Andachten

Da die Andachten für Mitarbeitende, die immer montags um 8.30 Uhr im Dominikanerkloster stattfinden, momentan wegen der Pandemie ausfallen, finden Sie auf dieser Seite regelmäßig eine Andacht von Kolleginnen und Kollegen zum Lesen.

Andacht für Mitarbeitende am 4. Mai 2020

von Prodekanin Dr. Ursula Schoen

Beten – Kontakt mit Gott und mit anderen

Zurzeit sagen immer wieder Leute zu mir: „Bitte beten Sie für mich!“ Sie wissen, dass ich Pfarrerin bin. Einige sind dabei ganz direkt. Andere formulieren ihre Bitte zaghaft. Beten für einen selber und für andere ist wieder wichtig geworden. Nicht nur als letzter Notnagel.

Beten kann sehr persönlich sein – eine ganz intime Kontaktaufnahme mit Gott. Dann lasse ich Gott wissen, was mich berührt und betrifft. Spreche aus, was ich anderen nicht zu sagen wage. Versuche Worte zu finden für das, was mich hilflos macht. Ich hoffe, dass Gott mich hört, wenn ich bete.

Aber Beten verbindet auch. In einer Zeit der notwendigen räumlichen Trennung erlebe ich beim Beten: Ich bin mit Gott in Kontakt. Und ich bin mit anderen verbunden, an die ich beim Beten denke oder die sogar gleichzeitig mit mir an einem anderen Ort beten. Denn Beten ist ja nicht abgesagt. Gottesdienste finden zwar zurzeit nicht in der gewohnten Form statt. Aber trotzdem gibt es Beten.

In vielen Kirchen läuten die Glocken jetzt am Sonntag um 12 Uhr. Dann beten viele zu Hause den gleichen Gebetstext. Er wurde von evangelischen und katholischen Chri-sten für die aktuelle Situation formuliert. Es ist ein Gebet für Kranke und Gesunde, für Pflegende und Ärztinnen. Für alle Menschen in der Stadt und im Ort. Einige haben zu mir gesagt: „Dieses gemeinsame Gebet gibt mir Kraft und macht uns stark.“

Mich beeindruckt noch ein anderes Beispiel, wie Menschen zurzeit miteinander und füreinander beten. In Frankfurt laden die Seelsorger der Henry und Emma Budge Stiftung, einem jüdisch-christlichen Altenheim, die Bewohner ein, gemeinsam zu beten – und zwar jeweils zu den Gebets-zeiten der anderen. Also die Christen gleichzeitig mit den Jüdinnen und Juden am Freitagabend zum Beginn des Schabbat. Und die Jüdinnen und Juden am Sonntagmorgen mit ihren christlichen Mitbewohnern. Jede und jeder für sich und doch untereinander verbunden. Das ist wie ein Date zum Gebet, eine Verabredung: In dieser Zeit denken wir aneinander – auch wenn alle in ihren eigenen Zimmern bleiben müssen.

Einer der Seelsorger dieses Altenheims, Rabbiner Steiman sagt dazu: „So können wir uns wenigstens im Geist näher sein. Wir alle sind momentan in isolierten Welten. Wenn wir aber zur gleichen Zeit aneinander denken, können wir der Isolierung entkommen.“

Der 3. Sonntag im Mai heißt im evangelischen Kalender: Rogate – zu Deutsch: Betet! Das kann ich derzeit besonders brauchen: Beten. Und dadurch mit Gott verbunden sein. Und trotz räumlicher Trennung im Gebet und in Gedanken anderen nahe sein.

(Der Text wird am 16.5. um 6.30 Uhr als Zuspruch am Morgen auf HR 2 gesendet)

Morgengebet:

Wie der Tag erwacht in den Armen der Dämmerung,
so wollest Du, Gott, das Licht wecken in meiner Seele.
Mit Zuversicht will ich den neuen Morgen betreten,
das Leben empfangen mit allen Sinnen.
Öffne mir die Augen für das Gute, das Heilende.
Lass mich im Alltäglichen das Sinnvolle finden.
Meine Erwartungen will ich nicht umklammert halten,
sondern offen sein für das, was kommt.
Segne Du mein Tun und Lassen.
Segne Du die Menschen, denen ich heute begegne. Amen

Andacht für Mitarbeitende am 6. April 2020

von Gaby Melk, Fachbereich II Diakonie Frankfurt und Offenbach

Predigt zu Markus 14,1-8 (neue Genfer Übersetzung)

1 Es waren nur noch zwei Tage bis zum Fest des Passah und der ungesäuerten Brote. Die führenden Priester und die Schriftgelehrten überlegten, zu welcher List sie greifen könnten, um Jesus festzunehmen und dann umzubringen. »Auf keinen Fall darf es während des Festes geschehen«, sagten sie, »sonst gibt es einen Aufruhr im Volk.«

3 Jesus war in Betanien bei Simon dem Aussätzigen zu Gast. Während der Mahlzeit kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl. Sie zerbrach das Gefäß und goss Jesus das Öl über den Kopf. Einige der Anwesenden waren empört. »Was soll das, dieses Öl so zu verschwenden?«, sagten sie zueinander. »Man hätte es für mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können!« Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Aber Jesus sagte: »Lasst sie! Warum macht ihr es der Frau so schwer? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Arme wird es immer bei euch geben, und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt. Mich aber habt ihr nicht mehr lange bei euch. Sie hat getan, was sie konnte: Sie hat meinen Körper im Voraus für mein Begräbnis gesalbt. Ich sage euch: Überall in der Welt, wo man das Evangelium verkünden wird, wird man sich auch an sie erinnern und von dem reden, was sie getan hat.«

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen!

Als ob man mit Glockenläuten eine Pandemie besiegen könnte! Von meinem Fenster zuhause höre ich aus allen Richtungen Glocken läuten, vermischt mit der stets zu lauten Musik eines Nachbarn. Und während ich den Satz noch denke „Als ob man mit Glockenläuten eine Pandemie besiegen könnte…“ überkommt mich Stolz. Stolz auf meine Kirche, Stolz auf all die Menschen, die jetzt - wo auch immer - ein Gebet sprechen und so stiller Teil einer großen Gemeinde werden. Die Innehalten, Gemeinschaft haben mit Menschen durch das gemeinsame Beten. Das große Läuten um 19:30 Uhr jeden Abend zeigt mir aber auch, dass wir Waffen haben gegen diese Pandemie. Wir haben Zuversicht! Wir haben Hoffnung und das dürfen wir an die große Glocke hängen! Wir haben das Bild des gekreuzigten Jesus vor uns, aber auch schon den Blick auf Ostern, auf die Auferstehung von Jesus Christus.

Das vorgeschlagene Gebet, das zum Glockenläuten gebetet werden kann, finden Sie unter dieser Andacht abgedruckt. Es ist so formuliert, dass es von vielen Menschen gebetet werden kann, egal, welcher Konfession. Auf der Seite https://www.ekhn.de/index.php?id=44331 der EKHN finden Sie es in vielen Sprachen. Tiefe Hoffnung erfüllt mich bei dem Gedanke, dass wir jetzt als Menschheit zusammenrücken, uns mehr auf das konzentrieren, dass uns eint, statt auf das zu starren und zu beharren, was uns trennt.

Der Text, der zum gestrigen Palmsonntag als Predigtvorlage empfohlen ist, schildert auch so ein Beharren auf Althergebrachtem. Da gießt eine Frau, die hier bei Markus nicht weiter beschrieben wird, ein irrsinnig teures Öl über Jesus aus. Und gleich ist das Geschrei groß! Wie kann sie das nur machen, so viel Geld! Was das kostet! Wir alle kennen das, immer dieses „was das kostet!“ Als ob sonst mit dem Geld immer nur sinnvolles gemacht würde… Wie lange die Frau wohl dafür gespart hat? Es ist ihr Geld, ihr persönlicher Reichtum, von dem sie abgibt.

Der Bibeltext beginnt mit den Plänen der politisch Verantwortlichen, die Jesus aus dem Weg schaffen wollen, die ihn mundtot machen wollen. Ihn möglichst stillschweigend aus dem Verkehr zu ziehen. Ein paar Kilometer weiter geschieht es, dass die gleiche Person gesalbt wird wie der künftige König. Hier treffen zwei verschiedene Welten aufeinander. Jesus stellt sich auf die Seite der Frau.

So wie er sich heute auf unsere Seite stellen will. Nicht auf die Seite der Angst, nicht auf die Seite der Verschwörungstheoretiker und schon gar nicht auf die Seite derer, die in dieser Pandemie eine Strafe Gottes sehen wollen. Die Karwoche war schon immer eine Woche der Trauer, aber auch schon immer eine Woche, in der Fanatismus sich auf Andersgläubige stürzte, wie uns die vielen Pogrome gegenüber Juden in der Geschichte zeigen. Dabei soll diese Woche doch eine „Heilige Woche“ sein, die uns vorbereitet auf Ostern. Wir können die Stationen Jesu auf dem Weg nach Golgatha nachverfolgen, können ihm als Mensch so nahe sein wie sonst kaum irgendwann. Der großartige Einzug in Jerusalem, als man ihn feierte wie einen König, die Salbung, der Streit der Jünger über die Kosten des Öls, fast schon müde klingt hier der Satz „Sie hat mich für mein Begräbnis gesalbt“. Das Passah-Mahl mit seinen Freunden, eigentlich ein fröhliches Fest und dann dieses Ende mit seiner Verhaftung, der Hinrichtung. Wechselbäder der Gefühle. Tiefe Krisen. Angst. Verzweifeltes Beten. All das nur als Ouvertüre, damit Ostern um so strahlender, um so fröhlicher wird?

Nein, all dies, um zu zeigen, was immer uns Menschen passiert, welche Höhen und Tiefen auch auf uns zukommen werden, Jesus hat sie erlebt. Es ist kein weltfremder, weit entfernter Gott, den wir anbeten, es ist ein Gott, der uns versteht. Der Text zeigt uns aber auch: Folgt Eurem Herzen, wie diese Frau. Seid offen und großzügig, habt ein offenes Ohr für die Sorgen Eurer Mitmenschen und eine offene Hand, wo ihr es könnt. Nehmt nur so viel, wie ihr braucht - dann reicht es für alle. Aber das wissen wir Christinnen und Christen ja schon lange…

Wenn die Glocken abends in vielen Orten dieser Welt zum Gebet rufen, dann rufen sie auch: Gott lässt Euch nicht alleine. Gott hilft Euch durch diese Zeit. Gott will nicht, dass ihr an Angst zugrunde geht. Gott hat diese Welt schön geschaffen. Er gibt Euch die Kraft, diesen Alltag zu bestehen. Habt Mut, Freude, Zuversicht! Das ist es, was wir an die große Glocke hängen dürfen!

Ja, man kann mit Glockenläuten eine Pandemie einschränken, denn sie sagen: Lasst Euch nicht anstecken von der Hoffnungslosigkeit, der Zukunftsangst! Wir sollen da, wo wir stehen, unser Bestes tun, um die frohe Botschaft von Jesus sichtbar zu machen. Wir müssen die Welt nicht retten, das hat schon ein anderer getan.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Gebet

Gott, unser Vater,
durch deinen Geist sind wir miteinander verbunden
im Glauben, Hoffen und Lieben.
Auch wenn wir in diesen Zeiten vereinzelt sind:
Wir sind Teil der weltweiten Gemeinschaft deiner Kinder.

Lass wachsen unser Vertrauen in deine Nähe und in die Verbundenheit
mit unseren Schwestern und Brüdern.
Die erkrankt sind, richte auf.
Mache leicht die Herzen der Einsamen.
Den Verantwortungsträgern gib Weisheit und Mut.
Stärke die Frauen und Männer im medizinischen Dienst:
Unseren Freunden und Partnern in der weltweiten Kirche stehe bei.
Uns allen schenke Ideen, unserer Verbundenheit Ausdruck zu geben.

Segne uns, o Herr!
Lass leuchten dein Angesicht über uns
und sei uns gnädig ewiglich!
Segne uns, o Herr! Deine Engel stell um uns!
Bewahre uns in deinem Frieden ewiglich!
Segne uns, o Herr!
Lass leuchten dein Angesicht über uns und sei uns gnädig ewiglich! Amen