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Mit Musik den Raum füllen

„For all People" - ein Musikprojekt mit jungen Flüchtlingen hat den Saal der Nazarethgemeinde in Eckenheim für einen Workshop genutzt. Pfarrerin Christine Streck-Spahlinger begrüßt es, wenn die Räumlichkeiten von Initiativen wie dieser genutzt werden.

Lucia Primavera, Theatermacherin unter anderem für die Landungsbrücken oder auch in der Stalburg, gehörte zum Leitungsteam des Workshops in der Nazarethgemeinde. I  Foto: Bettina Behler
Lucia Primavera, Theatermacherin unter anderem für die Landungsbrücken oder auch in der Stalburg, gehörte zum Leitungsteam des Workshops in der Nazarethgemeinde. I Foto: Bettina Behler

Samstagmorgen in der Adventszeit im Gemeindesaal der Evangelischen Nazarethgemeinde: Das Projekt „For all People“ ist zu Gast. Die Initiative vermittelt Instrumental- und Gesangsunterricht für geflüchtete Jugendliche im Raum Frankfurt durch Studierende, aber auch durch Lehrende der Frankfurter Musikhochschule. „In Workshops kommen geflüchtete und beheimatete Jugendliche zum gemeinsamen Musikmachen, Theaterspielen und Kochen zusammen“, heißt es auf der Website der Initiative.

Erstmals ist die evangelische Gemeinde in Eckenheim Veranstaltungsort. Pfarrerin Christine Streck-Spahlinger freut sich über die Gäste: „Wir machen das sehr gerne“. Sie versteht es als „programmatisch“, die neu gestalteten Räume für Projekte wie diese zur Verfügung zu stellen - in Zeiten, wo die Gemeinde sie nicht braucht. Der Musiker und Neurowissenschaftler Johannes Kasper, einer der Initiatoren von „For all People“, hat unlängst drei Tage mit anderen Musizierenden im Gemeindesaal der Nazarethgemeinde geprobt, erzählt Streck-Spahlinger. An anderer Stelle profitiere die Gemeinde von der Überlassung der Räumlichkeiten mit Bühne und Flügel, zum Beispiel wenn Musikerinnen und Musiker als Dank für Probenmöglichkeiten unentgeltlich bei Gemeindeveranstaltungen auftreten. Streck-Spahlinger nennt es „Naturalien“.

In der Workshoprunde sitzen an diesem Tag ein junger Mann im schwarzen Hoody, ein anderer trägt Trainingshose, dazwischen eine junge Frau, die Mähne zum Dutt gezwirbelt, ihre Nachbarin hat sich am Morgen für ein Karo-Flanellhemd entschieden: Wer ist nun Flüchtling, wer studiert an der Musikhochschule, wer zählt zu den interessierten Jugendlichen, die „einfach so“ kommen? Lucia Primavera, freie Theatermacherin und bei „For all People“ dabei, so auch an diesem Tag, findet, „man kann nicht so klar sagen, das ist ein Flüchtling“. Ziad Charaf beispielsweise, der Lust hat, Schlagzeug spielen zu lernen, spricht ein nahezu akzentfreies Deutsch, vor drei Jahren kam er aus Damaskus. Inzwischen studiert er im zweiten Semester in Frankfurt Elektrotechnik, wohnt in einer Ein-Zimmer-Wohnung: Macht es da Sinn, stets und immer von einem Flüchtling zu sprechen?

Primavera hat ihren Nachnamen von ihrem italienischen Großvater geerbt, noch vor dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Frankfurt. Unzählige solcher Biographien gebe es in Frankfurt, sagt die 30-Jährige. Ihr gefällt, wie die Teilnehmer und Teilnehmer des Workshops den Raum in Besitz nehmen: Zuerst stehen sie im Kreis, nutzen den Körper als Resonanzboden, nach 20 Minuten sitzen sie im Stuhlkreis, lauschen, was auf dem Handy abgespielt wird, eine Viertelstunde später wechseln sie mit dem Stuhlkreis auf die Bühne, verfolgen, was ein Dozent der Musikhochschule auf dem Flügel spielt, lesen den Infozettel dazu, geben in Worten und Musik eigene Eindrücke wieder. Um die Mittagszeit kocht ein Team für alle in der Gemeindeküche.

Primavera fand es „klasse“, mit welchem Vertrauen, die Gemeinde der Initiative begegnet ist. „Man muss nur miteinander reden“, sagt Pfarrerin Streck-Spahlinger. Nicht jeder komme kostenlos in den Saal. Bei manchen gehe es eher um eine Vermietung, der Tanzkreis eines größeren Unternehmen dürfe gegen einen Obolus gerne die Räumlichkeiten nutzen, andere, wie das Flüchtlingsprojekt, könnten auch schon mal Chancen haben, diesen kostenlos überlassen zu bekommen. Nächstes Jahr seien zwei weitere Workshops mit „For all People“ im Gemeindesaal angedacht, berichtet Streck-Spahlinger.


Autorin

Bettina Behler 44 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach