Gott & Glauben

Auf Spaziergängen wird die Kandidatur erörtert

Pfarrerin Tina Greitemann von der Frankfurter Dornbuschgemeinde über die Vorbereitungen auf die Kirchenvorstandswahlen in Pandemiezeiten und neue Kandidierende.

Pfarrerin Tina Greitemann vor der Dornbuschkirche I Foto: Rolf Oeser
Pfarrerin Tina Greitemann vor der Dornbuschkirche I Foto: Rolf Oeser

Die Mitglieder der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau werden in nächster Zeit Post von „ihrer Kirche“ im Briefkasten finden – sie können abstimmen, am 13. Juni stehen in der EKHN Kirchenvorstandswahlen an.

63 Gemeinden zählen zum Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach, 52 sind in Frankfurt angesiedelt, elf in Offenbach. Im vergangenen Sommer nahmen die Benennungsausschüsse in den Gemeinden ihre Arbeit auf. Es wurde herumgefragt, wer macht weiter in den kommenden sechs Jahren, wer könnte neu gewonnen werden?

Die Anzahl der Mitglieder der Kirchenvorstände variiert je nach Gemeindegröße: Zwischen vier und 21 Personen gehören den Vertretungen an. In der Evangelischen Dornbuschgemeinde beispielsweise, im gleichnamigen Frankfurter Stadtteil ansässig, sind 14 Sitze zu besetzen. Damit die Leute eine Auswahl haben, wurden zwischen Miquelallee und Hügelstraße einige mehr als die Vorgesehenen gesucht. Auf zehn Männer und Frauen aus der bisherigen Besetzung des Gremiums konnte bei der Aufstellung zurückgegriffen werden.

„Wir haben alle zusammen im Benennungsausschuss, aber auch bei anderen Gelegenheiten überlegt, wen wir ansprechen“ – das ist Pfarrerin Tina Greitemann wichtig. Der Kirchenvorstand steht für die Basisorientierung der Evangelischen Kirchengemeinden. Seine Mitglieder haben ein entscheidendes Votum, wenn über den Haushalt, Bauprojekte, Personal in Kitas und anderes zu entscheiden ist.

Den Vorsitz des Kirchenvorstands am Dornbusch hat in der zu Ende gehenden Wahlperiode der frühere Leiter der Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts, Klaus-Dieter Drescher, 69, inne. Er tritt wieder an, zur Freude von Greitemann. „Die Zusammenarbeit im jetzigen Kirchenvorstand ist über Jahrzehnte gewachsen und Gold wert. Gerade in diesen Zeiten, wo kurzfristig weitreichende Entscheidungen getroffen werden müssen, wissen nicht nur wir Pfarrerinnen die Kultur des eingespielten, konstruktiven Miteinanders sehr zu schätzen.“ Zwischen 19 und 70 seien die Kandidierenden jetzt alt.

„Wir wollten auch Leute, die bisher noch nicht in der Dornbuschgemeinde verwurzelt sind, gewinnen“, erzählt Tina Greitemann. Ina Meineke, 41, Projektmanagerin beim Ensemble Modern, die seit vier Jahren mit ihrer Familie am Dornbusch lebt, ist eine davon. Während für sie der Sonntagsgottesdienst und dessen Gestaltung ein zentrales Anliegen ist, haben für Silvia Zieser, 49, Grundschullehrerin und Mutter von vier Kindern, der interreligiöse Dialog sowie Kinder- und Jugendarbeit besondere Bedeutung. Über zwei ihrer Kinder, die sich im heranwachsenden Alter taufen lassen wollten, kam Zieser mit der Pfarrerin in Kontakt. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie ein großer Gewinn für unseren Kirchenvorstand wäre und freue mich sehr, dass sie trotz ihres vielfältigen Engagements und nach reiflicher Überlegung zugesagt hat,“ sagt Greitemann. Ebenso freut es sie, dass der Lehrer und Physiker Andreas Thomas, 57, sich auf die Liste hat setzen lassen. Spiritualität und Meditation, Kirche im Wandel, neue Gottesdienst- und Glaubensformen, sind neben Jugendarbeit Themen, die er im Kirchenvorstand gerne anpacken würde.

Menschen zur Kandidatur zu bewegen, geschieht in Corona-Zeiten anders als bei früheren Wahlen. „Kommen sie doch mal auf einen Kaffee vorbei, ich erzähle dann, was ein Kirchenvorstand so macht“, funktioniert derzeit nicht. „Wir haben die Möglichkeit des Spaziergangs genutzt“, berichtet die Dornbusch-Pfarrerin, die sich mit einer Kollegin das Pfarramt teilt. Greitemann verantwortet als „Längergediente“ das Thema KV-Wahlen. Im Sinaipark oder in den Straßen rund um die Eschersheimer Landstraße begaben sich Greitemann und andere aus dem Benennungsausschuss mit möglichen Kandidierenden auf „Erkundungstour“.

Überrascht und gefallen hat Greitemann, dass viel gefragt wurde, „Was suchen sie denn?", „Was brauchen sie denn?" – „Da gab es einiges an Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen“, erzählt die Dornbuschpfarrerin.

Fünf der 19 Nominierten werden am 13. Juni nicht gewählt werden. Tina Greitemann nimmt dieser Tage an einer Zoom-Fortbildung teil, in der es darum geht, wie mit Nichtgewählten umgegangen wird. „Es entstehen ja Beziehungen“ – und die sind Greitemann ein wichtiger Schatz.


Autorin

Bettina Behler 155 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach