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„Billigeren Wohnraum gibt es in Frankfurt nicht“

Der Evangelische Verein für Wohnraumhilfe weist Vorwürfe des HR-Magazins „defacto“ zurück, er würde bei der Unterbringung von Obdachlosen Steuergelder verschwenden.

Heinz Gonther ist Geschäftsführer des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe in Frankfurt. | Foto: Rolf Oeser
Heinz Gonther ist Geschäftsführer des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe in Frankfurt. | Foto: Rolf Oeser

Mit Verärgerung haben Verantwortliche des Evangelischen Vereins für Wohnraumhilfe auf einen Bericht des HR-Magazins „defacto“ reagiert, in dem unterstellt wird, der Verein würde Steuergelder bei der Unterbringung wohnungsloser Menschen verschwenden. Die Sendung, die am 27. April im HR-Fernsehen ausgestrahlt wurde, zeigte Beschwerden von Bewohnern einer Unterkunft, die durch einen Brand auf einem Nachbargrundstück in Mitleidenschaft gezogen worden war. Die Schäden an Fenstern und Türen seien mehrere Wochen lang nicht behoben worden, die Unterkunft sei „menschenunwürdig“, klagte ein Bewohner im Interview.

Geschäftsführer Heinz Gonther wies die Vorwürfe auf Nachfrage des EFO-Magazins zurück. Die Feuerwehr habe die Räumlichkeiten nach dem Brand inspiziert und als bewohnbar freigegeben. Der in dem Filmbeitrag erweckte Eindruck, die Bewohner hätten frieren müssen, sei falsch. Lediglich die äußeren Scheiben der Doppelglasfenster hätten Sprünge gehabt. Dass sich die Reparaturen verzögerten, habe laut Betreiber technische und versicherungsrechtliche Gründe gehabt.

Die Berichterstattung des Hessischen Rundfunks bezeichnete Gonther als suggestiv und voller Unterstellungen. So würden einem Mitarbeiter des Vereins spekulativ Aussagen in den Mund gelegt. Außerdem habe er die Journalisten angegriffen. Dies ist falsch! Darüber hinaus seien die Originaltöne einer Interviewpartnerin in einen falschen Kontext gestellt worden.

Richtig ist laut Gonther, dass es in Frankfurt sehr schwierig sei, für von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen Wohnraum zu finden. Zu diesem Zweck wurde der Evangelische Verein für Wohnraumhilfe 1984 gegründet. Seit 1993 organisiert und vermittelt er im Auftrag und immer in detaillierter Abstimmung mit der Stadt Unterkünfte, indem er Verträge mit externen Betreibern von Unterkünften für in der Regel gewerbliches Wohnen schließt, Wohnungen anmietet und auch selbst Wohnheime betreibt. Rund 8000 Personen werden derzeit auf diese Weise untergebracht. Dabei handelt es sich um eine ausdrückliche Übergangssituation.

Die im Beitrag als zu hoch kritisierten Kosten von 31 Euro pro Person und Übernachtung inklusive Strom und Heizung seien durch die Frankfurter Immobilienpreise zu erklären, so Gonther. Es sei leider derzeit kaum möglich, auf dem Wohnungsmarkt billigeren Wohnraum zu beschaffen.


Autorin

Antje Schrupp 140 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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