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Das Fest ist verschoben – der Dienst nicht

Antonia von Vieregges und Annegreth Schillings Ordination als Pfarrerinnen fiel erst mal Corona-bedingt aus. Auch wenn damit ein wichtiges Element für ihren Dienst fehlt, gehen sie vollumfänglich ihrer Arbeit nach.

Mit Schwung in den Dienst getreten: Antonia von Vieregge I Foto: Rolf Oeser
Mit Schwung in den Dienst getreten: Antonia von Vieregge I Foto: Rolf Oeser

„Ordination“ – Laien haben meist nur eine vage Idee, was sich hinter diesem Begriff verbirgt: „irgendwas abgeleitet von ,Ordo‘, die Ordnung vielleicht“, spekulieren unter Umständen Lateinaffine. Für junge Theologinnen und Theologen hingegen ist „Ordination“ ein Ziel, auf das sie lange hinarbeiten – endlich sind sie nach Jahren des Studierens und Lernens offiziell im Pfarramt angekommen.

Für Antonia von Vieregge, 31, Inhaberin der halben Pfarrstelle in der Evangelischen Michaelisgemeinde in Frankfurt-Berkersheim und für Annegreth Schilling, 39, mit gleicher Rolle in der Evangelischen Hoffnungsgemeinde zwischen Westend und Bahnhofsviertel tätig, schien das Ziel noch im Februar zum Greifen nah. Propst Oliver Albrecht wollte die beiden am 29. März ordinieren – dann kam Corona.

Sie wird sicher kommen, die Ordination der beiden Theologinnen. Taufen, trauen, beerdigen – das alles geht auch jetzt. Aber eben ohne die Ordination. Und Kirche lebt nicht zuletzt von Ritualen und Festen. Einen ausführlichen Beitrag zur Bedeutung der „Ordination“ veröffentlichten Jens Böhm, Personaldezernent der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), und Professor Peter Scherle, Direktor des Theologischen Seminars der EKHN in Herborn, Anfang des Jahres in der Ausgabe 2/2020 des Deutschen Pfarrerblatts: „Durch die Ordination – d.h. berufen, gesegnet und gesendet – und mit dem Dienstverhältnis wird dieser Pfarrdienst begründet.“ Eine „stärkende Orientierung“ wird die Ordination genannt. „Als Ordinierte sind Pfarrer*innen auf eine bestimmte Art in Dienst genommen“, heißt es in dem Aufsatz. Und da tut sich aktuell bei den beiden und anderen jungen Berufseinsteigerinnen und Einsteigern eine – wenn auch nicht unüberbrückbare – Lücke auf.

Hochschwanger mit dem zweiten Kind stellte sich im Juli 2019 Antonia von Vieregge der Michaelisgemeinde vor. Einen kleinen Empfang habe es gegeben. So konnte die Gemeinde mit ihr ins Gespräch kommen und das Ganze hatte ein festliches Gepränge. Froh ist die junge Theologin, dass sie damals spontan im Gottesdienst eine ältere Dame bat, mit ihr die Fürbitten zu sprechen. Diese wiederum habe dann spontan auch für sie gebetet. Dieser Zuspruch wirke bis heute bei ihr nach, sagt die Berkersheimerin. „In unserer Gemeinde ist das Beten wichtig.“

Als Vakanzvertretung war Schilling 2019 schon mal in der Hoffnungsgemeinde tätig. Damals sei allseits gedacht worden, verschieben wir die Ordination, dann ist das Kind da, auch sie war damals schwanger, mit dem dritten Nachwuchs – und ob die Ordination 2019 oder 2020 geschieht – das macht doch keinen Unterschied. Vor-Corona-Denken: Wir müssen nur Personen, Kalender und Ort übereinbringen.

Just an dem Tag, an dem im März Schillings Ordination gefeiert werden sollte, ist die erste Video-Predigt von ihr auf dem Youtube-Kanal der Hoffnungsgemeinde hochgeladen worden. Medienaffin ist die promovierte Theologin, die auch auf verschiedenen Sendern des Hessischen Rundfunks zu Wort kommt und die auf Twitter und anderen Kanälen zu finden ist, ohnehin. Mit ihrer Gemeinde neue Wege zu beschreiten, zusammen mit ihrem im Digitalen versierten Kollegen Andreas Klein – das habe gutgetan, an dem Tag, an dem sie „eigentlich“ gesegnet werden sollte.

Auf der hr-Seite hat Schilling im Juni einen Podcast veröffentlicht: „Leben mit der Ungewissheit“ – bezogen auf Corona-Zeiten. Von ausgefallenen Familientreffen ist da die Rede, von verschobenen Kochabenden mit Freunden. Nicht von der Ordination. Schilling spricht angesichts der aktuellen Pandemie in dem Beitrag von einer Zeit, in der das „Wir“ vor dem „Ich“ stehe. Bezogen auf Gottesdienste und Feste im Allgemeinen äußert sie in dem Podcast: „Die Hoffnung auf das danach strahlt schon jetzt aus!“

Und gefeiert werden sie, die Ordinationen von Antonia von Vieregge und Annegreth Schilling – wann, bleibt abzuwarten, der Propst hat sie auf dem Schirm, derweil sind die zwei geduldig und gehen ihrer Arbeit nach.


Autorin

Bettina Behler 109 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach