Ethik & Werte

Im Zweifel den Rettungswagen rufen

Manchmal sieht man in der Stadt Menschen in Hauseingängen oder auf der Straße liegen, die vermutlich obdachlos sind. Soll man da als Passantin etwas unternehmen? Darüber sprachen wir mit der Sozialarbeiterin Mihaela Gavazova, die für die Diakonie Frankfurt und Offenbach aufsuchende Straßensozialarbeit macht.

Mihaela Gavazova ist Sozialarbeiterin bei der Diakonie Frankfurt und Offenbach. | Foto: Rolf Oeser
Mihaela Gavazova ist Sozialarbeiterin bei der Diakonie Frankfurt und Offenbach. | Foto: Rolf Oeser

Frau Gavazova, wann sollte man etwas unternehmen, wenn man Menschen auf der Straße liegen sieht?

Das kommt auf die Tageszeit und die Temperatur an. Je kälter es ist, umso gefährlicher ist es, sich draußen aufzuhalten. Auch nachts draußen zu schlafen ist wahnsinnig gefährlich, nicht nur wegen dem Wetter, sondern auch von Mitmenschen geht Gefahr aus. Wir haben schon gehört, dass auf Obdachlose draufgepinkelt wurde. Also sobald man den Eindruck hat, dass es gefährlich sein könnte, sollte man auf jeden Fall etwas unternehmen.

Soll man die Personen dann ansprechen?

Ja, am besten zunächst einmal mit ein bisschen Abstand fragen, ob sie Hilfe braucht. Nicht gleich dicht rangehen. Dann sieht man ja schon die Reaktion. Wer alleine schläft, hat oft Gründe, warum er nicht in Übernachtungsstellen und Notunterkünfte geht.

Und wenn die Auskunft kommt, dass alles okay ist?

Dann sollte man schauen, ob das stimmen kann. Also wie gut der Mensch ausgestattet ist: Ist er der Witterung entsprechend angezogen, hat er Schlafsack und Isomatte? Manchmal ist ja auch eine psychische Erkrankung im Spiel, und die Leute sind nicht in der Lage einzuschätzen, wie es ihnen geht oder wie kalt es ist. Wenn sie Alkohol getrunken haben, ist es noch gefährlicher für sie, weil die Gefäße geweitet sind. Also nicht gleich glauben, wenn jemand sagt, er will und braucht nichts, sondern besser der eigenen Einschätzung folgen.

Wen soll man dann rufen?

In der Regel die 112, also einen Rettungswagen, wenn man den Eindruck hat, dass die Person ärztliche Hilfe braucht. Dabei sollte man genau die Adresse angeben und womöglich dabeibleiben, bis der Rettungswagen da ist. Die Sanitäter sind verpflichtet, die Menschen zu versorgen, auch wenn diese keine Gesundheitskarte haben. Wenn die Person keine akuten körperlichen Probleme hat, sollte man die Polizei rufen unter 110. Die Polizei ist verpflichtet, die Person irgendwo unterzubringen, wo es sicher ist. In Frankfurt kann man in der kalten Jahreszeit auch den Kältebus rufen unter 069 43 14 14. Er ist abends ab 21 Uhr auf einer festen Route unterwegs und bietet den Transport in eine Notunterkunft, bringt aber auch Decken und warme Getränke. Auch die städtische Hotline für soziale Notlagen ist rund um die Uhr besetzt unter der Nummer 069 21 27 00 70.


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Antje Schrupp 172 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

1 Kommentar

29. November 2021 19:28 Marcel Rafehi

Hallo Schatz! Es ist schön zu sehen, wie Du erfolgreich schon seit über 2 Jahren bei der Diakonie arbeitest und schon so vielen Menschen helfen konntest. Es ist Deine Bestimmung und Du bist wirklich großartig darin! Dein Engagement geht weit übers berufliche hinaus. Dies hast Du des Öfteren schon bewiesen. Gott segne Dich! Marcel Rafehi

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