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Verkauf von Areal unweit der Messe wird konkreter

Die Delegierten von evangelischer Dekanatssynode und Regionalversammlung haben bei ihrer gestrigen Sitzung im Frankfurter Dominikanerkloster dem Plan zugestimmt, für einen Großteil des Areals der unweit der Messe gelegenen Matthäuskirche einen Käufer zu suchen. Vorausgegangen war im August eine Gemeindeversammlung der Hoffnungsgemeinde, zu der die Matthäuskirche gehört. Dort stieß die Absicht, auf rund 450 Quadratmetern des Geländes zwischen Friedrich-Ebert-Anlage und Hohenstaufenstraße eine Neue Matthäuskirche zu bauen und als Voraussetzung dafür die rund 2.500 verbleibenden Quadratmeter des Grundstücks zu veräußern, auf positive Resonanz. Der Kirchenvorstand der Gemeinde befürwortete zwei Wochen später die entsprechende Beschlussvorlage des Evangelischen Regionalverbandes (ERV), die den Erhalt des Kirchturmes und denkmalgeschützter Elemente vorsieht, ohne Gegenstimmen – bei einer Enthaltung. Damit schloss eine lange Zeit der Auseinandersetzung zwischen Gemeinde und Evangelischem Regionalverband über die Zukunft der in prominenter Lage angesiedelten Kirche. Das Plazet der Delegierten des Frankfurter Kirchenparlaments gestern Abend war nun Bedingung für den Einstieg in konkrete Verhandlungen. Unter den 104 anwesenden Stimmberechtigen entschied sich eine große Mehrheit dafür, fünf votierten mit „Nein“, sieben Enthaltungen wurden verzeichnet.

Es gebe „einige Interessenten“, sagte Stadtdekan Achim Knecht. Friederike Rahn-Steinacker, die Leiterin der Bauabteilung des ERV, wies darauf hin, es handele sich um ein „diskretes Verfahren“. Nur so viel: Mit verschiedenen Investoren, die schon länger Interesse bekundet hätten, könne der Verband jetzt konkreter werden. Dass sensibel zu agieren zu sei, verstehe sich. Aus dem Plenum kam der Wunsch, die Stadt ins Boot zu holen. Sie halte das für keine realistische Variante, tat Rahn-Steinacker kund. Die Zustimmung der Gemeinde zu dem Verfahren und den Planungen machte Friedhelm Kirmeier, der Kirchenvorstandsvorsitzende, bei der gestrigen Sitzung im Dominikanerkloster noch einmal deutlich: Gemeinsam mit dem Stadtdekanat, dem Regionalverband und dessen Bauabteilung sei es gelungen, etwas Positives zu entwickeln, „ich plädiere ganz entschieden dafür“, sagte er vor der Abstimmung. Stadtdekan Knecht hob in einem Beitrag hervor, dass mit dem vertrauten Kreuz auf der Spitze des Kirchturms an einer prägnanter Stelle der Stadt ein Zeichen für den Glauben gesetzt werden könne.

Kirchenmusik: zentraler Bestandteil evangelischer Arbeit
Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war das Thema „Kirchenmusik“. Vorgestellt wurde eine Konzeption, die einen Überblick über das Vorhandene verschafft und zugleich acht Leitlinien zur Weiterentwicklung enthält. Zu den statistischen Zahlen, die Andreas Russow, der Vorsitzende des Kirchenmusikausschusses präsentierte, gehört: 172 Gruppen musizieren in den evangelischen Kirchengemeinden, 3267 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden gezählt. 32 Kantoreien und 32 Kinder- und Jugendchöre listet die Erhebung auf, zwei Drittel aller Gruppen werden ehrenamtlich geführt, so eine Erkenntnis .

Die Stichworte der Leitlinien sind: Kirchenmusik als zentraler Bestandteil evangelischer Arbeit, in den Gemeinden muss eine entsprechende Grundversorgung gesichert werden, Vorhandenes in den Gemeinden gilt es zu fördern und auszubauen. Zentren mit besonderer Ausstrahlung sind auf das Gebiet des Stadtdekanats zu verteilen. Vielfalt soll ein Grundprinzip sein, Kooperationen und Vernetzungen in die Stadt hinein gilt es zu stärken. Die Ausbildung des Nachwuchses bedarf besonderer Förderung, gerade auch bei den nebenberuflich Tätigen. Bei den Hauptberuflichen solle der übergemeindliche Auftrag gestärkt werden, heißt es in dem Konzept.

Die für Kirchenmusik zuständige Prodekanin Ursula Schoen sprach von einem Paradigmenwechsel. Nach der Bildung des Stadtdekanats aus vier Frankfurter Dekanaten vor vier Jahren biete sich hiermit erstmals ein Gesamtbild der evangelischen kirchenmusikalischen Arbeit in Frankfurt. Und nicht nur das, da die evangelische Kirche in Offenbach und die evangelische Kirche in Frankfurt zum 1. Januar 2019 zusammengehen, werden beide Kommunen in dem Papier schon in den Blick genommen.

Russow betonte, es handele sich nicht um ein abgeschlossenes Konzept, Fortentwicklung sei gewünscht. Stadtjugendpfarrer Christian Schulte beispielsweise äußerte den Wunsch, Bands als Möglichkeit, die nachwachsende Generation zu gewinnen, einen hohen Stellenwert einzuräumen.

Zukünftige Versorgung mit Pfarrerinnen und Pfarrern
Der alljährliche Bericht von Prodekanin Schoen und ihres Kollegen Prodekan Holger Kamlah stand gestern auch auf der Tagesordnung. Die beiden sind für die gemeindliche Arbeit in den Stadtteilen zuständig, Kamlah für den Nordwesten, Schoen für den Bereich Süd-Ost. Ein Fokus war die Versorgung mit Pfarrerinnen und Pfarrern. Kamlah sagte, noch gebe es in der Landeskirche einen Überhang an Pfarrpersonen, doch auf Grund anstehender Ruhestände sei absehbar, dass es Lücken geben werde. Hinzu komme, dass über die Propstei nicht mehr so viele Vertretungspfarrerinnen und –pfarrer bei Vakanzen zur Verfügung stehen werden. Kamlah stellte in den Raum: „Warum soll ein intensiv vorbereiteter Gottesdienst nicht zwei Mal gehalten werden?“ Gemeinden könnten Gottesdienstzeiten absprechen. Stadtdekan Knecht sagte, sich durch unterschiedliche Profile zu unterscheiden, könne auch eine Chance für Gemeinden bedeuten. Nicht jeder müsse immer alles machen – und zur selben Zeit, so Knecht. Prodekanin Schoen warb dafür, sich für den Pfarrnachwuchs einzusetzen, für die Generation, die in 20 Jahren die Kirche führen werde. Eine „Achillesferse“ beim Werben um den Nachwuchs sei die Wohnsituation. Gerade im Bereich Süd-Ost, für den sie verantwortlich ist, der auch die Innenstadt umfasst, sei es äußerst schwierig, den Interessierten ein attraktives Zuhause anzubieten.

Abgenommen wurden von den Delegierten die Jahresrechnung des Stadtdekanats für das Haushaltsjahr 2017 und die Jahresrechnung des Evangelischen Regionalverbandes für das Haushaltsjahr 2016 sowie jeweils die entsprechende Entlastung des Vorstands.