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"Brückenschlag" war ein Erfolg

Vom 18. Mai bis zum Ende der Sommerferien am 14. August unterstützten Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit wie Ayfer Boskurt mit einer halben Stelle die Arbeit der stationären Kinder- und Jugendeinrichtungen und machten so aus der Not eine win-win-Situation. Ein Rückblick.

Foto: colourbox
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Im Februar diesen Jahres kommt der 14-jährige Achmed Ramin nach zweijähriger Flucht aus Afghanistan in Deutschland an. In der Erstaufnahme entscheidet er sich in die Wohngruppe „Alte Schule Bonames“ zu ziehen, in der 13 Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren leben. Das Wichtigste für ihn ist jetzt erst einmal Deutsch zu lernen. Aber während des Corona- Lockdowns wird kein Sprachkurs angeboten.

Ayfer Boskurt dagegen arbeitet als Deutschlehrerin im Verein für Jugendsozialarbeit. Meistens im Jugendhaus Heideplatz. Doch auch sie wird durch den Lockdown ausgebremst.

Aber zum Glück wird der Fachbereich I schnell kreativ: Nach Ende des Lockdowns greift das Projekt „Brückenschlag“: Vom 18. Mai bis zum Ende der Sommerferien am 14. August unterstützten Fachkräfte der Kinder- und Jugendarbeit wie Ayfer Boskurt mit einer halben Stelle die Arbeit der stationären Kinder- und Jugendeinrichtungen: Diese Wohngruppen können ja, wie Familien, nicht einfach geschlossen werden.

Ab Mitte Mai unterrichtet Ayfer Boskurt Achmed sowie Nicolas, einen 16-jährigen bulgarischen Jungen, der auch neu in der Wohngruppe ist, drei Stunden täglich in deutscher Sprache. „Ich musste nicht in Kurzarbeit gehen und konnte die tolle Arbeit der Wohngruppe in Bonames unter der Leitung von Timo Sterkel kennenlernen“, erzählt sie. „Nach einer Weile hat Achmed mir von seiner langen Flucht über den Iran und die Türkei erzählt. Das aus erster Hand zu hören, hat mein Verständnis für die Situation von Geflüchteten noch einmal sehr vertieft. Am Schluss waren wir beide traurig, dass die intensive Zeit der Zusammenarbeit zuende war. Aber Achmed kann mich auch jetzt noch erreichen. Wir sind in Verbindung. “ Der Junge aus Afghanistan geht jetzt auf die Philipp-Holzmann-Schule und steuert auf ein Sprachdiplom B 1 zu. „Ich bin froh, dass ich schnell viel Deutsch und Grammatik gelernt habe“, sagt er. Und fügt hinzu: „Deutschland ist schön.“

Durch „Brückenschlag“ konnten auch Jugendliche der Wohngruppe auf der Eschersheimer Landstraße 109 individuell unterstützt und gefördert werden: Bei den Hausaufgaben, beim Deutschlernen, bei der Vorbereitung auf die Realschulabschlussprüfung, beim Lernen für den Führerschein, in einem Fall sogar mit Keyboardunterricht. Da der Schulbetrieb nach Ende des Lockdowns ja erst schrittweise wieder anlief, viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt blieben und es weniger Aktivitäten in den Sommerferien gab, unterstützten Brückenschlag-Mitarbeitende die Hauptamtlichen aber auch bei der täglichen Arbeit.

Das war nicht nur für die Jugendgruppen eine Win-Win-Situation sondern auch für die beiden halbstationären Tagesgruppen für Kinder im Frankfurter Norden. Neben der praktischen Hilfe profitierten die Kinder schon allein dadurch, dass noch Jemand für sie da war. „Ich habe schnell gemerkt, wie wichtig es ist, bei Kindern, die aus nicht einfachen Familienverhältnissen kommen, das Selbstwertgefühl zu stärken“, sagt Tristan Werner, der schon viele Kinder- und Jugendgruppen im evangelischen Jugendwerk geleitet hat. „Das kann ganz spielerisch und mit Spaß geschehen. Etwa, indem man die Kinder anleitet, sich ein Spiel selbst zu basteln oder als Team gut zusammenzuarbeiten. Ich habe mindestens genausoviel von den Kindern gelernt wie diese von mir. Die Zeit war nicht verloren.“


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".