruhestand gegangen. Vergangenen Oktober hat Malte Dücker seinen Posten im Dominikanerkloster, dem Sitz des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach, angetreten: 50:50 hat er nun beide Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen.

Dücker nimmt es gelassen. Der 1990 in Lich geborene und in Friedberg Aufgewachsene, in Gießen und Frankfurt studierte er Theologie, Geschichte, Germanistik und Bildungswissenschaften, hat seit 2018 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Goethe-Universität gearbeitet. Zum einen war er im Fachbereich Evangelische Theologie mit vielfältigen Aufgaben der Hochschuladministration betraut, zum anderen befasste er sich wissenschaftlich mit Kirchengeschichte, Religion und Gegenwartskultur. „Ich kenne mich aus mit großen Organisationen“, sagt Dücker, „weiß aber auch, wie man darin Raum für die inhaltliche Arbeit finden kann“.

Auf die Frage, ob er sich mit dem universitären Weg vom Lehramtsstudium verabschiedet habe, antwortet Dücker: „Nein, das Thema Bildung war mir immer schon wichtig“. Und das ist es ihm auch in seiner neuen Tätigkeit. Räume schaffen für die Zivilgesellschaft, will er. In einer Zeit, in der vieles lähmt, Wege für das „Trotzdem“ mit ausloten. Schauen, woher innere und gemeinsame Kraft kommen kann. Dücker greift vieles auf, was zur Fachstelle gesellschaftliche Verantwortung auch bislang gehörte: Einsatz für Fair Trade, Mitwirken bei den Anne-Frank-Tagen, bei friedenspolitischen Diskussionen, wirtschaftspolitischen Debatten. Ende November 2025 saß Malte Dücker in der Evangelischen Akademie Frankfurt auf dem Römerberg in einer Diskussionsrunde zu dem Thema „Leere Kassen, starke Rechte?". Auch wenn er sagt, manches falle weg, weil er kein Pfarrer ist, wirkt Dücker an Gottesdiensten mit. Am 24. Dezember beispielsweise gestaltete er zusammen mit Diakoniepfarrer Markus Eisele und anderen in der Diakoniekirche im Bahnhofsviertel den Gottesdienst zur „Langen Nacht am Heiligen Abend“, besucht von zahlreichen Menschen ohne Weihnachtseinladung, oft obdachlos.

Als die evangelische Kirche die Stellen für gesellschaftliche Verantwortung einrichtete, „kam das für manche modisch rüber“, so Malte Dücker. Für ihn ist das keine Fassadenaufhübschung, sondern ein Markenzeichen des Christentums. Und er weist darauf hin: „Am Beginn der Reformation in Frankfurt standen neben theologischen Anliegen bürgerrechtliche und sozialpolitische Forderungen“. Die Erinnerung daran und die „Schönheit des Christentums“ will Dücker, der seine Worte an sich nüchtern wählt, sichtbar machen in Räumen und Wort und Engagement.

Als Referent des Stadtdekans bereitet Malte Dücker Texte vor, Veranstaltungen, der 35-Jährige ist in stetem Austausch mit Holger Kamlah, dem evangelischen Stadtdekan von Frankfurt und Offenbach. Sie haben sich schnell verdrahtet, Kamlah hat ihm rasch Aufgaben übertragen. Er lässt Dücker wirken in Frankfurt und in Offenbach. In Offenbach saß er unlängst als Fachmann für gesellschaftliche Verantwortung in der evangelischen Stadtkirche neben Sozialdezernent Martin Wilhelm in einer Diskussionsrunde über die Situation armutsbetroffener Menschen in Offenbach.

Offenbach kennt Malte Dücker aus der Wohnperspektive. Weil es günstig war und weil er die Stadt mag, zog er ins Mathildenviertel. Oftmals anzutreffen ist er dort, aber auch in Frankfurt. Gerne in den Arthouse Kinos, aber auch „Avatar 3 “ oder die Doku über den Offenbacher Rapper „Haftbefehl“ gehören zu den Filmen, die er in jüngster Zeit gesehen hat. „Ich finde, wer die Gegenwart verstehen will, muss sich auch mit Popkultur beschäftigen“, sagt Dücker. Über den Klassiker „Star Wars“ und die Sängerin Taylor Swift hat er deshalb aus theologischer Sicht genauso ernsthaft geschrieben wie über die Rezeption der Leitfigur der Bekennenden Kirche in der NS-Zeit, den ersten Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Martin Niemöller, und Formen evangelischer Erinnerungskultur nach 1945.

Präsent in der Gegenwart und reflektiert, was die Vergangenheit und das Wesen der evangelischen Kirche angeht, ist der doppelt aktive Malte Dücker – und aufgelegt zu vielerlei Perspektiven und Kontakten.


Autorin

Bettina Behler 404 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach