Zugespielt ... - Kolleginnen und Kollegen im Porträt

"Ich wäre gern eine gute Poetry-Slammerin"

Nadia Abd Elazim ist 26 Jahre alt und arbeitet seit Juni 2020 bei der Evangelischen Schuldnerberatung in Offenbach.

Nadia Abd Elazim
Nadia Abd Elazim Bild: Foto: Rolf Oeser

Wie wird man denn Schuldnerberaterin?
Abd Elazim: Ich berate einfach gern und höre wirklich gerne zu. Studiert habe ich Soziale Arbeit und nach einem Anerkennungsjahr im Stadtschulamt wusste ich, dass ich in der Beratung arbeiten will und am liebsten mit rechtlichem Hintergrund. Das war wie die Nadel im Heuhaufen suchen. Und ich habe das Gefühl, das ist mir gelungen. Es gibt ein festes Setting, einen klaren Auftrag und konkrete Ziele. Ich mag das.

Können Sie den Menschen helfen?
Abd Elazim: Kommt drauf an, wie man helfen definiert. Manche Menschen sind froh, wenn sie sich einfach mal jemandem anvertrauen können. Es kommt vor, dass Klienten zum ersten Mal mit jemandem über ihre Situation sprechen, sich selbst mit dem ganzen Ausmaß konfrontieren. Manchmal haben sie schon jahrelang keine Briefe mehr geöffnet. Da sind auch viel Scham- und Schuldgefühle. Das alles zusammen angucken zu können, erleichtert viele schon sehr. Das sind aber nicht immer diejenigen, die dann auch die Beratung weiter in Anspruch nehmen.

Was ist das Schöne am Beraten?
Abd Elazim: Messbare Erfolge, Scham zu nehmen und die Dankbarkeit, die mir zuteil wird. Und mein Team. Ich wurde so herzlich aufgenommen und meine Kolleg:innen beantworten seit einem Jahr meine vielen Fragen, ohne eine Miene zu verziehen.

Was macht Beratung derzeit so besonders?
Abd Elazim: Zurzeit berate ich zum Beispiel wegen Corona oft per Chat oder Telefon. Dann achte ich sehr genau darauf, wie viel Beratung und Informationen mein Gegenüber gut verarbeiten kann, oder ab wann Überforderung spürbar wird. Das versuche ich anhand der Stimme oder der Reaktion wahrzunehmen.

Was finden Sie schwierig?
Abd Elazim: Es kommt vor, dass ich an persönliche moralische Grenzen stoße. Zum Beispiel, wenn es um Kindesunterhalt geht oder wenn ich mit rassistischen Äußerungen konfrontiert bin. Professionelle Abgrenzung ist da natürlich wichtig.

Ihr persönlicher Background?
Abd Elazim: Mein Vater ist Ägypter und meine Mutter Deutsche. Eine Liebe, die dazu führte, dass ich mit meinen zwei Schwestern bis zu meinem 14. Lebensjahr in Hurghada aufwuchs. Ich liebe beide Heimaten. Ich spreche natürlich Arabisch, aber meine Muttersprache ist deutsch. Ich ging auf die Internationale Schule. Dieses Umfeld und meine Eltern lehrten mich Weltoffenheit. Ich wuchs in einer Art europäisierten ­Parallelgesellschaft in Ägypten auf. Viele befreundete Familien waren ägyptisch-europäisch oder sonstwie gemischt. Ich hatte ein gutes, privilegiertes Leben. Im internationalen Frankfurt fühle ich mich zu Hause.

Was macht Sie glücklich?
Abd Elazim: Zeit mit meiner Familie und meinem Partner. Meine Schwestern sind zugleich auch meine besten Freundinnnen. Meine Farb­palette, das Meer, jegliche Outdoor-Aktivität und Fantasy-Serien. Ich wäre gern eine gute Poetry-Slammerin und mache gerade einen ­Hula-Hoop-Kurs bei einer Artistin.


Autorin

Sandra Hoffmann 29 Artikel

Sandra Hoffmann ist Journalistin in der Öffentlichkeitsarbeit der Evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach.