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Architektonische Ideen für die Diakoniekirche

Vorhänge, die Schutz schaffen: Student:innen entwerfen neue Designs für die Weißfrauen Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Studentische Entwürfe für die Neugestaltung der Weißfrauen Diakoniekirche. | Foto: Rolf Oeser
Studentische Entwürfe für die Neugestaltung der Weißfrauen Diakoniekirche. | Foto: Rolf Oeser

An Seilen aufgehängte Vorhänge, die die Rautenstruktur der Kirchendecke aufgreifen und den Raum mit wenigen Handgriffen in Schutzzonen oder offene Kommunikationsplätze verwandeln – so sieht der Siegerentwurf für die Neugestaltung der Weißfrauen Diakoniekirche im Frankfurter Bahnhofsviertel aus. Der Entwurf „Mosaik – Auch du bist ein Teil" von Luise Michel und Felicia von Bamberg überzeugte die Jury durch seine Einfachheit und wurde zur konkreten Umsetzung empfohlen. Voraussichtlich im Juni soll ein Pop-up in der Weißfrauen-Diakoniekirche an der Ecke Gutleut-/Weserstraße entstehen. Akademiedirektorin Hanna-Lena Neuser schreibt bereits Förderanträge für die Umsetzung.

Insgesamt 14 Entwürfe hatten Bachelor-Student:innen der Architektur und Innenarchitektur der Hochschule Darmstadt unter dem Motto „Great Good Place – Ein Wohnzimmer für alle" erarbeitet und in der Evangelischen Akademie präsentiert. Ausgangspunkt war eine Führung durch das Bahnhofsviertel im Oktober 2025, bei der die meisten den von Drogen, Prostitution, Wohnungslosigkeit, aber auch Gentrifizierung geprägten Stadtteil zum ersten Mal erlebten. Wie sehr sie das berührte, war allen Entwürfen anzumerken: Sie kreisten um Rückzug, Schutz und Stille, aber auch um Zusammenkommen, Beratung und kreative Ausdrucksmöglichkeiten.

Neben dem Siegerentwurf vergab die Jury drei weitere Preise. Spontan wurde ein Themenpreis für „SHElter – ein Ort der Auszeit für Frauen und Kinder" an Vivien Schmidt verliehen, die mit flexiblen Holzboxen und Vorhängen besonders auf die schwierige Situation von Frauen auf der Straße aufmerksam machte. Preise für zukunftsweisende Inspiration gingen an Lilly Brodkorb und Corinna Grünewald für „Gemeinsam daheim – Abhängen neu gedacht": tropfenförmige Kapseln, die per Flaschenzug in verschiedene Höhen gezogen werden – Nester, in die sich Einzelne zurückziehen oder zu anderen hin öffnen können. Lukas Rauch und Paul David wurden für „Eden – der Stadtgarten" ausgezeichnet, der die Kirche innen und außen mit Bepflanzungen bespielen will.

Die Diakoniekirche ist seit langem auch ein Kunst- und Kulturort. „Diese Tradition wollen wir wieder beleben", sagte Diakoniepfarrer Markus Eisele. Das Projekt fand im Rahmen der „World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026" statt – ein Titel, den die World Design Organization in diesem Jahr erstmals an Deutschland vergeben hat. Die Evangelische Akademie hat den gesellschaftspolitischen Aspekt unter dem Motto „Design for Democracy. Atmospheres for a better life" in ihr Programm aufgenommen. „Ein Projekt in der Diakoniekirche im widersprüchlichen Bahnhofsviertel schien dafür wie gemacht", so Neuser. Gefördert wurde es von der EKHN-Stiftung und der Polytechnischen Gesellschaft.


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Stephanie von Selchow ist Redakteurin des EFO-Magazins.

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