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Mit neuem Leitbild geht die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach in die Zukunft

Das evangelische Kirchenparlament befasste sich bei seiner hybriden Tagung im Dominikanerkloster mit Musik, Sozialem, Gemeindeentwicklung und ehrte zwei verdiente Ehrenamtliche mit der Spenermedaille.

v.li. vorne: Annelies Schabicki und Waveney Davey bekamen von Stadtdekan Achim Knecht und Präses Irmela von Schenck die Spenermedaille verliehen. I Foto: Rolf Oeser
v.li. vorne: Annelies Schabicki und Waveney Davey bekamen von Stadtdekan Achim Knecht und Präses Irmela von Schenck die Spenermedaille verliehen. I Foto: Rolf Oeser

Verabschiedet hat das evangelische Kirchenparlament von Frankfurt und Offenbach bei seiner gestrigen Sitzung ein neues Leitbild. Das bisherige hatte der Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes im Jahr 2001 beschlossen, damals gab es in Frankfurt noch mehrere Dekanate, auch der Zusammenschluss der Kirchen beider Städte war noch nicht geschehen. „Es sei dringend geboten gewesen“ dieses Leitbild zu novellieren und es habe einen intensiven Prozess mit vielen Beteiligten auf diesem Weg gegeben, erläuterte Präses und Versammlungsleiterin Irmela von Schenck in ihrer Einführung.

Stadtdekan Achim Knecht stellte das an den Begriffen des Korintherbriefs „Glaube, Liebe, Hoffnung“ orientierte überarbeitete Grundverständnis vor, das sich sowohl an Haupt-, als auch an Ehrenamtliche wendet. Die Würde eines jeden Menschen zu schätzen, sich insbesondere den Armen und Ausgegrenzten zuzuwenden, Engagement für eine Welt, geprägt von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu zeigen, gelte es, und diese Haltung „öffentlich zu bekennen und sie in praktisches Handeln umzusetzen“.

Pädagogische und soziale Angebote „für alle Menschen in unseren Städten“, Ökumene, Solidarität mit den jüdischen Gemeinden, interreligiös und interkulturell sensibler Umgang, Gleichstellung der Geschlechter, Akzeptanz unterschiedlicher Lebensformen, sind Stichwort des Papiers, das von den Delegierten mit großer Mehrheit angenommen wurde.

Verabschiedet wurde an dem Abend eine Erklärung unter der Überschrift „Gute Arbeit statt Ausbeutung“. Diese war in ökumenischer Zusammenarbeit vorbereitet und bereits im März von der Stadtversammlung der Frankfurter Katholikinnen und Katholiken verabschiedet worden. Beide Kirchen sprechen sich in diesem Dokument nachdrücklich gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse aus (siehe hier).


Fokus Kirchenmusik

„Ohne sie blieb es sonntags weitgehend still“ äußerte Propsteikantor Stefan Küchler gestern Abend bei der Vorstellung des Papiers „Nebenberufliche Kirchenmusik im Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach“. 18 hauptberuflich als Kirchenmusiker:in Tätige gibt es im Evangelischen Stadtdekanat (14,75 Stellen), dazu kommen 76 nebenberuflich in dem Bereich Beschäftigte (6,5 Stellen).

Nachdem vor einigen Jahren bereits für die Hauptamtlichen ein Konzept vorgelegt wurde, war es dem Ausschuss für den kirchenmusikalischen Dienst ein wichtiges Anliegen, für diesen Personenkreis gleichfalls etwas zu erstellen. „Damit haben wir jetzt etwas in der Hand“, begrüßte Amina Bruch-Cincar, Pfarrerin der Gustav-Adolf-Gemeinde in Offenbach-Bürgel, das Konzept, in dem es beispielsweise um Dienst an der Orgel, in Chören und die Posaunenarbeit geht. Haushaltsfragen, aber auch Themen wie „Zuständigkeiten und organisatorische Abläufe“ werden dargelegt, eine Checkliste, was unterscheidet abhängige Beschäftigung von selbstständiger Tätigkeit, ist enthalten.


Situation in den Gemeinden

Über weitere Aspekte gemeindlicher Arbeit berichtete Prodekan Holger Kamlah in seinem Bericht über die vergangenen zwölf Monate. In seiner schriftlichen Vorlage hatte er von Personalia berichtet, diversen Stellenveränderungen, in seinem mündlichen Bericht im Frankfurter Dominikanerkloster ging er zum einen darauf ein, dass Corona zwar viele kreative Formen, Gottesdienst zu feiern, hervorgebracht habe, ausdrücklich bedankte er sich für die Bereitschaft zu Zusatzangeboten etwa in punkto Konfirmationen, zugleich sei in der Pandemiezeit der schwindende Besuch herkömmlicher Sonntagsgottesdienste noch einmal deutlicher hervorgetreten.

Über neuere Andachtsformen sei nachzudenken, regte Kamlah an. Unter dem Motto „klein und fein“ gebe es seitens des Zentrums Verkündigung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Interessantes, so Pfarrerin Ute Pietsch von der Evangelischen Mariengemeinde in Frankfurt-Seckbach. Hinsichtlich der Idee, gemeindeübergreifend zu Gottesdiensten einzuladen, gab es aber auch Bedenken. Ein Delegierter aus der Stadtkirchengemeinde Offenbach verwies darauf, dass Gottesdienste oftmals von Älteren besucht werden und für sie eine längere Wegstrecke zu dem jeweiligen Gotteshaus zu beschwerlich sein könne.

Zusammenlegung von Gemeindebüros sei ein Ansatz, um weitere Öffnungszeiten und mehr Effizienz zu erreichen, berichtete Prodekan Kamlah. Bei einer Zuständigkeit für rund 6.000 Gemeindemitglieder und entsprechendem Personal sei eine solche Verwaltung gut zu führen – die Gemeindegröße liegt in der Regel jedoch deutlich darunter. Zu Partnerschaften hinsichtlich räumlicher Kapazitäten mit katholischen Nachbargemeinden ermutigte Stadtdekan Achim Knecht, beispielsweise am Riederwald sei dieses Konzept schon weit gediehen, von weiteren gehe er aus.

Spenermedaille

Ausgezeichnet mit der Spenermedaille wurden im Rahmen der Tagung Annelies Schabicki und Waveney Davey. Alljährlich ehrt die Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach verdiente Ehrenamtliche mit dieser Medaille. Namensgeber ist Philipp Jakob Spener, programmatischer Kopf des Pietismus, er stand von 1666 bis 1686 an der Spitze der lutherischen Pfarrerschaft in Frankfurt.

Wolfram Schmidt, Kirchenvorstandsvorsitzender der Sankt Katharinengemeinde, hielt die Laudatio auf Davey. Geboren in Südafrika, ist sie nach mehreren Stationen in anderen Ländern seit vielen Jahren in Frankfurt zu Hause. Schmidt nannte sie „eine sehr bescheidene Person“, der Rampenlicht, wie an diesem Abend, eher unangenehm sei. Die ausgebildete Krankenschwester schaue lieber auf andere, sie habe „einen Blick für die Menschen in ihrer Nähe“ und „handle unverzüglich“, ob es um Arzt- oder Behördengänge gehe. Davey ist seit Langem im Kirchenvorstand von Sankt Katharinen engagiert, auch für den Weltgebetstag setzt sie sich ein.

Für diakonisches Engagement über das Gemeindeleben hinaus erhielt Annelies Schabicki die in der Höchster Porzellanmanufaktur gefertigte Spenermedaille. Sie hat sich stark im Sozialraum Am Bügel eingebracht, wo sie seit 40 Jahren lebt. Olaf Lewerenz, früher auch Am Bügel tätig, heute Stadtkirchenpfarrer an Sankt Katharinen, würdigte in seiner Laudatio ihre Hartnäckigkeit bei den Themen Frieden, Migration und gegen Rechtsextremismus. Er erinnerte an ihr Engagement als Mitglied im Vorstand des Evangelischen Regionalverbandes gegen die Apartheid in Südafrika in den Achtzigern, aber auch an ihr jüngstes Engagement, etwa für im Kirchenasyl Befindliche oder auch als „Vorlesepatin“ und Hilfe für Kinder im Stadtteil. In Lockdown-Zeiten sei Annelies Schabicki ihrem schon in den Achtzigern gepflegten sozialräumlichen Engagement treu geblieben.


Autorin

Bettina Behler 177 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach