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Frankfurt und Offenbach auf einem Weg

Ohne Gegenstimmen, bei zwei Enthaltungen, hat Frankfurts evangelisches Kirchenparlament im Rahmen seiner gestrigen Sitzung im Dominikanerkloster den „Einladungsbeschluss Offenbach“ angenommen. Damit können die Verhandlungen für das Zusammengehen der evangelischen Kirche Offenbach mit der evangelischen Kirche Frankfurt in die Endphase gehen. Umgesetzt werden soll die Verbindung zum 1. Januar 2019. Im kommenden Frühjahr werden die Parlamente über die konkretere Ausgestaltung beraten und entscheiden. Eine Reihe von Punkten, die die Steuerungsgruppe des Prozesses bereits erarbeitet hat, stellte Frankfurts evangelischer Stadtdekan Achim Knecht bei der Tagung von Dekanatssynode und Regionalversammlung vor. Der Theologe nannte den Beschluss „einen Meilenstein“ für beide Beteiligten.

Vereinbart hat die Steuerungsgruppe bisher folgende Eckpunkte: Die Offenbacher Kirchengemeinden werden Mitglied im Evangelischen Regionalverband Frankfurt, der dortige Kirchengemeindeverband löst sich auf. Der Dienstsitz des neuen Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach soll das Dominikanerkloster in Frankfurt sein. Die Einrichtungen des Kirchengemeindeverbandes Offenbach gehen auf den Frankfurter Gemeindeverband über, der ab dem 1. Januar 2019 „Evangelischer Regionalverband Frankfurt und Offenbach“ heißen soll. Ein weiterer Eckpunkt ist die Übernahme der Arbeitsverhältnisse der Mitarbeitenden, den Beschäftigten wird Bestandsschutz garantiert. Die nicht gemeindlich genutzten Liegenschaften gehen auf den Evangelischen Regionalverband über, die gemeindlich genutzten ebenfalls, es sei denn, eine Offenbacher Kirchengemeinde beschließt, Eigentümer einer Liegenschaft zu bleiben.

Michael Brück, der Vorsitzende des Offenbacher Verbandsvorstands, der zusammen mit drei anderen Kirchenvertretern aus der Nachbarstadt an der Sitzung teilnahm, versicherte, die Eckpunkte würden von beiden Seiten gleichermaßen getragen. „Beide tun gut daran, den Weg zu beschreiten, der mit diesem Beschluss begonnen wurde“, sagte Brück, der ehrenamtlich die Geschäfte führt.

 

Propst Albrecht: Vernetzen – gut gemacht

Eingeleitet wurde die gestrige Tagung mit einem Vortrag des Propstes für Rhein-Main Oliver Albrecht. Seit der Neuordnung der Propsteien der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zum 1. Oktober 2017 ist er auch für Frankfurt und Offenbach zuständig. Ihm ging es um Schlaglichter, wie eine Kirche sich entwickeln kann, die sich mit zurückgehenden Mitgliederzahlen und damit auch Finanzen konfrontiert sieht. Eine von Albrechts Thesen lautet: „Wir kommen nicht drum herum, uns zu vernetzen.“ Er wolle das nicht schön reden, sondern darüber nachdenken, wie es gelingen könne, das gut zu machen.

Was dient der Verkündigung sei die leitende Frage. Der Gottesdienst müsse gelingen, die Möglichkeit, jederzeit im Pfarramt einen Patenschein zu erhalten sei  weniger zentral, meinte Propst Albrecht. Im Gespräch gelte es herauszufinden, wie sich Gemeinden sinnvoll gegenseitig unter die Arme greifen können. Unter der Überschrift „Gottes Kraft ist den Schwachen mächtig“ erläuterte Albrecht, es gehe bei der Zusammenarbeit der Gemeinden nicht um Kräftemessen, sondern um den Mut, zu bekennen, das schaffe ich nicht, dadurch entstehe Bewegung und Entwicklung.

Doch Kirche müsse sich ändern, sie „ist verkopft und kommt nicht in Bewegung“, befand Albrecht. Hinzu fügte er: „Lasst sie uns auf die Füße stellen, damit sie wieder laufen lernt.“ Für wichtig hält er auch, sich nicht im Planen zu verlieren, ständig Veranstaltungen zu organisieren. Die Menschen wollten Kirche als einen Ort erleben, wo sie sich auch mal fallen lassen und auftanken können.

 

Delegierte beschließen Haushalte für 2018

Zu beschließen hatten die Delegierten gestern auch die Haushalte von Regionalverband und Stadtdekanat. Der Haushalt des Verbandes umfasst 2018 einen Verwaltungsteil in Höhe von gut 160 Millionen Euro, der Vermögensteil ist mit etwas mehr als 14 Millionen Euro veranschlagt. Den größten Posten bei den Ausgaben des Verwaltungsteils machen Kindertagesstätten und Krabbelstuben aus, gefolgt von den beiden Fachbereichen Diakonie sowie Beratung, Bildung, Jugend. Erstmals muss auf Rücklagen zurückgegriffen werden: Die Entnahme „zum Haushaltsausgleich ist mit einer Summe von rund 1,7 Millionen Euro veranschlagt. Das sind 1,07 Prozent des Volumens im Verwaltungsteil unseres Haushalts“, erläuterte Jürgen Wolf, Leiter der Abteilung II Finanzen, Organisation und Wirtschaftsangelegenheiten des Evangelischen Regionalverbandes. Durch eine Ausgaben- und Aufgabenkritik müsse dafür gesorgt werden, dass sich perspektivisch kein dauerhaftes, strukturelles Defizit entwickelt, sagt er. Bei fünf Enthaltungen wurde der Haushalt des Evangelischen Regionalverbandes für 2018 von den Delegierten angenommen. Der Haushalt des Stadtdekanats umfasst rund drei Millionen Euro, er wurde bei einer Enthaltung angenommen.

 

Rückblick auf das Jahr des Reformationsjubiläums

Sowohl der Stadtdekan, als auch die Versammlungsleiterin, Irmela von Schenck, ließen das Jahr des Reformationsjubiläums mit dem Pfingstfest auf dem Römerberg und den Festivitäten am 31. Oktober Revue passieren. Beide bedankten sich bei den vielen, die sich für ein so umfangreiches Programm engagiert haben und hoben den ökumenischen Geist in dem das Jubiläum begangen wurde, hervor. Überwältigt zeigten sie sich noch mal über den Zulauf zu dem Festgottesdienst in der Sankt Katharinenkirche am Tag des Reformationsjubiläums. Zugleich baten sie um Entschuldigung, dass die Kirche den Andrang nicht erwartet und entsprechende Vorkehrungen getroffen  hatte etwa in Form einer Außenübertragung.

Stellung nahm Stadtdekan Achim Knecht auch zu der vergangenen Freitag bekannt gewordenen Absage für die Pläne im Stadthaus der neu entstehenden Altstadt ein Kirchenmuseum einzurichten. Es sei bedauerlich, aber auch nachvollziehbar, dass die Stadt sich auf dringendere Projekte konzentrieren muss, „vor allem im sozialen Bereich“. Knecht verknüpfte das Verständnis mit der Hoffnung auf zusätzliche Unterstützung für den Ökumenischen Kirchentag, der 2021 in Frankfurt stattfinden soll.