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Ostern lenkt den Blick auf die Opfer in der Ukraine und auf der ganzen Welt

Trotz des Krieges in der Ukraine können, ja müssen Christinnen und Christen Ostern feiern, schreibt Stadtdekan Achim Knecht in seiner Osterbotschaft. Die brutale Gewalt werde nicht das letzte Wort behalten. Denn Gott schenke neues Leben, wo jetzt nur Tod und Verwüstung herrschen.

Stadtdekan Achim Knecht
Stadtdekan Achim Knecht

„Ostern ist Gottes Nein gegen den Tod und gegen alle, die ihre Mitmenschen zum Opfer machen“, schreibt Stadtdekan Knecht von der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach in seiner Osterbotschaft. Und Ostern sei Gottes Ja zum Recht der Opfer, gesehen und gehört zu werden. Unerträglich seien die „Bilder der toten Zivilisten in Butscha und anderswo in der Ukraine, wahllos ermordet, weil sie Ukrainer waren. Und weil sie dem russischen Imperialismus im Wege standen“, so Knecht. „Friede sei mit euch!“ sei die Botschaft des auferstandenen Jesus im Johannes-Evangelium (20,26) an die Jüngerinnen und Jünger. „Gott will, dass die Wunden geheilt und die Tränen getrocknet werden. Darum hat er den gekreuzigten Jesus neu ins Leben gerufen. Die brutale Gewalt wird nicht das letzte Wort behalten. Denn Gott schenkt neues Leben, wo jetzt nur Tod und Verwüstung erscheint“, schreibt Knecht weiter. Wichtig sei, die Hoffnung hoch zu halten, dass kein Opfer von Gott vergessen werde und keiner der Täter sich seiner Verantwortung vor Gott entziehen könne.

Hoffnung stifteten auch die zahlreichen Menschen, die den Flüchtlingen aus der Ukraine helfen, „hier bei uns in Frankfurt und Offenbach einen sicheren Hafen finden, eine Heimat auf Zeit oder die Möglichkeit, in einem Land neu anzufangen, das sie willkommen heißt. Dafür möchte ich Ihnen in diesem Jahr ganz besonders danken!“


Kirchenpräsident Volker Jung predigt am Karfreitag in der Katharinenkirche in Frankfurt
Auch der Kirchenpräsident Volker Jung von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau erinnert zu Karfreitag an die Kraft der Kreuzesbotschaft: "Der Blick auf Jesus am Kreuz hat Menschen immer wieder dazu gebracht, sich an die Seite der Opfer von Hass und Gewalt, von Krieg und Tod zu stellen und in seinem Namen das zu suchen, was diese Welt so sehr braucht: Frieden!" Am Karfreitag, 15. April 2022, um 10 Uhr, hält Jung auch den Karfreitags-Gottesdienst in der Frankfurter Katharinenkirche an der Hauptwache. Die Feier findet mit Abendmahl statt.


Die Osterbotschaft von Stadtdekan Achim Knecht im Wortlaut:

Friede sei mit euch! Das ist die Botschaft des auferstandenen Jesus für seine Jüngerinnen und Jünger (Johannes 20,26). Diese hatten sich zurückgezogen, hinter verschlossene Türen, aus Furcht und Verzweiflung über das, was sie an Gewalt mitansehen mussten. Sie hatten ihr Herz verschlossen aus Angst, sie könnten selbst zum Opfer werden. Und dann diese Botschaft: Friede sei mit euch!

Die Jüngerinnen und Jünger Jesu konnten das kaum glauben. Zu unwirklich erschienen ihnen diese Worte angesichts der Menschen verachtenden brutalen Gewalt, die sie vor Augen hatten: Jesus war von den Soldaten des römischen Imperiums gefoltert und hingerichtet worden. Und mit ihm viele andere Menschen.

Es fiel ihnen schwer, diesen Worten des Auferstandenen zu vertrauen angesichts der Erfahrung der eigenen Ohnmacht und Hilfslosigkeit. Friede sei mit euch?

In diesem Jahr fällt es vielen Menschen schwer, sich auf die christliche Osterbotschaft einzulassen. Sie haben die Bilder der toten Zivilisten aus Butscha und anderswo in der Ukraine vor Augen, wahllos ermordet, weil sie Ukrainer waren. Und weil sie dem russischen Imperialismus im Wege standen. Für viele Menschen sind diese Bilder unerträglich, unfassbar: Ein Triumph militärischer Gewalt über das Recht zu leben, in Freiheit zu leben. Wie können wir da Ostern feiern?

Jesu Worte werden auch unsere Verzweiflung über die unschuldigen Opfer des Krieges in der Ukraine verändern. So wie seine Worte damals die Furcht seiner Jüngerinnen und Jünger geheilt haben. Sie sahen Jesus vor sich. Sie sahen die Spuren der Nägel an seinen Händen und an seinen Füßen. Er zeigte seinen Jüngerinnen und Jüngern seine verletzte Seite. Sie sahen: Jesus wurde zum Opfer gemacht. Aber er ist Sieger geblieben. Er lebt!

Darum können wir Ostern feiern. Wir müssen es sogar. Denn an Ostern wird der Blick auf die Opfer gelenkt. Ihr Schicksal ist nicht vergessen. Gott will, dass die Wunden geheilt und die Tränen getrocknet werden. Darum hat er den gekreuzigten Jesus neu ins Leben gerufen. Die brutale Gewalt wird nicht das letzte Wort behalten. Denn Gott schenkt neues Leben, wo jetzt nur Tod und Verwüstung erscheint.

Ostern ist ein mächtiger Widerspruch gegen Hass und Gewalt. Ostern ist Gottes Nein gegen den Tod – und gegen alle, die ihre Mitmenschen zum Opfer machen. Ostern ist Gottes Ja zum Recht der Opfer, gesehen und gehört zu werden.

Wenn wir Ostern feiern, stimmen wir ein in dieses Ja zum Leben und in dieses Nein zu sinnloser Gewalt. An Ostern halten wir die Hoffnung hoch: Kein Opfer wird je von Gott vergessen, und keiner der Täter wird sich vor ihm der Verantwortung entziehen können. An Ostern kommt diese Hoffnung den Menschen nahe.

Für die Jüngerinnen und Jünger Jesu ist Ostern darum eine Verpflichtung, damals wie heute: Sie wollen den Menschen, insbesondere den Opfern von Gewalt mit barmherziger Liebe begegnen. Sie spüren, wo andere Menschen verletzt sind. Sie haben Mitgefühl mit denen, die an traumatischen Erfahrungen leiden. Sie empfinden Mitleid mit denen, die getrennt sind, von Gott und den Menschen. Sie wenden sich denen zu, die sich fern und verlassen fühlen.

Viele von Ihnen tragen gerade dazu bei, diese Hoffnung zu stiften. Sie helfen in den Kirchengemeinden, in der Diakonie und in den sozialen Einrichtungen unserer Kirche und auch in Ihrem privaten Umfeld, dass Menschen zumindest aufatmen können. Dass die Frauen, Männer und Kinder, die aus der Ukraine fliehen, hier bei uns in Frankfurt und Offenbach einen sicheren Hafen finden, eine Heimat auf Zeit oder die Möglichkeit, in einem Land neu anzufangen, das sie willkommen heißt. Dafür möchte ich Ihnen in diesem Jahr ganz besonders danken!

Gleichzeitig gilt mein Dank natürlich für alles, was Sie in diesen Krisenzeiten mit einem großen persönlichen Engagement in Ihrem Arbeitsbereich oder in einem Ehrenamt für die Menschen in Frankfurt und Offenbach tun. Dafür sage ich ein herzliches Vergelt`s Gott!

Friede sei mit euch! Möge dieser Wunsch des Auferstandenen wahr werden, in der Ukraine, aber auch in der äthiopischen Provinz Tigray, in Syrien, im Jemen und in allen Kriegsgebieten dieser Erde. Und nicht zuletzt auch in Ihren Häusern und Herzen: Friede sei mit Euch!

Ihr
Stadtdekan Dr. Achim Knecht


Verfasst von

Ralf Bräuer 35 Artikel

Ralf Bräuer ist Leiter der Redaktion von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach" und der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach