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„Das EVA wird auch in Zukunft für allerlei Impulse sorgen.“

Im vergangenen April beschloss die Synode der EKHN die Förderung und Finanzierung der Pfarrstelle für Frauenarbeit 2025 einzustellen. Im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum EVA, wo die Pfarrstelle angesiedelt ist, sorgte die Ankündigung im Team wie bei Besucher:innen und Unterstützer:innen für einen Schock.

Foto: EVA
Foto: EVA

Im vergangenen April beschloss die Synode der EKHN die Förderung und Finanzierung der Pfarrstelle für Frauenarbeit 2025 einzustellen. Im Evangelischen Frauenbegegnungszentrum EVA, wo die Pfarrstelle angesiedelt ist, sorgte die Ankündigung im Team wie bei Besucher:innen und Unterstützer:innen für einen Schock. Dem Jammern und Klagen zieht Pfarrerin Anne Daur-Lyrhammer Taten vor. „Wir beweisen durch unsere sinnvolle und innovative Arbeit, wie wichtig das EVA ist.“

Unter dem Leitmotiv „EVA wächst im Wandel” seien in jüngster Vergangenheit beachtliche Veränderungen eingeläutet worden. Das gestiegene Engagement junger Frauen ist unter anderen in Kurse zu Renovierungs- und Reparaturarbeiten, zum Basteln von Möbeln aus Palletten oder Kleidertauschpartys gemündet. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden Online-Angebote, Zoom-Veranstaltungen, eine neue Website und Audioformate auf die Beine gestellt. Derzeit wird ein Podcast vorangebracht.

Mit Blick auf die allgemeine Entwicklung nahm das EVA verstärkt Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Diversität ins Visier. 2019 gehörte das Frauenbegegnungszentrum bei der von der Diakonie Deutschland ausgeschriebenen Diversitäts-Beratung zu den bundesweit fünf geförderten Einrichtungen. Anne Daur-Lyrhammer und ihre Kollegin Ute Seibert sehen ein Schlüsselthema der nächsten Jahre in der Frage, „wie und wo sich Kirche in der Gesellschaft und im Alltag der Menschen zeigen“ und dabei „glaubwürdig und offen für die Vielfalt an Lebensentwürfen und Themen“ bleiben kann.

„Hier kann die Frauenpfarrerin zusammen mit einem multiprofessionellen, innovativen Team Zukunft der Kirche gestalten“, ist Anne Daur-Lyrhammer überzeugt. Zumal sich das EVA als Bildungs- und Begegnungszentrum verstehe, das sich aus feministischer Perspektive gesellschaftspolitischen und theologischen Fragenstellungen widme. Die Angebotspalette reiche von Veranstaltungen zu Religion und Spiritualität über häusliche Gewalt und Älterwerden, Kreativität, Freizeit und Kultur bis zu Gottesdiensten und Meditation.

Außerdem sei das EVA breit vernetzt und kooperiere mit kirchlichen und städtischen Stellen wie mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen. Umso weniger kann Anne Daur-Lyrhammer die Entscheidung der Synode verstehen, die vor 71 Jahren ins Leben gerufene Frauenpfarrstelle zu streichen. Zu ihrem Bedauern hat es „im Vorfeld nicht einmal einen Austausch gegeben“. Sie gehe davon aus, dass den Beteiligten „nicht ganz klar war, was die Stellenstreichung bedeutet“.

Da die Frauenpfarrerin neben der Leitung und Entwicklung des Zentrums auch Gottesdienste gestalte, feministische Liturgien und zeitgemäße Formen der Verkündigung entwickle, Ehrenamtliche schule und sich um die theologische Arbeit und Seelsorge kümmere, sei „das Pfarramt nicht durch eine weitere Referentin zu ersetzen“. Die von vielen Seiten bekundete Unterstützung und Solidarität stimmt Anne Daur-Lyrhammer zuversichtlich. Dass die Unterschriftenaktion verschoben wurde, da die Listen gegenwärtig nirgendwo ausgelegt werden können, ändert daran nichts.

„Wir sind in guter Stimmung und sehen positiv in die Zukunft“, so die Pfarrerin. Das EVA sei ein „Markenzeichen der EKHN“ und „in Verbindung mit der hier verorteten Pfarrstelle eine einzigartige Einrichtung in der EKD“, die „große Außenwirkung für die Wahrnehmung von Kirche in der Gesellschaft“ besitze. Das schreibt sie nicht zuletzt der Mischung aus Beständigkeit und Wandel zu. Im 1997 aus dem Zusammenschluss des evangelischen Pfarramtes für Frauenarbeit und der Bildungseinrichtung „Frau im Beruf“ (FiB) hervorgegangenen EVA würden sich neben der FiB-Gruppe noch weitere Gruppen mit langer Geschichte treffen.

Im EVA seien zudem wiederholt Beiträge entstanden, die in der Frauenforschung der EKHN eine Rolle spielten sowie feministisch-liturgische Texte, die man auch andernorts aufgegriffen habe. Die hier beheimateten Pfarrerinnentage seien ebenfalls für ihre kirchenpolitischen Statements bekannt. Wenn Anne Daur-Lyrhammer auf die gewachsenen Strukturen, den steigenden Zuspruch junger Frauen – sie stellen bereits ein Viertel der rund 60 Ehrenamtlichen – und die Aktualität feministischer Themen blickt, hat sie keinen Zweifel: „Das EVA wird auch in Zukunft für allerlei Impulse sorgen.“ Die halbe Stelle von Ute Seibert werde jedenfalls neu besetzt, wenn sie im Sommer in den Ruhestand wechselt.


Autorin

Doris Stickler 62 Artikel

Doris Stickler ist freie Journalistin in Frankfurt.