Gott & Glauben

Mit Frau Kirch in die Kirche (1): raus aus dem Klein-klein des Alltags

Wie kommen die Angebote der Kirche bei Menschen an, die nicht zum engeren Kreis der Gemeinde gehören? Das wollen wir in der Reihe „Mit Frau Kirch in die Kirche“ erkunden. Zum Auftakt nahm unsere Autorin Silke Kirch die Studentin Andrea Kreisel mit in die Katharinenkirche an der Hauptwache, wo es jeden Mittag eine Andacht gibt.

Andrea Kreisel (links) ist Studentin und aus der (katholischen) Kirche ausgetreten. Zusammen mit Silke Kirch besuchte sie die Mittagsandacht in der Katharinenkirche.
Andrea Kreisel (links) ist Studentin und aus der (katholischen) Kirche ausgetreten. Zusammen mit Silke Kirch besuchte sie die Mittagsandacht in der Katharinenkirche.

Die Mittagsandacht in der Katharinenkirche an der Hauptwache ist kurz, sie dauert nur eine Viertelstunde: ein Psalm, ein Gebet, Orgelmusik. Gedanken zwischen Zeil, aktuellem Tagesgeschehen und Arbeitsplatz.

Meine Begleitung an diesem Freitag ist Andrea Kreisel (27), Studentin der Kulturreflexion an der Universität Witten-Herdecke. Sie ist katholisch getauft und vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten.

„Kirche to go“, sagt Andrea Kreisel spontan. Aber im Gespräch merken wir schnell: Das trifft die Sache nicht. Denn es geht nicht darum, impulsiert von einem „Single Shot“ auf der Spur zu bleiben. Es geht um den Raum, der sich aufgetan hat, und in dem wir kurz miteinander zur Ruhe gekommen sind.

Ein Raum mittendrin und doch fernab – und den nehmen wir mit, als wir die Kirche verlassen. „Wann im Alltag sieht man eine solche Geste?“ fragt meine Begleiterin und meint die Segensgeste des Pfarrers am Ende der Andacht. „Wir sind ja immer so klein-klein vergraben in unseren Angelegenheiten.“

Auch in den Worten findet sie diese Größe: Frieden, Liebe, Gerechtigkeit – wohltuend, sich so zwischen Schreibtisch und Mittagessen auch geistig zu strecken. Damit verbunden der konkrete Bezug auf Menschen in Not; Sri Lanka, Jemen, Venezuela nannte der Pfarrer. Das mache etwas, was sonst nicht so da sei zwischen der Timeline des Nachrichtenkanals und dem Gefühl, ohnehin nichts ausrichten zu können.

Besonders gut gefallen hat ihr das offenherzige Bekenntnis des Pfarrers, dass es doch schön wäre, Jesus hier zu haben wie einen großen Bruder, der die Dinge wieder in Ordnung bringt. Und dann zu fühlen, dass die Verantwortung bei jedem Einzelnen liegt und zugleich niemand damit allein ist.

„Diese Zeit zwischen Ostern und Pfingsten ist ja eigentlich eine spannende Zeit“, sinniert Andrea Kreisel: „Brauche ich Jesus? Vielleicht als Schlüssel zu den großen Worten und Gesten. Um darüber nachdenken zu können, was wirklich wichtig ist.“

Das Ökumenische Mittagsgebet in der Katharinenkirche an der Hauptwache findet jeden Montag bis Freitag um 12.30 Uhr statt. Weitere Angebote im Internet.

Möchten Sie auch einmal „mit Frau Kirch in die Kirche“ gehen und Neues entdecken? Dann schreiben Sie uns – mit ein paar Angaben zu Ihrer Person und vielleicht auch zu Ihren Interessen, wir melden uns: info@efo-magazin.de Stichwort: „Mit Frau Kirch in die Kirche“.


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Silke Kirch 28 Artikel

Dr. Silke Kirch studierte Germanistik, Kunstpädagogik und Psychologie in Frankfurt am Main und ist freie Autorin und Redakteurin.

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