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„Abraham ist wie eine Schutzimpfung gegen Fundamentalismus“

Das Abrahamische Forum organisiert Veranstaltungen für Jugendliche und Erwachsene, in denen das Gemeinsame der großen monotheistischen Weltreligionen herausgestellt wird. Kürzlich war ein Team in der Frankfurter Petersgemeinde.

Hanif Khan, Heike Seidel-Hoffmann und Klaus von Buchholz spielen die Geschichte von Abraham und Sara nach. | Foto: Anne Lemhöfer
Hanif Khan, Heike Seidel-Hoffmann und Klaus von Buchholz spielen die Geschichte von Abraham und Sara nach. | Foto: Anne Lemhöfer

Abraham fackelt nicht lange. Er zupft sein iPhone vom Ladekabel, das an einer Steckdose hängt, hält es ans Ohr und gestikuliert wild. Offenbar bekommt er vom Menschen am anderen Ende der Leitung einen Auftrag. Aber wieso überhaupt Mensch? Abraham spricht mit Gott, die Kommunikationsmethode ist der Zeit angepasst.

Abraham heißt eigentlich Klaus von Buchholz und ist Teilnehmer eines Workshops des Abrahamischen Forums in der Frankfurter Petersgemeinde. Mit ihm stehen Hanif Khan und die Pfarrerin Heike Seidel-Hoffmann im Gemeindesaal. Sie inszenieren dort aus dem Stegreif die biblische Geschichte von Abraham und seiner Frau Sara, die von Gott das Signal zum Aufbruch ins Land Kanaan bekommen.

Das Publikum folgt dem Geschehen gebannt. Wer ist wer? Was machen die da? Welche Gefühle könnten in ihnen toben?

Der Workshop gehört zu einer Veranstaltungsreihe des „Café Deutschland“, das Einheimische und Geflüchtete zusammenbringen möchte. Es geht um ein interreligiöses Gespräch mit Theaterelementen, organisiert von der Regisseurin Jennifer Münch, der Pädagogin und Lehrerin Stephanie Krauch und Imen Ben Temelliste, die Muslima und Absolventin der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg ist.

Die Figur Abraham und ihre Motivation zu knacken gelingt erstaunlich gut als Spontan-Inszenierung. „Abraham hatte offenbar einen Draht zu Gott, den er aber immer wieder verloren hat“, erkennt eine Teilnehmerin in Klaus von Buchholz' Darstellung. „Irgendwann übernimmt seine Frau Sara mit ihrer Intuition“, vermutet eine andere. Die Diskussion ist lebhaft.

Abraham gilt als Vater der drei Religionen Judentum, Christentum und Islam. Aber Abraham ist auch einfach ein Mensch, der seine Heimat verlässt und sich auf den Weg in unbekanntes Land macht, über sich nur den gestirnten Himmel, in sich nur das Vertrauen auf den Segen. Da gibt es noch keine monotheistischen Religionen. Auf seiner Reise besteht er Abenteuer und gerät in Krisensituationen, die sein bisheriges Leben auf den Kopf stellen. Viel Stoff für inhaltliche Arbeit also.

Das Projekt in der Petersgemeinde richtet sich an Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit, Geflüchtete und andere am interreligiösen Dialog Interessierte. „Abraham ist wie eine Schutzimpfung gegen Fundamentalismus“, formuliert es Heike Seidel-Hoffmann bildlich.

Bevor sie zu Publikum und Schauspielerinnen und Schauspielern wurden, haben Klaus von Buchholz, Hanif Khan und die anderen von sich erzählt. Von ihrem Kontakt zur Religion und ihren Fragen. Hanif Khan wurde in Pakistan der Blasphemie angeklagt. Eine muslimische Frau berichtet, wie ihr Sohn begeistert in den evangelischen Religionsunterricht gehe.

Abrahamische Teams wurden gebildet, um in der schulischen und außerschulischen Bildung über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im jüdischen, christlichen, muslimischen Glauben zu informieren. Sie kommen gemeinsam zu Veranstaltungen, stellen ihre Positionen zu unterschiedlichen Themen dar und suchen den offenen und kritischen Dialog. Und wenn es nicht anders geht, dann eben auch mit iPhone.


Autorin

Anne Lemhöfer 39 Artikel

Anne Lemhöfer interessiert sich als Journalistin und Autorin vor allem für die Themen Kultur, Freizeit und Gesellschaft: www.annelemhoefer.de

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