Geniestreiche aus Frankfurt
Frankfurt hat zweifellos mehr als elf Genies hervorgebracht, die Auswahl an Personen, die FAZ-Redakteur Manfred Köhler in seinem Buch vorstellt, ist daher ein wenig willkürlich. Goethe zum Beispiel fehlt, Adorno auch, ebenso Anne Frank und manche andere Berühmtheit. Aber die Portraits unter der Überschrift „Geniestreiche“ sollen kein Ranking sein, sondern einfach spannende Lebensgeschichten erzählen, bei denen die Mainmetropole eine Rolle spielt.
Zum Beispiel bei Heinrich Nestle, der 1814 in der Töngesgasse geboren wurde und als Chemiker eine Säuglingsnahrung erfand, mit der er später in der Schweiz die Grundlage für einen Weltkonzern legte. Funfact: Den französischen accent aigu von „Nestlé“ bekam die Marke erst dort; ursprünglich bedeutete der Familienname „kleines Vogelnest“ – die Wurzeln der Familie liegen in Württemberg.
Spannend auch die Frankfurter Karriere von Clara Schumann, die erst 1878 im Alter von fast sechzig Jahren hierher ins Westend zog, um am Hoch’schen Konservatorium zu unterrichten. Dessen Direktor wollte die berühmte Pianistin und Komponistin so dringend haben, dass er ihr vier Monate Urlaub zusprach sowie das Recht, im Winter Konzertreisen zu unternehmen, zusätzlich zum Urlaub. Zusammen mit zwei Töchtern, einer Köchin und einem Dienstmädchen – Ehemann Robert war schon fast ein Vierteljahrhundert tot – führte sie einen Haushalt in der Myliusstraße, wo sie bis zu ihrem Tod 1896 lebte.
Unterhaltsam und informativ erzählt Köhler auch die anderen Geschichten: wie Heinrich Hoffmann den Struwwelpeter erfand und Margarete Schütte-Lihotzky die Frankfurter Küche, wie Josef Neckermann Versandhaus-König wurde und Bernhard Grzimek mehr oder weniger zufällig Direktor des Frankfurter Zoos, wie der Kulturdezernent Hilmar Hoffmann das Museumsufer gründete. Weitere Kapitel würdigen Maria Sibylla Merian, Franziska Speyer, Margarte Mitscherlich und Liesel Christ. Sehr zu empfehlen.
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