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Stadtdekan stellt Kirchenparlament Projekt „Haus der Frankfurter Jugendkirchenmusik“ vor

Die zurückliegende Kirchenvorstandswahl und Finanzielles waren weitere Themen der letzten Sitzung von Synode und Regionalversammlung vor der Sommerpause. Verabschiedet wurde von den Delegierten an diesem Abend Prodekanin Ursula Schoen.

Hybride Tagung der Synode im Großen Saal des Dominikanerklosters I Foto: Rolf Oeser
Hybride Tagung der Synode im Großen Saal des Dominikanerklosters I Foto: Rolf Oeser

Ein umfängliches Neubauprojekt an der Saalgasse unweit des Frankfurter Römers, Haushaltskonsolidierung und ein Rückblick auf die Kirchenvorstandswahlen im Juni waren zentrale Punkte der gestrigen Tagung von Synode und Regionalversammlung der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach. Zudem wurde Prodekanin Ursula Schoen, die am 1. September das Amt der Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz übernimmt, verabschiedet (Bericht).

Bei dem Bauvorhaben geht es um die Errichtung eines „Hauses der Frankfurter Jugendkirchenmusik“ auf einer Teilfläche des Grundstücks Saalgasse 15-17. Stadtdekan Achim Knecht sprach von einem „zukunftsweisenden” Vorhaben, wies aber auch darauf hin, dass der Finanz- und Verwaltungsausschuss sich im März ablehnend positioniert habe, während der Vorstand der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach das Anliegen im April befürwortete.

Auf dem Areal hat das Evangelische Frauenbegegnungszentrum seinen Sitz, früher war die Propstei dort auch beheimatet, einige Wohnungen befinden sich hier. Das Frauenbegegnungszentrum soll zukünftig weiter an der Saalgasse ansässig sein und einen Sechstel der neuen Fläche beanspruchen, die Hälfte der rund 4000 avisierten Quadratmeter Bruttogeschossfläche ist für Wohnungen vorgesehen und ein Drittel für den musikalischen Nachwuchs.

Die Größenordnung der Investition beträgt insgesamt rund 26 Millionen Euro, davon sind für das Haus der Jugendkirchenmusik etwa 9,7 Millionen Euro vorgesehen. Der Verein Frankfurter Jugendkirchenmusik umfasst die Frankfurter Domsingschule und die Frankfurter Bläserschule. Er geht maßgeblich auf eine Initiative aus der Frankfurter Bürgerschaft zurück. „Für die beiden Kirchen ist dieses bürgerschaftliche Engagement für die Jugendkirchenmusik ein Glücksfall“, so Stadtdekan Knecht. Angesichts des Mitgliederrückgangs, der beide Kirche trifft, sieht er in dem Projekt eine große Chance, „dass junge Familien mit ihren Kindern positive Erfahrungen mit kirchlichen Angeboten machen“, mit Musik, aber auch mit Gottesdienstkultur.

Geplant sei folgende Finanzierung für den Gebäudeteil der Jugendkirchenmusik erläuterte der Stadtdekan den Anwesenden: Der Evangelische Regionalverband (ERV) bringt den Wert des Grundstücksanteils und 1 Million Euro Baukostenzuschuss ein und ist für 30 Jahre für den Bauunterhalt verantwortlich. Dies soll über die Erträge aus den Wohnungen erfolgen. Die katholische Kirche trägt insgesamt 4 Millionen Euro bei. Der Förderverein der Frankfurt Jugendkirchenmusik hat derzeit 1 Million Euro zugesagt. Zudem will er die noch fehlenden 3,7 Millionen Euro bei öffentlichen und privaten Geldgebern, Stiftungen und weiteren Förderern einwerben.

Für die Einwerbung dieser Summe brauche es eine verbindliche Absichtserklärung der Beteiligten, äußerte der Stadtdekan, das sehe auch der Finanz- und Verwaltungsausschuss so. Vorstand und Ausschuss sind weiter im Dialog zu dem Vorhaben. Klar sei von beiden Seiten, dass „der Anteil des ERV an dem Projekt gedeckelt ist, und dass „bei einer Realisierung des Gebäudes von unserer Seite konsequent auf den Kostenrahmen geachtet werden wird“, so Knecht der darauf hofft, dass dieses Projekt umgesetzt wird.

Blick auf finanzielle Zukunftsperspektiven

Dass die finanzielle Lage der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach derzeit nicht rosig ist, ging aus dem Bericht von Thomas Speck, Leiter der Verwaltung, hervor. Ein Volumen von 250 Millionen Euro habe der Haushalt 2020 umfasst, 98 Prozent davon seien einem bestimmten Arbeitsfeld, festgelegten Aufgaben, zugeordnet. Das sei unproblematisch – zum jetzigen Zeitpunkt.

In seinem Vortrag ging es ihm um sogenannte ERV-Mittel, die an verschiedenen Stellen in Verwaltung und Gemeinden eingesetzt werden, das Spektrum reicht von Datenschutz über Zuschüsse für die Integrative Schule in Frankfurt bis hin zur Familienbildung und Schuldnerberatung in Offenbach

Rund 2,44 Millionen können durch Einnahmen, etwa die Vermietung von Räumen finanziert werden, es verbleiben 2,27 Millionen. Drei Arbeitsgruppen befassen sich mit der Frage, wie diese Lücke in den Griff zu bekommen ist: Eine unternimmt einen Kassensturz, eine andere entwirft Pläne für Prozessoptimierung und Kostentransparenz, eine dritte, Speck nannte sie „die wichtigste“, hat die Aufgabe, sich mit Priorisierung und Konsolidierung zu befassen. Klar wurde in der Debatte auch, dass der fragliche Betrag höher ausfallen kann, wenn die Zuschüsse der Landeskirche zurückgehen.

Hohe Wahlbeteiligung und Schwierigkeiten bei Online-Auswertung

Erfreulich nannte Knecht die gestiegene Wahlbeteiligung bei den Kirchenvorstandswahlen, sie wuchs im Vergleich zu 2015 um 2,5 Prozent auf jetzt 13,5 Prozent. Von 5,5 bis hin zu 61,3 Prozent reiche das Spektrum in den Gemeinden, berichtete Knecht. Besonders hoch war die Zahl der Stimmabgaben in den Personalkirchengemeinden, die nicht an den Wohnort gebunden sind, bei der Indonesischen Kristusgemeinde gaben 61 Prozent ihr Votum ab. Aber auch „normale“ Kirchengemeinden konnten stolze Ergebnisse erzielen: Die Michaelisgemeinde in Berkersheim kam auf 34 Prozent, die Offenbacher Erlösergemeinde auf knapp 31 Prozent. Zahlreiche andere Gemeinden erreichten Beteiligungen von deutlich über 20 Prozent.

Einen großen Anteil machten am 13. Juni Briefwähler:innen aus, 69 Prozent seien es gewesen, berichtete der evangelische Stadtdekan den Delegierten, acht Prozent der Stimmen wurden online abgegeben. Aus der Evangelischen Kirchengemeinde in Offenbach-Bieber kam deutliche Kritik an dem digitalen Wahlvorgang, die Landeskirche hatte aufgrund von Verarbeitungsschwierigkeiten mit den übers Netz eingegangenen Stimmen die Bekanntgabe der Ergebnisse auf den Folgetag verschoben. Da der Zugang zur Onlinewahl bis zum 7. Juni beantragt sein musste, hätten bis zum Wahltag Berechnungen und Testläufe vonstattengehen können, äußerte der in der IT-Branche tätige Parlamentarier.

Auch von anderen Gemeindevertreterinnen und –vertretern wurde Unmut geäußert über die Probleme bei der Auswertung der Onlinewahl, etwa aus Frankfurt-Bockenheim, der Kirchengemeinde Nordwest und vom Dornbusch sowie aus der Sachsenhäuser Dreikönigsgemeinde. Stadtdekan Knecht sagte zu, diese Verärgerung gegenüber den zuständigen Stellen der Landeskirche zu thematisieren.

Nicht aufzuhalten ist aber die Digitalisierung auch in der Kirche, das wurde bei verschiedenen Tagesordnungspunkten der hybriden Sitzung deutlich. Prodekan Holger Kamlah kündigte an, dass in der zweiten Jahreshälfte die Verbreitung einer GemeindeApp, mit Hilfe derer sich die Menschen über die Grenzen der jeweils eigenen hinaus auch vernetzen können, vorangetrieben werde. Es solle nach den Ferien „zügig gestartet werden“, er erwartet bis Ende des Jahres 20 Gemeinden und Einrichtungen auf dieser Plattform – mit der Perspektive dies beschleunigt zu erweitern.

Gehörlosengemeinde schließt – Angebote werden fortgeführt

Ein Tagesordnungspunkt der gestrigen Sitzung war auch die Schließung der Gehörlosengemeinde zum Ende des Jahres 2021. Die Zahl ihrer Mitglieder ist deutlich gesunken, von rund 180 in den Achtzigern auf zuletzt 65. Die kirchliche Arbeit mit den Gehörlosen aber soll bleiben, denn der Bedarf sei im Rhein-Main-Gebiet weiter da, erläuterte der Pfarrer der Gehörlosengemeinde Gerhard Wegner. „Früher war Mitleid das Motiv“, so der Theologe, heute sei das Verständnis eines Gottes, der keine Unterschiede macht zwischen den Menschen und Kirche, die Grundlage. Ein umfängliches Neubauprojekt an der Saalgasse unweit des Frankfurter Römers, Haushaltskonsolidierung und ein Rückblick auf die Kirchenvorstandswahlen im Juni waren zentrale Punkte der gestrigen Tagung von Synode und Regionalversammlung der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach.


Autorin

Bettina Behler 170 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach