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Zuhören und reden

„Aufeinander hören - miteinander reden“ sind die Wintervorträge 2019 in der Evangelisch-reformierten Gemeinde überschrieben: Um Antisemitismus in der Vergangenheit und heute wird es gehen in der Reihe, um aktuelle israelische Politik. Von antisemitischen Pöbeleien auf dem Fußballfeld wird die Rede sein, von Liedern, die am Shabbat gesungen werden, handelt ein Abend. In Martin Doerrys Lesung zum Schicksal der Lilli Jahn führt der Antisemitismusbeauftragte der Hessischen Landesregierung Professor Felix Semmelroth ein. Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, geht an einem Abend antiisraelischem Antisemitismus nach.

Die Reihe beginnt am Donnerstag, 24. Januar 2019, 19 Uhr. Ute Loeiro wird im Gemeindezentrum der Evangelisch-reformierten, Freiherr-vom-Stein-Straße 8, die Geschichte von Antijudaismus und Antisemitismus skizzieren. Die Arbeitsgruppe Antisemitismus des Stehenden Presbyteriums der Gemeinde wird ihre Einschätzung des Themas vorstellen. Alon Meyer, Vorsitzender von Makkabi Deutschland, äußert sich an dem Abend in Interviewform über konkrete Erfahrungen mit antisemitischen Anfeindungen im Jugendsport, insbesondere im Fußball. Die Anwesenden sind eingeladen, sich mit Fragen und Debattenbeiträgen am Austausch über das Gehörte zu beteiligen.

In der Woche darauf, am Donnerstag, 31. Januar, 19 Uhr, hält Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, einen Vortrag über das Thema „Kritik an israelischer Politik oder israelbezogener Antisemitismus? Grenzen und Grauzonen“. Zum Aufhänger nimmt der Erziehungswissenschaftler und Historiker die Verleihung des Deutschen Kabarettpreises an Dieter Hanitzsch im Herbst 2018. Nur wenige Monate zuvor hatte Hanitzsch seine Beschäftigung bei der Süddeutschen Zeitung verloren, weil er den Sieg der israelischen Kandidatin beim Eurovision Song Contest mit einer Zeichnung kommentierte, die vielen als antisemitisch aufstieß. Die Karikatur zeigte den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu in Kleidung der ESC-Kandidatin und mit übergroßen Ohren. Dargestellt wurde der Premier von Hanitzsch mit dem Sederwunsch „Nächstes Jahr in Jerusalem“ auf den Lippen und eine Rakete mit aufgedrucktem Davidstern schwingend.

Chasan Daniel Kempin, Kantor des Egalitären Minjan in der Jüdischen Gemeinde, Frankfurt und Mitbegründer des Interreligiösen Chors in Frankfurt stellt am Donnerstag, 21. Februar 2019, um 19 Uhr Lieder zum Shabbat vor. „Schabat Schalom! – Chag ssameach!“ hat er das Programm überschrieben, in dem es um die Rolle des Singens am Shabbat geht. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum christlichen Sonntagsgottesdienst und der Gestaltung des Sonntags wird Kempin dabei herausarbeiten.

Martin Doerry, Jahrgang 1955, von 1998 bis 2014 stellvertretender Spiegel-Chefredakteur, seitdem Autor des Nachrichtenmagazins, liest am Montag, 25. Februar, um 18 Uhr im Rahmen der Wintervorträge in der Evangelisch-reformierten Gemeinde aus dem von ihm herausgegebenen Buch „Mein verwundetes Herz – das Leben der Lilli Jahn 1900-1944“. In einzigartiger Vollständigkeit sind 500 Briefe erhalten geblieben, die das Schicksal der jüdischen Ärztin Lilli Jahn und ihrer Familie deutlich werden lassen. Während die nationalsozialistischen Gewaltherrscher ihre Repressalien verschärften, rücken die fünf Kinder und ihre Mutter Lilli immer enger zusammen – bis Lilli Jahn in Auschwitz stirbt. Der Briefwechsel zwischen der Mutter und den Kindern ist ein bewegendes Zeugnis. Professor Felix Semmelroth, ehemaliger Frankfurter Kulturdezernent, heute Antisemitismusbeauftragter der Hessischen Landesregierung, wird in den Abend einführen. Zu dieser Veranstaltung lädt die Evangelisch-reformierte Gemeinde zusammen mit allen im Ortsbeirat II (Bockenheim, Kuhwald, Westend) der Stadt Frankfurt vertretenen Fraktionen ein.

Kontakt: Ina Friedrich, Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisch-reformierte Gemeinde, Telefon 069 2193979-30 E-Mail friedrich@evref.de

Hinweis: Auf der Internetseite www.efo-magazin.de äußert sich die Pfarrerin der Evangelisch-reformierten Gemeinde Susanne bei der Wieden in einem Interview zu den Hintergründen der Reihe. Dieses Gespräch kann auch von Redaktionen übernommen werden: hier

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