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Das neue Zuhause der Pauls- und Kristusgemeinde in der Neuen Altstadt

Mit knapp einem Jahr Verspätung konnten die Paulsgemeinde und die Indonesische Kristusgemeinde Ende Januar in ihr neues Gemeindehaus einziehen – unter der schönen Adresse „Hinter dem Lämmchen 8“, mitten in der Neuen Altstadt.

Das neue Domizil der Pauls- und der Kristusgemeinde in der Neuen Altstadt. | Foto: Rolf Oeser
Das neue Domizil der Pauls- und der Kristusgemeinde in der Neuen Altstadt. | Foto: Rolf Oeser

Ein dreistufiger, schiefergedeckter Wellengiebel und zwei stattliche, hellgelb verputzte Stockwerke über einer Bogenfassade aus fränkischem Buntsandstein – das „Haus Klein Nürnberg“ in der Frankfurter Altstadt hinterlässt einen imposanten ersten Eindruck. Seit dem 15. Jahrhundert war dieses Gebäude Kaufmannshaus, Warenlager und Herberge, die spätgotische Kaufhalle im Erdgeschoss bis 1944 die beliebte Apfelweinschenke „Zum Kapellche“.

Jetzt ist der prachtvoll rekonstruierte Renaissancebau das neue Gemeindehaus zweier evangelischer Innenstadtgemeinden und will die Tradition der Gastfreundschaft und Internationalität weiterführen. „Wir sind eines der wenigen Häuser hier in der Neuen Altstadt, das man betreten kann, ohne Geld auszugeben“, sagt Andrea Braunberger-Myers, seit 1988 Pfarrerin der Paulsgemeinde, „und das wollen wir auch nutzen.“

Als das alte Gemeindehaus am Römerberg dem Neubau der evangelischen Akademie weichen musste, entschied sich der Evangelische Regionalverband, das Haus in der Neuen Altstadt zu kaufen. „Unser Identifikationspunkt, das Gesicht unserer Gemeinde ist und bleibt die Alte Nikolaikirche“, so Braunberger-Myers. „Einheimische und Touristen, Gemeindemitglieder und Gäste nutzen sie gemeinsam und befruchten einander.“

Aber auch das so signifikante neue Gemeindehaus kann und wird neue, offene Angebote machen: Geplant ist unter anderem eine regelmäßige Öffnung der ebenerdigen Gewölbehalle für Passanten und Touristinnen. Hier sollen auch Vorträge und Veranstaltungen angeboten werden. Ein Videofilm zeigt – auch von draußen gut erkennbar – die wechselhafte Geschichte des Hauses ebenso wie die der Paulsgemeinde.

Pfarrerin Andrea Braunberger-Myers zeigt die Räumlichkeiten. Die Halle im Erdgeschoss wurde nach alten Fotografien originalgetreu rekonstruiert.| Foto: Rolf Oeser
Pfarrerin Andrea Braunberger-Myers zeigt die Räumlichkeiten. Die Halle im Erdgeschoss wurde nach alten Fotografien originalgetreu rekonstruiert.| Foto: Rolf Oeser

Die eindrucksvolle Halle mit dem rötlichen Bundsandsteinboden und sechs schönen Kreuzgratgewölben über zwei Mittelpfeilern ist das einzige Geschoss des im zweiten Weltkrieg völlig zerstörten Hauses , das nach alten Fotografien originalgetreu rekonstruiert wurde. Bei den oberen Stockwerken wurde nur die Fassade rekonstruiert. Dahinter verbergen sich jetzt im ersten Stock ein Gemeindesaal für Chorproben oder Gruppenangebote, darüber das Gemeindebüro, ganz oben eine kleine Dienstwohnung für die Pfarrerin.

Alles ist hell und funktionsfähig eingerichtet. Besonders dankbar ist Andrea Braunberger-Myers, endlich barrierefreie Zugänge anbieten zu können: „Das war in unseren alten Standorten nie der Fall.“ Menschen mit Kinderwagen oder Gehbehinderung erreichen die oberen Stockwerke über einen Aufzug über den Seiteneingang Braubachgasse 31a.

Die Paulsgemeinde, deren Einzugsgebiet zwischen Willi-Brandt-Platz, Zeil, Langer Gasse und Mainufer liegt, war durch die Zerstörungen des Krieges massiv betroffen, sechs Mal wechselte seither die Adresse der vielfach provisorischen Gemeindehäuser. Noch sind auch „Hinter dem Lämmchen“ nicht alle Bauarbeiten abgeschlossen. Doch die beiden Nutzergemeinden St. Paul und Kristus, die zum Teil inhaltlich zusammen arbeiten, vor allem aber die neuen Veranstaltungsräume teilen, sind endlich angekommen.


Autorin

Stefanie von Stechow ist Mutter von vier Kindern und freie Journalistin. Sie schreibt über Themen aus Familie, Bildung und Gesellschaft.

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