Neulich in der Heimatstadt
Ich staunte nicht schlecht, als ich neulich während eines Besuchs in meiner alten Heimatstadt zur sonntäglichen Gottesdienstzeit vor einem verschlossenen Kirchenhaus stand. Kein Pfarrer, keine Musik, kein Glockenläuten, keine Gemeinde. An der Tür hing nur ein Schild mit der lapidaren Information: „Bis auf weiteres geschlossen" – darunter die Adresse einer anderen nahegelegenen Kirche, die man doch stattdessen besuchen könne.
Eine kurze Recherche auf dem Handy ergab, dass das Kirchengebäude schon vor Monaten verkauft worden war – und ich hatte es nicht mitbekommen. Dieses alte Gebäude, in dem ich große Teile meiner Jugend verbracht habe, als Konfirmand, als Jugendleiter, später als Lektor und Kirchenvorstand, dieses Gebäude, das für mich zwischenzeitlich mehr zuhause war als das eigene Elternhaus, nun war es weg, verkauft, zukünftige Nutzung: ungewiss.
Klar, mein Kontakt zur alten Gemeinde war schon seit längerem quasi eingefroren, aber dass ich so etwas Großes nicht mitbekommen hatte, ließ mich dann doch schockiert zurück – und mit dem Gefühl, dass da ganz schnell und unbemerkt ein großes Stück Heimat verloren gegangen war.
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