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Heimat: Mit der Stecknadel lässt sie sich nicht fixieren

Mit Umzügen kennt Martin Vorländer sich aus. Keine vier Monate war er alt, als seine Eltern mit ihm von Erlangen in den Libanon zogen. 17 weitere Ortswechsel folgten: Im Allgäu und in München verbrachte er einen Teil seiner Jugend, in Frankreich und in Istanbul hat er gelebt, seit acht Jahren ist er in Frankfurt zu Hause. Diesen März hat der Theologe, der von 2010 bis 2014 in der Dreikönigsgemeinde am Sachsenhäuser Ufer arbeitete und seitdem als Redakteur im Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) tätig ist, in der Edition Chrismon das Buch „Sehnsuchtsort Heimat“ herausgebracht.

„Heimat“ - ein Begriff, der heute in aller Munde zu finden ist: In vielen Printprodukten ist davon die Rede, im Netz taucht er vielfach auf. Die Google-Suche ergibt aktuell 14,5 Millionen Treffer. 2016, als Vorländer mit den Planungen für das Buch begann, sei von einem Bundesminister, zuständig für Heimat, noch nicht die Rede gewesen, sagt der 45 Jahre alte Herausgeber des Sammelbandes. Aber das Thema lag in der Luft, nicht zuletzt, weil Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen mussten, vor Krieg und Not flohen, damit konfrontierten. Eins ist für Vorländer klar: „Wir sollten den Begriff der Heimat nicht der AfD überlassen.“

Aber er will vielen Stimmen Gehör verschaffen. Das Buch vereint ganz unterschiedliche Autorinnen und Autoren: Manfred Kittel, Gründungsdirektor der Bundesstiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zählt zu dem Kreis, Simon und Matthias Classen, die in Los Angeles äußerst erfolgreich „Europe`s Number one Streetfood“ – Döner - vertreiben, sind vertreten, Meron Mendel, 1976 in Israel geborener Erziehungswissenschaftler und Historiker, seit 2010 Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, hat einen Beitrag verfasst. Der angehende Bayerische Ministerpräsident Markus Söder schreibt unter der Überschrift „Schutz der Heimat - Politik zwischen Bewahren und Weiterentwickeln“. Antje Schrupp, Journalistin, Bloggerin und Buchautorin, Chefredakteurin der Zeitung „Evangelisches Frankfurt“, ist mit dem Text „Zu Hause im Netz - Heimat ist für immer mehr Menschen da, wo es WLAN gibt“ vertreten.

Für Vorländer ist Heimat da, „wo ich dazu gehören darf“, seit acht Jahren eben in Frankfurt. An dem örtlichen Nationalgericht, der Grünen Soße, gefällt ihm, dass auch deren Wurzeln nicht nur in hiesiger Erde liegen: Kerbel stamme ursprünglich aus Russland, Kresse aus dem Orient, Pimpinelle aus Asien, zählt er auf. Heimat muss sich nicht mit der Stecknadel auf der Weltkarte fixieren lassen. Es könne mehrere Heimaten geben: nebeneinander und hintereinander, findet Martin Vorländer. Für Gläubige gebe es zudem eine ganz eigene Heimat: Das Zuhause bei Gott. Ihm gefalle ein Verständnis von Heimat, dass einem „Vademecum“ ähnele, einer Schrift, einem Ratgeber, der einen unterwegs begleitet, so der Theologe und Autor.
Sehnsuchtsort Heimat, 224 Seiten, Paperback mit vielen Fotos, 15 Euro, erschienen in der Edition, Chrismon, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, ISBN 978-3-96038-125-9