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Gottvertrauen und Nächstenliebe

Wenn auch nicht zugleich auf der Kanzel, die Predigt zum Reformationstag hielten in diesem Jahr der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz und der evangelische Stadtdekan Achim Knecht wieder gemeinsam in der evangelischen Sankt Katharinenkirche an der Frankfurter Hauptwache.

v.li. der katholische Stadtdekan zu Eltz und der evangelische Stadtdekan Knecht I Foto: Rolf Oeser
v.li. der katholische Stadtdekan zu Eltz und der evangelische Stadtdekan Knecht I Foto: Rolf Oeser

Um 17.50 hieß es an der Pforte der Sankt Katharinenkirche, „nichts geht mehr“. Eine Reihe an Menschen musste der Küster abweisen. Gedränge am Reformationstag gab es vor der Frankfurter Innenstadtkirche zuletzt im Jubiläumsjahr 2017, als sich eine Schlange an der Hauptwache bildete. So war es dieses Mal nicht, in anderen Zeiten wären Lücken auf den Bänken geblieben. Der angesichts der Corona-Pandemie als Schutz gewahrte Abstand sorgte für deutlich weniger Plätze in dem Gottesdienst, den der evangelische Stadtdekan für Frankfurt und Offenbach Achim Knecht und der katholische Stadtdekan Frankfurts Johannes zu Eltz gemeinsam hielten.

Nicht nur die Gemeinde, auch die Stadtdekane oder die einzeln unter der Leitung von Michael Graf Münster Musizierenden trugen Maske. Allein bei Predigt, Gebet und Segen oder solistischem Gesang wurden sie abgenommen – so sind nicht nur die Vorschriften. Knecht zitierte den Reformator Martin Luther, der dazu aufforderte, in Zeiten der Pest, wie sie 1527 die Stadt Wittenberg ereilte, dem anderen zu helfen, aber auch Distanz zu wahren, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Im Herbst 2020, in dem Textilien Nase und Mund zum gegenseitigen Schutz verhüllen, räumten beide Stadtdekane dem Begriff „Transparenz“ in ihrer gemeinsamen Predigt am 31. Oktober eine zentrale Bedeutung ein. Wolle die evangelische Kirche angesichts schwindender Mitgliederzahlen und zurückgehender Geldflüsse sich bewähren, so müsse sie auf Transparenz setzen, äußerte Knecht.

Werde vertuscht und verheimlicht, „eine verschworene Gemeinschaft gebildet“, so würden diese Eide stets gebrochen, der Mensch sei ein mitteilsames Wesen. Schon Jesus habe dazu aufgefordert, vom Dunkel ins Licht zu kommen, sagte zu Eltz. Um Missstände in seiner Kirche aufzuklären, seien unabhängige Journalisten willkommen, Strafwürdiges sei Sache der Juristen, „auch wenn oder gerade weil es die Kirche Christi ist“, äußerte der katholische Stadtdekan. „Fürchtet Euch nicht“, leitete er seine Predigt ein. Sein Bezugspunkt war die österliche Botschaft, die auch in dieser Zeit der Pandemie und Sorgen, vernehmlich sei.

Seit einigen Jahren halten Knecht und zu Eltz am Reformationstag, der an die Ursprünge der evangelischen Kirche erinnert, die sich von der katholischen Kirche abspaltete, gemeinsam Gottesdienst. „Ein schönes Zeichen der Verbundenheit“, nannte es Knecht. Und dass die beiden in diesem Jahr nicht wie gewohnt nebeneinander, sondern nacheinander auf der Kanzel standen, ändere daran auch nichts.

Der Predigt der Stadtdekane zugrunde lag ein Abschnitt aus Matthäus, 10. Darin heißt es, „Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird und nicht geheim, was man nicht wissen wird.“ Ein Satz, an den das Leitmotiv der Transparenz anknüpfte, das zu Eltz besonders in den Blick nahm.

Im zweiten Abschnitt dieser Bibelpassage geht es um die Zusage, wie wertvoll der Mensch vor Gott ist. Ein Versprechen, das in der Reformationszeit von Bedeutung gewesen sei und jetzt auf eine andere Art „in der Corona-Pandemie" gelte, sagte Knecht. An Tagelöhner, einfache Handwerker, an Menschen, die oftmals Opfer staatlicher Gewalt wurden, habe Jesus seine Worte gerichtet. Martin Luther habe wie auch diese Menschen durchaus um Gott gerungen, „er quälte sich, Gott zu gefallen“, so Knecht. Bis der Reformator während seiner Bibelstudien erfuhr, dass er in seiner menschlichen Existenz auf Gott vertrauen kann. „Unsere Bewährungsprobe ist die Corona-Pandemie und wie wir damit umgehen“. Gottvertrauen sei das eine, aber das andere zu sehen, „wenn mein Nächster mich braucht“ – lautete die Botschaft des evangelischen Stadtdekans.

In der ersten Reihe, aber auf unterschiedlichen Seiten, nahmen Knecht und zu Eltz in diesem Abendgottesdienst Platz. Den Segen sprachen sie Seite an Seite. Zugewandt den Menschen. Bevor der Orgelklang, gespielt von Martin Lücker auf der Empore, die Menschen in den Frankfurter Abend begleitete.


Autorin

Bettina Behler 126 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach