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Für die Menschen da sein und die Zukunft planen

Mit Krankenhausseelsorge, der Bahnhofsmission, dem Zusammengehen der evangelischen Kirche in Frankfurt und Offenbach zum 1. Januar 2019 und dem Rückgang der Pfarrstellen bis 2024 hat sich das evangelische Kirchenparlament Frankfurts gestern Abend bei seiner Sitzung im Dominikanerkloster befasst. Der evangelische Stadtdekan Achim Knecht führte in das Thema Pfarrdienst ein. Er informierte die Delegierten von Stadtsynode und Regionalversammlung: „Wir müssen uns im zukünftigen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach bis zum 31. Dezember 2024 auf eine Kürzung der Zuweisung von 4,50 Pfarrstellen im Gemeindepfarrdienst und 1,75 Stellen im regionalen Pfarrdienst einstellen.“ Dies ergebe sich aus dem Beschluss der Landessynode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vom November 2017.

 

Reaktion auf Rückgang von Gemeindemitgliedern und Pfarrnachwuchs

Zum einen liege das an dem Rückgang der Gemeindemitglieder, so der Stadtdekan. Auf landeskirchlicher Ebene nahm die Zahl der Evangelischen zwischen 2010 und 2016 durchschnittlich jährlich um 1,4 Prozent ab, in Frankfurt wurden in dem Zeitraum in der Regel etwa ein Prozent weniger Protestanten jährlich verzeichnet, „leider allerdings mit zunehmender Tendenz, denn im Jahr 2016 haben wir in Frankfurt 1,9 Prozent unserer Mitglieder verloren“, erläuterte Knecht dem Parlament.

Neben der Mitgliederentwicklung sei der fehlende Pfarrnachwuchs ein Grund für die Planungen, konstatierte der Stadtdekan. Prodekan Holger Kamlah, zuständig für Frankfurt Nord-West, sprach davon, dass in einigen Regionen der Landeskirche ein Drittel der Stellen nicht besetzt werden könne, da habe es die Metropole Frankfurt noch gut. Dennoch gelte: „Das Modell ist auf Hoffnung gestrickt“. Offen zeigte sich Prodekanin Ursula Schoen, zuständig für Frankfurt Süd-Ost für den Vorschlag, zu prüfen, ob Pfarrerinnen und Pfarrer anderer Nationalität, die hier Dienst tun in Migrationsgemeinden - so sie die Voraussetzungen erfüllen - in Frankfurter Gemeinden wechseln.

Aktuell verfügt das Stadtdekanat Frankfurt über 62,5 gemeindliche Pfarrstellen und 16,75 Stellen im regionalen Pfarrdienst, im Dekanat Offenbach sind elf Gemeindepfarrstellen und zwei regionale vorhanden. Mitte der zwanziger Jahre soll es dann in beiden Städten zusammen noch 69 gemeindliche und 17 regionale Pfarrstellen geben.

Eine Entlastungsmöglichkeit berge das veränderte Pfarrstellenrecht, sagte Knecht, es sehe vor, Pfarrstellen nicht nur in einer Gemeinde anzusiedeln, sondern auf Antrag auch regionale Kooperationsräume zu erschließen. Außerdem plane die EKHN die Mittel für Verwaltungskräfte aufzustocken, was Pfarrerinnen und Pfarrer von den Geschäftsführungsaufgaben entlaste.

 

Blick auf Ökumene und das Zusammengehen mit Offenbach
In seiner Eingangsrede dankte Stadtdekan Achim Knecht dem Magistrat der Stadt Frankfurt, der Ende Januar einen Zuschuss in Form von Geld- und Sachleistungen in Höhe von fast fünf Millionen Euro genehmigt hat für den 3. Ökumenischen Kirchentag, der 2021 in Frankfurt stattfinden soll – Vorläufer gab es 2003 in Berlin und 2010 in München. Ein lokales ökumenisches Projekt, Pax & People, das Ende Januar im Europaviertel eröffnet wurde, hob Knecht gleichfalls in seiner Rede hervor, hier werde der Internationalität und der Verschiedenheit der Kulturen und Weltanschauungen des Neubauviertels Rechnung getragen. An anderer Stelle berichtete der Frankfurter Stadtdekan den Delegierten, dass der Kirchengemeindeverband Offenbach am 25. Januar einstimmig die eigene Auflösung zum Jahresende 2018 und die Empfehlung der Frankfurter Kirche beizutreten, beschlossen hat.

 

Krankenhausseelsorge: Zuhören und die Kraft stärken
Evangelische Krankenhausseelsorge gibt es aktuell in sieben Frankfurter Kliniken: Bethanienkrankenhaus, BGU Unfallklinik, Hospital zum Heiligen Geist, Klinikum Höchst, Krankenhaus Nordwest und Uniklinik. Dort wird mit großem Engagement auf 12,75 Stellen gearbeitet: 164.500 Patientinnen und Patienten nehmen die Kliniken pro Jahr auf, dazu kommen deren Angehörige und 10.500 Mitarbeitende – für sie alle sind die Seelsorgerinnen und Seelsorger Ansprechpartner. Die Pfarrerinnen und Pfarrer kümmern sich um die Menschen, die auf sie zukommen oder die den Kontakt wünschen – egal welchen Glaubens. Seitens des Klinikpersonals gibt es immer wieder Hinweise auf möglichen Gesprächsbedarf, aber auch aus Gemeinden.

Zuhören gehört zu den primären Aufgaben der Krankenhausseelsorger und -seelsorgerinnen, zudem Krankenabendmahl, Gottesdienste halten, Personalfortbildung und Begleitung von Ehrenamtlichen. Fünf Pfarrerinnen und Pfarrer stellten gemeinsam den Mitgliedern der Synode ihre Arbeit vor, als zentrale Aufgabe definierten sie: „die Kraft zum Menschsein stärken“.

 

Bahnhofsmission: Getränke, Gespräche und Begleitung
Auch Carsten Baumann, Diakon und Leiter der ökumenisch geführten Bahnhofsmission, nannte Zahlen bei der Präsentation der Anlaufstelle am Gleis 1: Rund 145.000 Kontakte gab es 2017 – einschließlich Tür- und Telefonbegegnungen, rund 250 bis 300 Menschen kommen täglich in die Bahnhofsmission, rund 80.000 Getränke wurden jährlich ausgeschenkt. Ganz unterschiedlich seien die Kontakte: Morgens der Suchtkranke, der sich seinen ersten Kaffee holt, im Laufe des Tages die gehbehinderte Dame, die beim Umsteigen unterstützt wird – um nur zwei Beispiele aus der ganzen Vielfalt zu nennen.

Stefan Majer, Mitglied des Vorstandes der Evangelischen Kirche in Frankfurt am Main und Frankfurter Stadtrat für Personal und Gesundheit lobte die Arbeit der Bahnhofsmission und sagte in seinem Redebeitrag, sie stehe dafür zu zeigen, dass Menschen, die mit Untiefen kämpfen, die am Rande der Gesellschaft leben, nicht einfach aus dem öffentlichen Bild verschwinden sollen. Baumann versicherte, dass er gerade in Zeiten, in denen der Frankfurter Hauptbahnhof zunehmend zu einem „Einkaufstempel“ werde, am Südeingang Stellung halten wolle.