Jetzt auch noch Wehrpflicht? Wir bürden den jungen Menschen zu viel auf
Auf junge Menschen kommt jetzt einiges zu. Auch wenn die Wehrpflicht vorerst ausgesetzt bleibt, müssen Fragebögen zur Wehrtauglichkeit ausgefüllt werden. Außerdem wird die Musterung Pflicht, zumindest für junge Männer, Frauen sind bisher ausgenommen.
In dutzenden Städten protestierten im Vorfeld viele Schülerinnen und Schüler gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht. „Sorry für den Lärm, aber ihr hört uns sonst nicht!” bekundeten sie auf Demobannern. Sie haben recht. Die, die potenziell am stärksten davon betroffen sind, Deutschland wieder „kriegstüchtig” zu machen, wurden in die Debatte kaum einbezogen. Und auch generell muss man zugeben, dass die Interessen und Anliegen junger Menschen in der Politik kaum eine Rolle spielen.
Auch meine Kinder sind immer noch gebeutelt von den Schulschließungen während der Corona-Pandemie. Dass ihre Bedürfnisse missachtet werden, merken sie jeden Tag in ihren schlecht ausgestatteten Schulen, in denen ständig Unterricht ausfällt und Lehrkräfte überfordert sind. Sie haben eine Klimakrise im Nacken, deren Auswirkungen unabsehbar sind, und bekommen natürlich auch mit, dass die Jugendarbeitslosigkeit wieder steigt und die Mieten im Lande für viele Menschen nicht mehr bezahlbar sind.
Die Teenager von heute blicken auf eine unsichere Zukunft. Sie bringen jetzt schon Opfer für die Gesellschaft, die nicht gewürdigt werden. „Ihre Belange haben hierzulande keine Priorität”, bestätigt auch Sabine Andresen, die Präsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes. Kein Wunder, wenn viele von ihnen das Vertrauen in unser demokratisches System verlieren. Und wenn sie deshalb nicht bereit sind, auch noch in Form von Wehr- und Ersatzdienst für die Allgemeinheit Opfer zur bringen.
Bei uns Zuhause läuft jetzt häufiger der pazifistische Song „Nein, meine Söhne geb’ ich nicht“ des Liedermachers Reinhard Mey. Denn auch ich gebe meine Kinder nicht. Vielmehr unterstütze ich sie darin, dass sie jetzt politische Forderungen stellen und eine echte Mitsprache verlangen. Und auch darin, dass sie sich einer Gesellschaft verweigern, die sie nicht ernst nimmt. Manche mögen das als unsolidarisch abtun. Ist es aber nicht.
Bevor wir der jungen Generation weitere Lasten aufhalsen, sollten wir zunächst einmal die Bedingungen ihres Aufwachsens verbessern und ihren Interessen und Bedürfnissen auch im politischen Sinne nachgehen. Erst dann ist es an der Zeit, Forderungen an diese Generation zu stellen, wie beispielsweise den Dienst an der Gemeinschaft.
0 Kommentare
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare verfasst. Schreiben Sie doch den ersten.