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Ein Gotteshaus für das Neubauquartier Nordend

August Cordes war ein Mann mit Schwung und Mut. Der Pfarrer machte sich vor 125 Jahren einen Namen, als er in der „Bornheimer Heide“ eine neue evangelische Kirchengemeinde aufbaute. Nach dem Reformator Luther wurde sie benannt. In Wahrheit war die Gegend zwischen Alleenring und Wallanlage auch damals kein Bornheim. Um ein „Niemandsland“ handelte es sich, in dem Kleingewerbetreibende, Handwerker, Beamte und Pensionäre sich ansiedelten. In einem Rückblick schreibt Cordes, das heute unter dem Namen Nordend bekannte Quartier sei vor allem vom „unteren Mittelstand“ bezogen worden. Investoren errichteten mehrstöckige Häuser, unten Schaufenster, oben Wohnungen, erzählt Pfarrer Hans Reiner Haberstock, der heute zusammen mit seiner Kollegin Melanie Lohwasser die Luthergemeinde betreut.

Frankfurt war Ende des 19. Jahrhunderts am Wachsen: Vereine gründeten Kirchen wie die Christuskirche am Beethovenplatz oder die Immanuelskirche (heute Epihaniaskirche) am Oederweg. Das Evangelisch-lutherische Predigerministerium, sozusagen die offizielle Vertretung der evangelischen Kirche in Frankfurt, entschied sich, in dem neu entstehenden Wohngebiet unweit der Berger Straße für die zunehmende Bevölkerung eine neue Kirchengemeinde zu gründen, die Luthergemeinde. Es fanden sich auch prominente Unterstützer, etwa aus der Familie von Bethmann.

Einladung zum Glauben
Bis heute prägen Mehrfamilienhäuser aus der Jahrhundertwendezeit die Straßenzüge rund um den Martin-Luther-Platz. Inzwischen wurde jedoch viel modernisiert, Hinterhöfe sind zu begehrtem Bauland geworden, das Nordend wandelte sich zu einem der beliebtesten Wohnviertel der Stadt. Insbesondere auch junge Familien siedeln sich gerne hier an.

Sie profitieren von dem umfangreichen Kinder- und Jugendmusikprogramm der Evangelischen Luthergemeinde unter der Leitung der Kirchenmusikerin Elke Katscher-Reulein, die auch für Erwachsene umfangreiche Angebote macht. In den neunziger Jahren habe der Chor 30 bis 35 Mitglieder gezählt, heute sei er auf 70 bis 80 Stimmen angewachsen. Nicht alle Mitglieder des Chors hätten eine Bindung an die Kirche. Bei den Probewochenenden stelle er aber immer auch den theologischen Hintergrund der geprobten Werke vor – und merke, das spreche die Leute an, erzählt Haberstock. Das Theologische ist ihm wichtig, für ihn bildet der Gottesdienst das zentrale Element des Gemeindelebens.

Der Kindergarten, die sozialdiakonische Arbeit der Hilfe im Nordend, die kontinuierlich von Yvonne Weichert, einem Kirchenvorstandsmitglied, organisierte Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlinge – all das zählt der 60 Jahre alte Pfarrer zum Profil der Gemeinde. Der neue Glasanbau, in dem das Gemeindehaus seinen Platz gefunden hat, die Öffnungszeiten, wochentags von 10 bis 18 Uhr, sorgen für Zuwendung zu den Menschen im Stadtteil. Seine Kollegin Lohwasser, die mit halber Stelle in der Gemeinde und mit einer anderen halben Stelle im Budgeheim tätig ist, kümmert sich neben der Gottesdiensttätigkeit unter anderem um den Besuchsdienstkreis.

Auf die Menschen zugehen, einladen, dass passt auch zu dem Ansinnen von Cordes, der vor seiner Zeit in Frankfurt unter anderem in Hamburg und in den Vereinigten Staaten tätig war und nach seiner Arbeit in der Lutherkirche von 1912 an Superintendent in Leipzig und damit Pfarrer an der berühmten Thomaskirche war, in der einst Johann Sebastian Bach wirkte.

Früh gab es unter Cordes Ägide in der Luthergemeinde ein Gemeindehaus, viele Vereine und Gruppierungen zählten zum kirchlichen Leben, einer der ersten Gemeindebriefe Deutschlands wurde herausgebracht. Und gefeiert wurde viel. Ein Höhepunkt im Kirchenjahr war das Kirchweihfest, immer rund um den 10. September. So auch zum 125.

Das Jubiläumsprogramm
Mit dem Programm zum Tag des offenen Denkmals beginnt am Sonntag, 9. September 2018, auch das Festprogramm zum Jubiläum „125 Jahre Luthergemeinde“. Um 14 Uhr wird zu einer Führung durch die Lutherkirche mit anschließendem Kurzvortrag eingeladen, für den 16-Uhr-Rundgang und Vortrag konnte der Städtebauer und Historiker Björn Wissenbach gewonnen werden.

Pfarrer Hans Reiner Haberstock unternimmt am Freitag, 14. September 2018, 19.30 Uhr, in der Luthergemeinde, Martin-Luther-Platz 1, einen historischen Rückblick mit Bildern und Zeitdokumenten aus dem Archiv der Luthergemeinde bis zur Gegenwart.

Am Sonntag, 16. September, steht die Feier des Kirchweihjubiläums an: Es beginnt um 10.30 Uhr mit einem Festgottesdienst mit Jubiläumskonfirmation. Die Lutherkantorei unter der Leitung von Elke Katscher-Reulein sorgt für den musikalischen Rahmen, Haberstock hält die Predigt und Lohwasser übernimmt die Liturgie. Zum Einstieg singen die Jungen und Mädchen aus dem Kindergarten ein „Ständchen“ für die Jubiläumsgemeinde, anschließend wechseln die Kinder zu einem Jubiläums-Kindergottesdienst in den Lutherkindergarten. Im Anschluss an den Gottesdienst wird zu einem kleinen Festempfang in das Foyer eingeladen. Bis 15.45 Uhr ist bei Kaffee und Kuchen Zeit für Gespräche und Erinnerungen. Um 16 Uhr beginnt eine Abendmahlsfeier in der Lutherkirche, mit ihr schließt die Jubiläumsfeier.