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Riederwald: Stadtteiltreff ohne Dach

Wenn vorerst kein Stadtteilzentrum realisierbar ist, trifft sich der Riederwald eben draußen: Der neu gestaltete Platz vor der evangelischen Philippuskirche bietet sich idealerweise an.

Pfarrer Fred Balke im Gespräch mit einer Riederwälderin. Wird der Standort der Philippuskirche zu einem neuen Bürgerhaus? Diese Vision vertritt der Verein "IST - Initiative Stadtteiltreff".|Foto: Rolf Oeser
Pfarrer Fred Balke im Gespräch mit einer Riederwälderin. Wird der Standort der Philippuskirche zu einem neuen Bürgerhaus? Diese Vision vertritt der Verein "IST - Initiative Stadtteiltreff".|Foto: Rolf Oeser

Die Riederwälder*innen sind ein durchaus pragmatisches Völkchen. Dass ein neues Stadtteilzentrum her muss, darüber ist man sich schon länger einig. Es zu realisieren, liegt allerdings nicht unbedingt in greifbarer Nähe. Eine Initiative hat sich dennoch gegründet, um den Prozess voranzutreiben: die „IST – Initiative Stadtteiltreff“. Und die Truppe ist aktiv.

Zum Beispiel hat die Initiative ein Stadtteil-Café gegründet, es war untergebracht im muffigen Heinz-Ziemer-Haus der SG Riederwald. Nach zweieinhalb Jahren musste es allerdings seinen Betrieb wegen Schimmel aufgeben, das Café wurde dichtgemacht. Den Kopf steckt hier trotzdem niemand in den Sand. Im Gegenteil. Neue Ideen müssen her. Motto: Nutzen, was da ist.

Da ist zum Beispiel die Schäfflestraße im Riederwald, geographische Mitte des Stadtteils. 2018 wurde sie aufwendig saniert, auf diese Weise verbanden sich auch die beiden zentralen Plätze im Quartier. Der künftige Marie-Juchacz-Platz vor der Philippuskirche ist geradezu perfekt, um hier einen neuen Treffpunkt zu schaffen, allerdings ohne Dach. Dafür gibt es viel Platz, Sitzgelegenheiten sind ebenfalls bereits vorhanden, sogar ein wenig Grün. Ausbaufähig für die Aktiven der IST.

Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement in Trägerschaft des Diakonischen Werkes wurde ein Projektplan entworfen. Unter dem Titel „Stadtteiltreff ohne Dach“ fand im ersten Schritt ein Ideen-Workshop statt, zu dem alle Bewohner*innen eingeladen sind. Kreativ und vielfältig fallen die Ergebnisse aus: Open-Air-Kino, Flohmarkt, Konzerte, Trinkwasseranschluss, Insektenhotel, WLAN-Hotspot, Hochbeete. Durchaus hitzig und kontrovers ist der Findungsprozess. Es wird klar zwischen „realisierbar“ und „unwahrscheinlich“ abgewogen. Und weiter zwischen dem, was kurz-, mittel- oder langfristig umsetzbar ist.

Der Riederwald wäre nicht der Riederwald, würde nicht direkt angepackt. Eine „Los geht‘s Party“ auf dem Platz hat bewiesen, dass schnell Sichtbares entsteht und Leben in die Sache kommt. Fleißig wurde gehämmert und gesägt, der Kirchturm geschmückt, die Straße in Street-Art von Kindern mit Kreide bemalt. Kuchen, Kaffee, Saft und Obst, alles da.

Eine gezimmerte Litfaßsäule dient dem Stadtteilaustausch. Alles darf dran und ein Guckloch regt zur Phantasie an. Nächste Treffen für weitere Aktionen sind bereits geplant: „Die utopischen Kapitäne“ laden zur Verkehrs-Debatte, das Hochbeet soll seinen letzten Schliff bekommen.

Eine Umfrage unter den Menschen im Riederwald ergab, dass sie sich neben einigem anderem einen Ort der Begegnung wünschen. Die Wunde des 1998 von der Saalbau GmbH verkauften „Bürgergemeinschaftshaus Riederwald“ sitzt tief. In der Nachkriegszeit hatten Bewohner*innen den Verein „Volkshaus e.V.“ im Jahr 1948 gegründet und die ehemalige Gaststätte provisorisch zu einem Volkshaus aufgebaut. Im Jahr 1963 hatte die Saalbau GmbH die Trägerschaft übernommen, das neue „Haus Riederwald“ wurde von dem späteren Bundeskanzler Willy Brandt feierlich eröffnet. Kurze Zeit später folgte in unmittelbarer Nachbarschaft das Kinder- und Jugendhaus und die Stadtteilbibliothek. Die Anwohner*innen waren stolz auf die gute Ausstattung ihres Stadtteils.

Nachdem dann aber 2011 die Stadtteilbibliothek schließen musste, verfiel ein ganzes Quartier in eine Sozialdepression. Doch diese währte nicht lange. Pragmatismus überwog. Ein „KiFaZ“, ein Kinder- und Familienzentrum kam, die „Leseratte“, eine kleine Kinderbibliothek wurde eröffnet, und das Bürgerhaus, das schaffen die Riederwälder*innen jetzt eben auch noch. Wenn auch vorerst ohne Dach.

Pfarrer Fred Balke von der Philippusgemeinde arbeitet mit der IST zusammen. In zwei Jahren geht er in den Ruhestand. Schon länger gibt es die Idee, dass man doch die benachbarte katholische Heilig-Geist-Kirche zum Standort für ein neues ökumenisches Zentrum im Frankfurter Osten machen könnte, das dann Heimat für beide christliche Konfessionen wäre. Gelänge das, stünden Kirchenschiff, Gemeindehaus und Wohnhaus der Philippusgemeinde zur Disposition. Das Kirchengebäude genießt Denkmalschutz, Abriss ist demnach nicht möglich. Warum also nicht ein Bürgerzentrum an diesem Ort entwickeln?

Das wäre eine Vision mit einer enormen Aufwertung für den Stadteil: Ein ökumenisches christliches Zentrum, ein Bürgerhaus, zwei große Plätze im Freien, die zum Verweilen einladen. Es bleibt spannend Am Erlenbruch. Und die Riederwälder*innen sind weiter aktiv. Das können sie besonders gut.


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Autorin

Angela Wolf 40 Artikel

Angela Wolf ist Mitglied der Redaktion von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Psychoanalyse in Frankfurt am Main, arbeitet als freie Autorin und ist ehrenamtlich aktiv.

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