Frankfurt lokal

„Ein sehr freundlicher Ort mit vielen interessanten Frauen“

Einmal im Monat treffen sich im Familienzentrum Frankfurt-Höchst Mütter zum gemeinsamen Frühstück. Beim vorösterlichen Frühlingsfrühstück tauschten sie sich auch darüber aus, was sie an Ostern unternehmen.

Frühstück für Mütter im Familienzentrum Höchst. Väter sind auch willkommen.| Foto: Ilona Surrey
Frühstück für Mütter im Familienzentrum Höchst. Väter sind auch willkommen.| Foto: Ilona Surrey

„Ostern wie die Christen feiern wir natürlich nicht“, sagt Ilham. Die 24jährige Marokkanerin ist Muslimin, kommt aber gerne zum monatlichen Frühstück für Mütter ins Evangelische Familienzentrum in Frankfurt-Höchst. Arzu, eben falls Muslimin, stimmt ihr zu. „Wir auch nicht. Meine Familie und ich genießen aber die Feiertage.“

Heute ist zwar noch nicht Ostern, aber der Tisch im Dahlberghaus in der Bolongarostraße 186 ist bereits vorösterlich-frühlingsfrisch gedeckt. Die Atmosphäre ist entspannt, alle sind per Du hier. Gegenüber von Arzu sitzt Milena, ihre Fingernägel sind grün lackiert. Milena ist 18 Jahre alt und erst vor kurzem aus der Ukraine nach Frankfurt gekommen. Sie spricht noch kein Deutsch, aber ein wenig Englisch. Sie erzählt, dass sie zuhause in ihrer Familie einen großen Osterkuchen in Form eines Eies backen und dass sie am Ostersonntag zusammen in die Kirche gehen.

Für das Frühstück hat jede etwas zu essen mitgebracht. Es ist keine feste Gruppe, sondern ein offenes, niedrigschwelliges Angebot, ohne Anmeldung. Viele Frauen kennen sich aber schon aus Eltern-Kind-Cafés an anderen Tagen. Während des Frühstücks kümmert sich eine Kinderbetreuerin im angrenzenden Spielzimmer um ihre Kinder. Es gibt keine Tür zwischen beiden Räumen und sie können sich jederzeit dazusetzen.

Ilham ist heute ohne Kind gekommen. „Ich mag, dass die verschiedenen Kulturen zusammen.“ Auch Arzu sagt: „Ich fühle mich hier sehr wohl“. Sie ist in Höchst aufgewachsen, ihre Eltern kommen aus der Türkei. „Alles ist hier so schön und liebevoll gemacht. Mit manchen Frauen von hier treffe ich mich auch sonst.“

Milena arbeitet erst seit Kurzem als Au-pair-Mädchen bei Marlene, die bald wieder in ihre Erwerbsarbeit einsteigen will. Dann soll die Ukrainerin ihre kleine Tochter betreuen. Während Marlene die kleine Klara auf der Wickelkommode wickelt, erzählt sie, dass sie katholisch ist, aber gerne ins evangelische Familienzentrum kommt.

Sebastian ist heute der einzige Vater hier. Er ist gerade in Erziehungszeit und ist mit Frau und Sohn ins Familienzentrum gekommen. „Meinem Sohn tut es gut, hier mit anderen Kindern zusammen zu sein“, sagt er. „Ostern gehen wir auch in die Kirche, aber mein Sohn ist noch zu klein zum Eiersuchen.“

Selamawit und Saaba kommen aus Eritrea und essen nur wenig. Die orthodoxen Christinnen fasten in der Passionszeit 55 Tage lang und gehen am Ostersonntag schon um morgens um 5 Uhr mit ihrer Familie in die Kirche.

Neben ihnen sitzt Maha, sie ist mit 64 Jahren heute die Älteste in der Runde. Maha ist vor fünf Jahren mit ihrem Mann aus Syrien geflohen und hat schon mehrere Deutschkurse belegt. „Ich komme hier zum Frühstück, damit mein Deutsch nicht einrostet. Und weil das hier ein sehr freundlicher Ort mit vielen interessanten Frauen ist.“

Zum Gesamtprogramm der Evangelischen Familienbildung in Frankfurt


Autorin

Stephanie von Selchow ist Redakteurin von "Evangelisches Frankfurt und Offenbach".

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