Pressemitteilungen

Für Erwerbslose wird das Klima in Frankfurt rauer

Für Erwerbslose wird das Klima in Frankfurt rauer

Personelle Wechsel bei der Hilfe im Nordend / Jahresbericht 2017 der HIN

„HIN-Arbeit ist Beziehungsarbeit“, formuliert Gerd Bauz, seit Herbst 2017 neuer Vorsitzender der in der Evangelischen Luthergemeinde ansässigen „Hilfe im Nordend“ anlässlich des Erscheinens des neuen Jahresberichts des sozialdiakonischen Vereins, der sich vor allen Dingen um Erwerbslose kümmert. Eine Vielzahl von Angeboten macht die Initiative seit Jahren, 2017 konnte der Umfang noch erweitert werden. Diese Ausweitung ist aber nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass zurückgehende Hartz IV-Unterstützung und zunehmend teures Leben in Frankfurt sich bemerkbar machen.

Unter der Leitung des Sozialarbeiters Michael Eismann bietet die HIN Beratungsgespräche zu beruflichen und privaten Angelegenheiten, Freizeitaktivitäten – und immer wieder Gelegenheit, jenseits der Erwerbsarbeit Kontakte zu knüpfen, Halt zu finden und „Sinnhaftigkeit zu erfahren“. Hierzu trägt der wöchentliche Montagstreff bei, den im Jahr 2017 mehr Menschen denn je besuchten: bis zu 36 Personen fanden bei Kaffee und Kuchen zusammen. Aber auch der ehrenamtliche Hilfsdienst der HIN, in dem Erwerbslose einer regelmäßigen Beschäftigung nachgehen können, lief gut. 2017 erbrachte er bei geringerer Anzahl an Mitarbeitenden mehr Stunden als im Vorjahr und konnte sieben neue „Kunden“ dauerhaft hinzugewinnen.

Das Angebot der seitens der Hilfe im Nordend finanzierten Fortbildungen wurde 2017 deutlich erweitert: Statt wie im Vorjahr 34 fanden 43 Kurse statt. „Wir freuen uns, dass wir so viel ermöglichen konnten. Die Themen reichten vom Computerkurs bis zum Seminar ‚Leistung! … und Würde?‘ Sie waren eine Bereicherung für alle Teilnehmenden“, sagt Michael Eismann. Die zahlenmäßig für die Initiative positiven Entwicklungen haben jedoch einen traurigen Hintergrund: „Das Jobcenter übernimmt immer weniger Weiterbildungen für Menschen, die ‚Hartz IV‘ beziehen“, stellt der Bericht fest.

Die gravierenden Folgen der geringen Höhe von Arbeitslosengeld II spiegelten sich auch in den mehr als 500 Beratungen der Hilfe im Nordend wider. „Viele Erwerbslose haben große finanzielle Probleme“, berichtet Eismann aus den Gesprächen. „Gerade in teuren Städten wie Frankfurt ist ein menschenwürdiges Leben mit ‚Hartz IV’ eigentlich gar nicht möglich.“ Das Angebot der Hilfe im Nordend gibt Erwerbslosen Raum und Möglichkeiten, dennoch am kulturellen und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Über die steigende Nachfrage kann Eismann sich nicht freuen. „Ich wünschte, unsere Arbeit wäre überflüssig“, sagt er. Doch seine jahrzehntelange Erfahrung lässt ihn ahnen, dass dieser Traum so schnell nicht in Erfüllung gehen wird.

Der Blick in die Zukunft zeigt dabei zweierlei: Mehr hauptamtliche Arbeit wird möglich, denn die Stadt erkennt die Qualität der im Verein geleisteten Arbeit an – und finanziert im Rahmen des Frankfurter Arbeitsmarktprogramms eine zweite Stelle von 50 Prozent. Zusammen mit der Förderzusage für mehrere Jahre durch die Vergabekommission der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist damit eine gute Voraussetzung für das Fortbestehen der Hilfe im Nordend geschaffen.

Gleichzeitig stehen deutliche Änderungen an, denn „das Ende der Ära Eismann wirft seine Schatten voraus“, so der Vorsitzende Gerd Bauz: Michael Eismann geht im Juli 2018 in den Ruhestand. Seinen erfolgreichen Einsatz für Gerechtigkeit, Chancen und Lebensqualität in einem Leben mit Erwerbslosigkeit setzen dann zwei Nachfolgerinnen fort, die zu gegebener Zeit ihr Konzept vorstellen werden.

Kontakt zur Hilfe im Nordend unter der Telefonnummer 069 490573 oder der E-Mail-Adresse hin@luthergemeinde-ffm.de, hier kann jeweils auch der ausführliche Jahresbericht kostenlos bestellt werden.