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Gedichte aus der Lebenswirklichkeit älterer Menschen

Die Mitglieder des Seniorenkreises der Dankeskirchengemeinde am Goldstein haben die kalte Jahreszeit dazu genutzt, Wintergedichte zu schreiben. Jetzt ist daraus ein Buch geworden, der Band wird am 17. März in der Gemeinde vorgestellt.

Bärbel Behr ist stolz auf die Kreativität ihres Seniorenkreises. | Foto: Anne Rose Dostalek
Bärbel Behr ist stolz auf die Kreativität ihres Seniorenkreises. | Foto: Anne Rose Dostalek

„Ich wusste, sie können das“, sagt mit Stolz die ehrenamtliche Organisatorin Bärbel Behr (75), die schon seit 35 Jahren den Seniorenkreis leitet und immer auf der Suche nach neuen Ideen ist. So wie ein ins Wasser geworfener Stein immer neue Kreise zieht, hat auch ihr Gedichtprojekt nach und nach Fahrt aufgenommen. Als kleines schmales Bändchen, liebevoll eingebunden auf schönem Papier, liegen die Gedichte nun vor, 28 an der Zahl. Vorgestellt wird er in der Gemeinde am Sonntag, 16. März.

„Die Gedichte sind berührend, strahlen eine große Lebendigkeit aus und spiegeln die Lebensthemen der alten Menschen “, sagt Pfarrer Thomas Walter. Es zeige sich, dass auch in höherem Lebensalter kreative Impulse auf fruchtbaren Boden fallen und so etwas Schönes wie der Gedichtband entstehen kann. Das sei auch Ausdruck der Gemeinschaft, die es in Schwanheim gebe.

In den Gedichten findet sich das Lebensgefühl älterer Menschen wieder. „Silbern ist der Tag erwacht“, beschreibt Käthe Preisendörfer zauberhafte Morgenansichten im Goldsteinpark, wenn Schnee den Park bestäubt. Sie erinnert auch an herrliche Kinder- und Jugendzeiten, als sie im Gallus Schlittschuh laufen lernte und der Main zugefroren war. Heute als Seniorin „nicht mehr jung und munter“, traue sie sich nicht mehr die Straße hinunter.

„Winter-Angst und Hoffnung“ heißt es bei Gerlinde Roßhirt, die ihr Unbehagen in der kalten Jahreszeit beschreibt: „Bei Schnee und Eis aus dem Haus, mit Rollator und Krücken, das ist für uns wahrlich kein Entzücken“. Freude und Zuversicht kommt auf, wenn die Schneeglöckchen blühen und das Neue Jahr ankündigen. Humoristische Zeilen wie „Alles geht schief“ folgt auf Biografisches, die Heimat ist immer wieder Thema, Glaube, Liebe und Hoffnung und natürlich die Winterfreuden, mit und ohne Weihnachten. „Knallbunte Sommerfreud“ stellt das Gedicht „Winterfarben“ in Aussicht, auch wenn jetzt noch ein „Grau in Grau“ vorherrsche, aufgehellt vom „bunten Geleucht der Tiere“, dem „Meisenblau, Zeisiggelb und Kehlchenrot“.

Bärbel Behr unterstreicht, dass die Gedichte ohne jede Hilfestellung entstanden seien, ohne einführenden Workshop oder sonstige literarische Begleitung. Zum Einstieg und zur Ermunterung habe sie nur eines ihrer eigenen Gedichte vorgelesen und als Thema die Winterzeit vorgegeben. Als einige dann anfingen, ihre selbst verfassten Gedichte auf den Monatstreffen des Seniorenkreises vortrugen, sei der Bann gebrochen.

Nach und nach trudelten die Gedichte bei Behr ein, handschriftlich! Behr sammelte sie ein, las Korrektur, unterstützt von einer ehrenamtlichen Lektorin, brachte die Gedichte zur ortsansässigen Druckerei und kümmerte sich um alles bis zur Druckreife.

Längst nicht alle der knapp fünfzig regelmäßigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Treffen haben bei dem Gedichtprojekt mitgemacht. Aber das war auch nicht der Anspruch. „Die Idee war, sie zu ermutigen, sich geistig zu betätigen und kreativ zu sein“, erklärt Behr. Das habe funktioniert, selbst bei Hochaltrigen und unabhängig von der körperlichen Mobilität.

Nur bei einer Sache musste Behr immer wieder Überzeugungsarbeit leisten: Dass unter die Gedichtzeilen die Namen der Verfasserinnen und Verfasser gehören. Mittlerweile sind aber alle stolz darauf, mitgemacht zu haben. „Ich werde schon gefragt, ob es nicht auch Sommergedichte geben kann“.

Die Vorstellung des Gedichtbandes „Wintergedichte“ findet in einer Feierstunde mit Sektempfang am Sonntag, 17. März um 10.45 Uhr Großer Saal des Gemeindehauses, Am Goldsteinpark 1c, statt. Den Autorinnen wird jeweils ein Exemplar überreicht. Der Gedichtband ist für 15 Euro erhältlich.


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Autorin

Anne Rose Dostalek ist freie Journalistin und lebt in Frankfurt am Main.

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