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Die Corona-Krise erleben – fern von Familienangehörigen

Ökumene-Pfarrer Michael Mehl berichtet über die Gemeinden des Internationalen Konvents und deren aktuelle Themen angesichts der globalen Krise.

Ökumenepfarrer Michael Mehl  I Foto: Rolf Oeser
Ökumenepfarrer Michael Mehl I Foto: Rolf Oeser

Gottesdienste auf Youtube verfolgen – für die Ortsgemeinden in Frankfurt und Offenbach, die angesichts der Schutzmaßnahmen in der Corona-Krise auf dieses Medium wechseln, ist das in der Regel eine Premiere. Anders sieht es für die christlichen Gemeinden anderer Sprache und Herkunft aus, die hier ansässig sind. „In diesen Gemeinden gibt es schon viele Erfahrungen dazu“, sagt Michael Mehl, Pfarrer für Ökumene beim Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach.

Gebetsgruppen, die übers Handy laufen, Bibelstunde am Rechner – für diese Gemeinden sei das längst erprobt. Selbst im Gottesdienst sei der Griff nach dem Mobiltelefon nichts Ungewöhnliches, schnell mal schauen, ob Nachrichten aus Ghana oder den USA eingetroffen sind – das werde von den anderen nicht missbilligt, berichtet Mehl, der auch Geschäftsführer des Internationalen Konvents christlicher Gemeinden in Rhein-Main ist. Vergangenen Freitag hat dieser Zusammenschluss sich erstmals per Videokonferenz getroffen: Die Atterberry Family Chapel war vertreten, armenische Christen, die Presbyterian Church of Ghana war dabei – beispielsweise.

Bei aller technischen Gewandtheit, ein Problem sei, dass die Verbindungen in die Heimat vielfach technisch schwierig seien. „Die Hardware ist da, aber das Netz ist schnell überlastet“, sagt Mehl. Gerade gegenwärtig könne das schwierig sein, wenn ein Angehöriger krank ist – und der schnelle Kontakt gesucht wird. Sorge macht ihm auch, dass manche das hiesige Rechts- und Gesundheitssystem nicht ausreichend kennen, um die entsprechenden Vollmachten in den Schubladen zu haben. Und im ärgsten Fall: „Was ist mit Überführungen im Todesfall?“ Zum Glück sei das bislang noch kein Thema gewesen, aber in anbetracht geschlossener Grenzen sei das ein Thema, das sich stelle, sagt der Ökumene-Pfarrer.

Mehl denkt in der Corona-Krise auch an die berufliche Situation vieler Mitglieder der internationalen Gemeinden: Im Reinigungsservice, in der Gastronomie beziehungsweise am Flughafen seien viele tätig – alles Bereiche, die von Schließungen und Kurzarbeit betroffen sind. „Die Solidarität ist groß“, erlebt Mehl. Enge Verbundenheit sei etwas, das die Gemeinden präge.

Aber die Sorgen über den Kontostand kann das nicht nehmen, beschönigen will Mehl da nichts. Nicht nur per Video, am Telefon oder per E-Mail versucht er, sich dieser Tage bei den Gemeinden zu erkundigen und Kontakt zu halten. Kontakte zwischen den internationalen Gemeinden und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zu knüpfen, zählt zu Michael Mehls zentralen Aufgaben. In Zusammenarbeit mit dem Zentrum Oekumene, das von beiden Landeskirchen getragen wird, auch der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck, geschieht das. In diesen Tagen verweist Mehl auf die Hilfsangebote der Ortsgemeinden. „Da gibt es einen Vertrauensvorsprung gegenüber anderen Angeboten“ – christliche Solidarität in schwierigen Zeiten.


Autorin

Bettina Behler 99 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach