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Diakoniezentrum im Bahnhofsviertel: „Orte wie diesen müsste es viel mehr geben“

Das Weser 5 Diakoniezentrum lud die Nachbarschaft aus dem Bahnhofsviertel ein, um sich ein Bild zu machen: Wer kommt hierher, was passiert dort, warum ist das wichtig? Bei Suppe und Käse gab es die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen.

Die Nachbarschaft aus dem Bahnhofsviertel war eingeladen, das Diakoniezentrum Weser 5 kennenzulernen. I  Foto: Rolf Oeser
Die Nachbarschaft aus dem Bahnhofsviertel war eingeladen, das Diakoniezentrum Weser 5 kennenzulernen. I Foto: Rolf Oeser

Als Thomas Adam noch Platte machte, war der Eiserne Steg sein fester Bettelplatz. „Ich ging immer direkt auf die Leute zu: ‚mein Name ist Thomas, ich bin Alkoholiker, haste mal ne Mark für mich‘….“

Aufmerksam hören die Besucherinnen und Besucher im Weser 5 Tagestreff Thomas Adam und anderen wohnungslosen Menschen zu, die auf dem Podium aus ihrem Leben berichten. Der Schutzmann vor Ort ist ebenso gekommen wie die Geschäftsfrau, die immer mal wieder Mäntel als Kleiderspende abgibt und gerne wissen möchte, was Weser 5 eigentlich genau macht. Erstmals hatte die Einrichtung des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach Nachbarinnen und Nachbarn aus dem Bahnhofsviertel eingeladen.

„Wir möchten Sie kennenlernen“, sagt Jürgen Mühlfeld, der Leiter von Weser 5 zur Begrüßung. Und erzählt von den Anfängen als Wohnheim für Arbeiter aus dem Umland in den 1950er Jahren bis zur Eröffnung des Hauses der Diakonie 1967. 1981 kam die Soziale Beratungsstelle für Männer hinzu: „Wir sind seit mehr als 50 Jahren hier und ein wichtiger Teil des Bahnhofsviertels“, sagt Mühlfeld. Sein Stellvertreter Volker Landgraf wirbt bei den Anwohnerinnen und Anwohnern dafür, auch wenn es mal lauter ist oder etwas verunreinigt wird trotzdem Sensibilität für Menschen aufzubringen, die Weser 5 aufsuchen und hier ihren Platz haben.

Dieser Ort sei dringend nötig, sagt der ehemalige Obdachlose Thomas Adam: „Einrichtungen wie diese hier gaben mit Halt, sie signalisierten, dass ich etwas wert bin und gaben mir Kraft, nicht wieder rückfällig zu werden und mich selbst wertzuschätzen.“ Thomas Adam arbeitet heute als Stadtführer und spendet den Löwenanteil seiner Gage an Weser 5.

Auch Musiker Udo Tempel, der Arbeitsstunden im Weser 5 Tagestreff ableistet, sagt: „Hier kümmern sie sich richtig um die Menschen, die kaum noch eine Chance im Leben haben. Orte wie diesen müsste es eigentlich viel mehr geben.“

Sandor Horvath aus Ungarn, der am Frankfurter Flughafen lebt und Flaschen sammelt und im Zentrum Weser 5 Tische putzt und aufräumt, findet seit drei Monaten in der Einrichtung im Bahnhofsviertel gleichfalls einen Anlaufpunkt. Täglich steht er außerdem am Flughafen im Kontakt mit den beiden Streetworkerinnen Kristina Wesel und Malgorzata Zambron.

Es ist ein behutsames Kennenlernen an diesem Abend. Suppe und Käse werden serviert, beim Essen gibt es Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Manche bleiben über Stunden im Weser 5 Diakoniezentrum und lernen bei einer Führung durch Tagestreff, Kleiderkammer und Wohnbereich Menschen, die ohne Wohnung leben, mit ganz anderen Augen zu betrachten.


Autorin

Susanne Schmidt-Lüer ist Pressesprecherin des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach. Sie schreibt auch als freie Autorin vor allem über Sozialpolitik, Kirche, Alter und wirtschaftspolitische Themen.

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