Zugespielt ... - Kolleginnen und Kollegen im Porträt

Das Bauchrednergeheimnis verrate ich nicht!

Maibritt Gustrau ist seit 1. September 2025 Pfarrerin für Ökumene in der Evangelischen Kirche Frankfurt und Offenbach. Zuvor war sie zwölf Jahre Gemeindepfarrerin in Mannheim. Die 49-Jährige stammt aus einem Dorf zwischen Karlsruhe und Pforzheim. Sie war zwölf Jahre lang Pfarrerin einer Mannheimer Kirchengemeinde und hat dort ein internationales Kirchenzentrum aufgebaut. Seit dem 1. September 2025 ist sie Pfarrerin für Ökumene beim Evangelischen Stadtdekanat in Frankfurt und Offenbach.

Pfarrerin für Ökume Maibritt Gustrau / Foto: Rolf Oeser
Pfarrerin für Ökume Maibritt Gustrau / Foto: Rolf Oeser

Die christliche Ökumene ist Ihr Ding – warum?

Ökumene ist für mich ein Blick über den eigenen Tellerrand.Ich komme aus einem sehr weltoffenen Elternhaus und war mehrfach als Austauschschülerin im Ausland. Nach dem Abitur war ich dann ein Jahr in Israel und Peru unterwegs. Nach einem Praktikum in der Gefängnisseelsorge habe ich am Missionsseminar Herrmansburg angefangen zu studieren. Da saß die Welt mit am Tisch, da dort auch Pfarrer der weltweiten Ökumene zum Beispiel Urlaub gemacht haben oder Gaststudenten dort lebten. Ich erlebte so schon früh die unterschiedlichen Gemeinschaften und Traditionen des christlichen Glaubens. Der fühlt und hört sich überall anders an. Das ist wunderschön und fasziniert mich. Deshalb habe ich auch über Altorientalische Kirchen promoviert.

Welche Kirche muss man Ihrer Meinung nach einmal in echt gesehen haben?

Die Grabeskirche in Israel, wenn sie nicht so voll ist. Ihre Atmosphäre hat mich beeindruckt. Die Liturgien, die Gesänge, auch das Beten der Pilger hat für mich etwas Inniges. Diese orthodoxe Frömmigkeit, über die hierzulande manchmal etwas distanziert berichtet wird, ist für mich eine wichtige Form unseres Glaubens.

Wie ging es weiter?

Ich war zwölf Jahre lang Pfarrerin an der ChristusFriedenGemeinde in Mannheim. Und das gerne. Und da mein Herz schon immer für die interkulturelle Arbeit schlägt, freute ich mich, dass es in meiner Gemeinde die Möglichkeit gab, ein zweites Kirchengebäude zu nutzen, um ein vielfältiges internationales Kirchenzentrum aufzubauen. Konkret gehört zur Gemeinschaft die Evangelisch Koreanische Agapegemeinde, Äthiopische Maranatha-Gemeinde, Presbyterian Church of Cameroon, Ungarische Protestantische Gemeinde und natürlich die Evangelische ChristusFriedenGemeinde selbst. 2025 musste das Kirchenzentrum umziehen – wegen der gebäudeentwicklung. Es hat aber Gott sei Dank ein neues Zuhause gefunden.


Mit welchen drei Adjektiven würden Sie sich beschreiben?

Neugierig, überlegt und offen.


Wenn Sie nicht Pfarrerin geworden wären, dann…

… wäre ich nach Südamerika ausgewandert und wäre Konditorin geworden. In meinem Café hätte es Sahnetorten wie Schwarzwälderkirsch und richtigen deutschen Obstkuchen gegeben. Ich war als Gastschülerin dort und habe für meine Gastfamilie gebacken. Das war der Hit. Sie waren verrückt danach. So ein Café hätte auch um 18 Uhr Feierabend – das ist auch nicht schlecht. (schmunzelt)


Wie war es für Sie nach Frankfurt zu wechseln?

Die Stellenausschreibung des Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach für die Position der Profilstelle für Ökumene und den Internationalen Konvent war einfach wie für mich gemacht – da war für mich klar: das mache ich. Ich freue mich damit die Möglichkeit zu haben, stärker über Gemeindegrenzen hinaus zu arbeiten und ökumenische Beziehungen zu stärken.


Welchen Eindruck macht die Stadt auf Sie?

Frankfurt ist schon sehr faszinierend. Ich finde hier verdichtet sich alles. Auch Reichtum und Not. Die hessische Bodenständigkeit plus die glitzernde Skyline-Metropole. Und die große Vielfalt – auch religiös! Ich war kürzlich in der Indisch-Orthodoxen-Gemeinde in einem Gottesdienst. Das war sehr schön. Ich fühle mich wohl in Frankfurt. Für mich ist es in diesem Kontext auch immer wichtig, mir bewusst zu machen, wofür wir als Kirche da sind.


Wenn sie nicht in Frankfurt leben würden, wo dann?

In Finnland. Am Saimaa-See in der Nähe von Savonlinna. Im Alter von zwei Jahren bin ich das erste Mal mit meinen Eltern dorthin in den Urlaub gefahren und seitdem war ich noch viele weitere Male da. Wenn ich dort bin, ist die Welt in Ordnung. Ich fühle mich an diesem Ort immer sehr friedlich und zufrieden.


Wo ruhen Sie hier gerne aus?

Bis jetzt am liebsten auf meinem Balkon. Die Bäume drum herum, die Eichhörnchen – das liebe ich. Andere Orte muss ich noch entdecken.


Und wer ist eigentlich Otto?
Otto ist ein Hahn und mein Alter Ego beim Bauchreden. Er ist so schön weiß und das ist ein toller optischer Kontrast zu meinem Talar im Gottesdienst, wenn er ab und zu dahin mitkommt. Otto darf auch mal Dinge sagen, die ich so nicht sagen würde. Otto ist nicht nur eine Handpuppe. Er hat eine eigene Persönlichkeit, eine eigene Vita. Er mag Himbeereis, ich Schokolade. (schmunzelt)


Wo haben Sie das Bauchreden gelernt?

Auf einer Bauchrednerschule bei Patrick Martin. Jeder kann das lernen, man muss es nur üben, wie ein Instrument. Aber es gibt natürlich auch ein richtiges Bauchrednergeheimnis, das ich nicht verrate. Das ist Ehrensache, wie bei den Zauberern.


Bald ist Ostern. Was ist für Sie daran das Schönste?

Die Osternacht mit dem Osterfeuer am frühen Morgen, wenn es noch dunkel ist. Licht und Dunkel, diese beiden Elemente ziehen sich gewissermaßen ja auch wie ein roter Faden durch die Bibel. An den Osterfeiertagen wird dies besonders deutlich.


Autorin

Sandra Hoffmann-Grötsch ist Journalistin in der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach.