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Kunstaktion „Kreuz des Friedens“ an der Alten Oper

Die Aktionkünstler:innen Axel Richter und Lavanya Honeyseeda werden am Samstag, 14. August, um 14 Uhr an der Alten Oper in Frankfurt eine Kunstinstallation und eine Klangperformance ausrichten. Sie wollen damit zum Frieden und zur Solidarität mit allen Opfern sexueller und sexualisierter Gewalt weltweit aufrufen.

Axel Richter und Lavanya Honeyseeda bei einer früheren Performance. Am 14. August werden sie mit den "Friedenskreuzen" und ihrer Klanginstallation in Frankfurt an der Alten Oper sein. | Foto: eoa
Axel Richter und Lavanya Honeyseeda bei einer früheren Performance. Am 14. August werden sie mit den "Friedenskreuzen" und ihrer Klanginstallation in Frankfurt an der Alten Oper sein. | Foto: eoa

Sie wollen sich mit den Mitteln der Kunst politisch engagieren, auf Leid und Unrecht aufmerksam machen: Bei ihrer Kunstaktion „Kreuz des Friedens“ knüpfen Axel Richter und Lavanya Honeyseeda an andere Initiativen an, bei denen mit künstlerischen Mitteln auf Gewalt und vor allem auch sexuelle Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht wurde. Zum Beispiel an die Frauenstatue des Künstler:innen-Ehepaares Kim Seo-Kyung und Kim Eun-Sung zum Gedenken an die koreanischen so genannten „Trostfrauen“, die während des Zweiten Weltkrieges zur Prostitution gezwungen wurden. Eine der Statuen wurde auch in Frankfurt aufgestellt, vor der koreanischen Gemeinde im Gallus. (Wir berichteten)

Richter und Honeyseeda möchten nun auch unabhängig von einem konkreten historischen Anlass an die Mitverantwortung für den Frieden appellieren und Mitgefühl für das Leiden Unschuldiger in allen Teilen der Welt wecken. Pfarrer Markus Zink vom Zentrum Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau in Frankfurt-Bockenheim unterstützt das Vorhaben. Weder Religion noch Kunst seien unpolitisch: „Alles, was wir mit Verantwortung und Gewissen tun, ist im Grunde politisch. Der Punkt ist, dass Religion und Kunst darauf abzielen, dass die Veränderung, die wir uns wünschen, bei uns selbst anfängt. Dafür macht Kunst sensibel, also empfindsam mit allen Sinnen.“

Pfarrer Markus Zink ist Referent für Kunst und Kirche. | Foto: eoa
Pfarrer Markus Zink ist Referent für Kunst und Kirche. | Foto: eoa

Im besten Fall werde dadurch das eigene Denken angeregt und „eigene Wege durch die Fragen des Lebens freigegeben“, so der Pfarrer, der für das Referat Kunst und Kirche zuständig ist und bei der Performance am 14. August auch ein Grußwort sprechen wird. Das unterscheide Kunst und Religion von Propaganda. „Kunst und Religion können in diesem Sinne frei machen für die Anliegen unserer Zeit, für andere und für die eigene Entwicklung. Sie bewegen, wie Musik Tanzende bewegt. Kunst und Religion überreden nicht, sondern geben Anlass zum Reden. Sie manipulieren nicht, sondern motivieren.“ Daher sei auch der akustische Teil der an der Alten Oper geplanten Kunstaktion, die Klangperformance von Lavanya Honeyseeda, ein wichtiges, nämlich buchstäblich "bewegendes" Element des Projektes.

Das Kreuz im „Friedenskreuz“ nimmt offensichtlich ein christliches Hauptsymbol auf. Aber es werde, so Pfarrer Zink, künstlerisch zu etwas Neuem transformiert, das viele Assoziationen aufruft. Mit Kreuzen auf den Stadtkarten fanden die Bomberstaffeln im zweiten Weltkrieg die vorgesehenen Abwurfstellen für ihre todbringende Fracht. Oder sie markierten sie am Himmel mit Lichtkreuzen. „Aus meiner Sicht bildet sich das im Bodenkreuz des Kunstwerks ab. Gleichzeitig ist das Friedenkreuz aber auch eine Art roter Teppich für die Figuren, zwischen denen wir uns als Passant:innen hindurchbewegen können. Damit werden Menschen, die als unschuldige Opfer im Fadenkreuz gewalttätiger Konflikte stehen, von der Kunst prominent hervorgehoben, in den Blick gerückt, in Szene gesetzt – aber nicht voyeuristisch den Blicken aussetzend, sondern mit Wertschätzung, um Wertschätzung in uns wachzurufen.“

Das Kunstwerk sei also offen in zweierlei Hinsicht: einerseits begehbar, also räumlich offen, und andererseits deutungsoffen. „Es ruft Verdrängtes in uns auf und provoziert dadurch die Auseinandersetzung mit uns selbst: Wie gehe ich damit um, dass ich von Gewalt und Krieg in der Welt höre, im Besonderen vom Schicksal der Kinder?“, so Zink. Das Kreuz werde im christlichen Kontext mit Jesus Christus verbunden als Zeichen seiner Liebe und Hingabe. Über die Grenzen der Religion hinaus ist es zum Symbol für Tod und Zerstörung geworden, aber – etwa im Zeichen der Hilfsorganisation „Rotes Kreuz“ – auch zum Symbol für aufopferungsvolle Liebe.

Im Kunstprojekt „Friedenkreuz“ schwingen alle diese Bedeutungsebenen mit. Daher sei das Werk nicht nur auf eine christliche Lesart hin angelegt, sondern auch kulturell und interreligiös offen.


Autorin

Antje Schrupp 167 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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