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Gute Nachrichten: Gott ist gar kein Mann!

Mit einer Sonderausstellung unter dem Titel „G*tt w/m/d – Geschlechtervielfalt seit biblischen Zeiten“ zeigt das Bibelhaus Erlebnismuseum in Sachsenhausen bis 19. Dezember die geschlechtliche Vielfalt des Göttlichen anhand von Exponaten von der Antike bis heute.

Die Ausstellung im Bibelmuseum ermuntert auch dazu, sich mit den eigenen Gottesvorstellungen auseinanderzusetzen. | Foto: Antje Schrupp
Die Ausstellung im Bibelmuseum ermuntert auch dazu, sich mit den eigenen Gottesvorstellungen auseinanderzusetzen. | Foto: Antje Schrupp

Wenn man Google fragt, ist Gottes Geschlecht eindeutig: ein alter weißer Mann mit Bart. Tatsächlich hat Gott im Christentum unübersehbar männliche Züge angenommen. Anders als im Judentum und im Islam, wo das biblische Gebot, sich von Gott „kein Bildnis zu machen“, sehr ernst genommen wird, gab es diesbezüglich in den christlichen Kirchen keine Hemmungen. Gott wurde immer wieder als Mann gemalt und beschrieben, als Richter, Vater, Herr und Gebieter.

Dass dies eine patriarchale Verzerrung ist, die weder durch biblische Zeugnisse noch durch Traditionen legitimiert werden kann, macht eine Ausstellung sichtbar, die jetzt im Bibelhaus Erlebnismuseum in Sachsenhausen eröffnet wurde. Ihr Titel: „G*tt w/m/d – Geschlechtervielfalt seit biblischen Zeiten“ macht schon deutlich, worum es geht. Anhand von antiken Zeugnissen, mittelalterlichen Handschriften und zeitgenössischen Exponaten wird gezeigt, dass das Göttliche nie den binären Geschlechterkategorien entsprochen hat, auch wenn die heute viele Menschen für „natürlich“ oder sogar „gottgewollt“ halten.

Beispiele für die geschlechtliche Vielfalt des Göttlichen finden sich etwa in Leihgaben aus internationalen archäologischen Sammlungen. Da wäre zum Beispiel eine mit großen Brüsten und dickem Bauch ausgestattete Figurine, die den ägyptische Gottes Bes darstellt. Der allerdings wird in antiken Zeugnissen eindeutig als männlich beschrieben, wie der Archäologe Martin Peilstöcker erläutert, der zusammen mit Bibelhausleiter Veit Dinkelaker die Ausstellung konzipiert hat.

Was jedoch als erstes auffällt, wenn man in die Kellerräume betritt, in denen die Sonderausstellung untergebracht ist, ist Conchita Wurst, jene von dem Sänger Tom Neuwirth dargestellte Kunstfigur, die 2014 den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Der Künstler Gerhard Goder hat sie als lebensgroße Holzfigur geschnitzt und auf einer Mondsichel platziert. Diese Kombination erinnert nicht nur an die Mondsichel-Madonnen, sie korrespondiert auch mit der Darstellung eines Hermaphroditen auf einer Mondsichel in einem Buch aus dem 16. Jahrhundert, die in einer der Vitrinen zu sehen ist.

Insgesamt umfasst die Ausstellung, die noch bis zum 19. Dezember zu sehen ist, rund 80 Exponate, darunter auch Interviews mit nicht binären Menschen sowie andere multimediale Elemente. Die Eröffnung fand am Abend des 22. Juni virtuell statt, man kann sie auf Youtube anschauen. Das Bibelhaus Erlebnismuseum, Metzlerstraße 19, ist gemäß den Corona-Regeln geöffnet. Für den Besuch ist eine vorhergehende Terminvereinbarung unter Telefon 069/66426525 notwendig. Die Ausstellung ist aber auch virtuell unter www.gott-wmd.de zu erleben. Gruppenführungen können nach den jeweils aktuellen Corona-Bedingungen ebenfalls telefonisch gebucht werden.

Zum Begleitprogramm gehört ab September auch die deutsche Premiere des Theaterstücks „The Gospel according to Jesus Queen of Heaven“ von Jo Clifford in einer deutschen Bearbeitung von und mit Schauspieler Brix Schaumburg. Das Theaterstück wird online präsentiert.


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Antje Schrupp 167 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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