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Auf der Suche nach Vertrauen – in sich und in die Zukunft

Hochschulpfarrerin Ilona Klemens blickt auf das zu Ende gehende Semester. Aber auch nach dem Abschlussgottedienst mit Taufe gibt es interessante Veranstaltungen, zum Beispiel zur Lage im Iran und für Iraner:innen an der Uni.

Meet and read in der ESG: Durch gemeinsame Lektüre mehr vom Glauben "der anderen" verstehen. I Foto privat
Meet and read in der ESG: Durch gemeinsame Lektüre mehr vom Glauben "der anderen" verstehen. I Foto privat

Ein prall gefülltes Semester neigt sich für die Evangelische Studierendengemeinde (ESG) Frankfurt dem Ende zu, mit Angeboten wie Chorsingen, offener Mediation, Segens-Gottesdiensten mittwochsabends, einer Fotoausstellung „Mut zur Menschlichkeit - Gemeinsam gegen Antisemitismus und Rassismus" mit Bildern von Rafael Herlich unter dem Motto „Studierende stehen ein für ein respektvolles Miteinander auf dem Campus“, zahlreichen Treffen am Frühstücks- oder Abendessenstisch und vor allen Dingen offenen Türen für Einzelgespräche oder auch kleine Kreise. Natürlich werden die Türen in der vorlesungsfreien Zeit nicht verschlossen. Es gibt weiterhin Chorproben, Debatten, Treffen – doch markiert ein besonderer Gottesdienst den Abschluss des Wintersemesters 2025/26.

Zu den in der Pausenzeit anstehenden Terminen gehört aus der Reihe „Offenes Wohnzimmer“ am Donnerstag, 26. Februar, 19 Uhr, eine Veranstaltung mit Abendessen zur aktuellen Lage im Iran. Organisiert wird dieses Format von Friederike Lang, Referentin für internationale Arbeit der ESG. Iranische Studierende, die in Frankfurt leben, stellen ihr Wissen über die Lage in dem Land zur Verfügung. Und: Sie berichten aber über ihre Situation in Deutschland. „Ziel ist es, zu informieren und Möglichkeiten der Unterstützung der Demokratiebewegung zu benennen.“

Hochschulpfarrerin Ilona Klemens ist der Abend auch ein Anliegen. Die Theologin, einst Pfarrerin für Interreligiöses im Evangelischen Stadtdekanat, maßgebliche Initiatorin des Frankfurter Rats der Religionen und dessen Ehrenmitglied, beobachtet auf dem Campus, dass der Israel-Gaza Konflikt fortschwelt, doch was die Lage im Iran angeht, herrsche „Schweigen im Walde“.

Mit verschiedenen Veranstaltungskonzepten ermöglicht die Studierendenpfarrerin Einblicke in die Sichtweisen verschiedener Religionen, „Meet and read“ nennt sich das. Voneinander hören, miteinander reden, ein hohes Gut auf dem Universitätsgelände – und keine Selbstverständlichkeit. Die Belastung ist hoch, die Studierenden „merken ihre eigenen Grenzen“, beobachtet Klemens. Alles muss immer schneller gehen. Die angewachsenen Kommunikationskanäle erhöhten den Druck. Das Klima in den „Sozialen Medien“ trage dazu bei, dass „alle spüren, dass sich das Leben vergiftet hat“.

Die Weltordnung werde „aktuell durcheinandergewirbelt“, sagt Klemens. 1989 sei das ähnlich gewesen, aber damals sei es um Öffnung gegangen, heute nähmen die Einschränkungen zu, findet die Theologin. Die politischen Perspektiven radikalisierten sich, der Drall nach rechts nehme zu, Frauen sähen sich einem „Rollback“ gegenüber. Die Pfarrerin, die ihren Sitz an der Siolistraße im Westend hat, hat den Eindruckt, dass auf dem Universitätsgelände weniger Pärchen unterwegs sind. Vermehrt höre sie, junge Frauen wollten keinen Partner.

Doch der Wunsch nach Zugehörigkeit sei groß. Was das Christentum angeht, würden Fragen gestellt: Was heißt das, zu was gehört man denn da? Welche Heimat bieten „Christfluencer“, welche „Evangelikale“? Für Ilona Klemens sind Offenheit und das Angebot, behutsam und empathisch zu begleiten, Merkmale ihrer Arbeit und der ihres Teams. Seit einem Jahr steht sie mit einem Mathematik- und Informatikstudent in Kontakt. Ein Abend am Osterfeuer habe den Glaubensdistanzierten nachdenklich gemacht. Hochschulpfarrerin Klemens war offen für seine Fragen, im Semesterabschlussgottesdienst am Mittwoch, 11. Februar, 18.30 Uhr, lässt er sich taufen, er ist der zweite Täufling in der ESG in jüngster Zeit, die dritte Taufe und eine Konfirmation „sind in der Pipeline“, so Ilona Klemens. Gewählt als Taufspruch hat der Student einen Abschnitt aus Psalm 37, ums Vertrauen geht es darin.


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Bettina Behler 399 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach