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Frankfurter Museen zeigen Ausstellungen über die Ausplünderung jüdischer Familien

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„Gekauft. Gesammelt. Geraubt? Vom Weg der Dinge ins Museum“  ist der Titel eines großen Ausstellungsprojektes, mit dem vier Frankfurter Museen die Ausplünderung von Juden und Jüdinnen in der Zeit des Nationalsozialismus dokumentieren.

Reisebesteck im Etui aus dem 18. Jahrhundert. Ausstellungsstück aus der Silbersammlung des jüdischen Sammlers Joseph Pinkus (1829–1909) und seiner Tochter Hedwig Ehrlich. In seinem Beitrag zum Projekt dokumentiert das Museum Angewandte Kunst den Verlust d
Reisebesteck im Etui aus dem 18. Jahrhundert. Ausstellungsstück aus der Silbersammlung des jüdischen Sammlers Joseph Pinkus (1829–1909) und seiner Tochter Hedwig Ehrlich. In seinem Beitrag zum Projekt dokumentiert das Museum Angewandte Kunst den Verlust d Quelle: Museum Angewandte Kunst

An dem Projekt beteiligen sich das Historische Museum Frankfurt, das Jüdische Museum Frankfurt, das Museum Angewandte Kunst sowie das Weltkulturen Museum, wie der Direktor des Historischen Museums, Jan Gerchow, am 16. Mai in Frankfurt am Main sagte. Die Kooperation begleitet die erstmals 2002 in Frankfurt gezeigte Wanderausstellung „Legalisierter Raub“ des Fritz-Bauer-Instituts und des Hessischen Rundfunks, die die Beteiligung der Behörden und die Bereicherung des Fiskus an der Ausplünderung von Juden thematisiert.

Im Historischen Museum ist seit 17. Mai die Ausstellung „Geerbt. Gekauft. Geraubt? Alltagsdinge und ihre NS-Vergangenheit“ zu sehen. Die Schau beschäftigt sich mit den Spuren des „legalisierten Raubs“ in der Museumssammlung und in privaten Haushalten. Teil der Ausstellung sind Objekte aus früheren jüdischen Haushalten wie etwa Silberbesteck, Porzellantassen, Holzstühle und Sessel sowie Dokumente und Fotos.

Kuratorin Angela Jannelli erhofft sich von der Ausstellung, dass die Besucher und Besucherinnen überlegen, ob sie selbst Alltagsgegenstände aus ehemals jüdischem Besitz haben könnten. „Der legalisierte Raub fand in allen gesellschaftlichen Bereichen statt“, sagte Jannelli.

Das Jüdische Museum gibt parallel den bisherigen Stand der im Haus betriebenen Provenienzforschung wieder. Die Präsentation konzentriere sich auf einige Zeremonialobjekte, die über den Kunsthandel, aus Privatbesitz oder aus Sammlungen anderer Museen in das Museum gelangt sind, erklärte Direktorin Mirjam Wenzel.

Die Ausstellungen im Museum Angewandte Kunst und im Weltkulturen Museum werden am 6. Juni und 16. August, eröffnet. Die Schau im Museum Angewandte Kunst widmet sich der Geschichte der Silbersammlung des jüdischen Sammlers Joseph Pinkus. Im Weltkulturen Museum sind Fallbeispiele aus kolonialem und nationalsozialistischem Kontext zu sehen.

Das Ausmaß der Aneignungen jüdischen Eigentums während der NS-Zeit wird erst seit verhältnismäßig kurzer Zeit umfassend wissenschaftlich dokumentiert. Die Finanzämter des Deutschen Reichs hatten bereits unmittelbar nach Hitlers Machtübernahme 1933 begonnen, die jüdische Bevölkerung zu drangsalieren. Die Repressionen steigerten sich zu Zwangsabgaben und Kontosperrungen und endeten schließlich mit der kompletten Enteignung aller in die Vernichtungslager Deportierten.


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