Zwischen Verlustangst und Aufbruch
Die Stimmung war schon mal besser. Angesichts der vielen Krisen – und ihrer permanenten Inszenierung in den Medien – blicken viele Menschen zurzeit eher skeptisch auf das, was wohl kommen mag. Ist das Ausdruck einer besonderen religiösen Lage? Der Religionsdetektor schlägt an.
Der Blick in die Glaskugel ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon immer haben wir in die Zukunft geschaut, mal euphorisch, mal optimistisch, mal pessimistisch. Weil Menschen Pläne und Hoffnungen haben, gehört der Blick nach vorn zu ihrem Wesen.
Zukunftsszenarien erzählen aber mindestens so viel über die Zeit, in der sie entstehen, wie über das, was kommt. Die Ausgangssituation zählt: Wer viel hat, schaut in Krisensituationen negativer nach vorne als jemand, der nichts zu verlieren hat. Das erklärt, warum wir derzeit so skeptisch sind: Deutschland und „der Westen" allgemein kommen aus einer langen Phase des Friedens und des Wohlstands. Entsprechend groß sind die Verlustängste und die Sehnsucht, es möge so bleiben, wie es vermeintlich „immer schon war". Das ist eher ein Ausdruck allgemein menschlicher Muster und hat weniger mit Religion zu tun.
Aber auch das Christentum kennt die Spannung zwischen Gegenwart und Zukunft, Festhaltenwollen und Aufbrechen. Tradition spielt in den meisten Religionen eine große Rolle, deshalb haben sie strukturell ein konservatives Element. Und gleichzeitig ist der Zug zum Neuen im Christentum nicht zu übersehen.
„Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht gemacht für das Gottesreich", soll Jesus gesagt haben. Die evangelische Kirche versteht sich als Kirche „semper reformanda", also als stets zu reformieren. Und die Jahreslosung für 2026 lautet: „Gott spricht: Ich mache alles neu."
Es gibt also einen deutlichen Zug hin zum Neuen. Die christliche Religion ist da recht klar: Keine Sehnsüchte nach dem Alten – der Blick geht nach vorne!
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