Gott & Glauben

Weihnachten: Liebe, Glitzer und eine starke Botschaft

Haben Sie es schon gemerkt? Weihnachten stirbt aus. Es ist kaum noch etwas übrig. Im Ernst! Noch ein paar Jahre, da liegen Maria, Josef und das Jesuskind irgendwo begraben unter Tonnen von Jingle Bells, Lebkuchenherzen und rotnasigen Rentieren, während sich die Postcorona-Massen glühweinselig über den Weihnachtsmarkt schieben.

Was wird am 25. Dezember nochmal gefeiert? Aus  dem adventlichen  Brimborium lässt sich  das nicht erraten. | Foto: Ilona Frey/ Unsplash
Was wird am 25. Dezember nochmal gefeiert? Aus dem adventlichen Brimborium lässt sich das nicht erraten. | Foto: Ilona Frey/ Unsplash

Last Christmas I gave you my heart … mag schon sein. Um die Geschenke müssen wir uns jedenfalls nicht sorgen. Das tun längst andere, Amazon und Co. Offenbar haben die Weisen aus dem Morgenland nachhaltig Einfluss genommen. Von Gold, Weihrauch und Myrrhe blieben immerhin Schmuck und Parfüm unter dem Weihnachtsbaum. Auch die Engel, so meint man, hätten Spuren hinterlassen. Engelchen, so viele das Herz begehrt, goldig und angenehm gerundet. Haben sie das Format, uns glaubhaft zu vermitteln, was ihren Kollegen vor 2000 Jahren aufgetragen war? „Fürchtet euch nicht! Euch ist heute der Heiland geboren…“ Ach was! Nichts sagen sie, höchstens: „Hast du schon überlegt, in welchen Farben du in diesem Jahr den Baum schmücken willst?“

Wer die Weihnachtsgeschichte nicht kennt und die Weihnachts-, pardon X-mas-Abteilung eines Kaufhauses besucht, errät die Geschichte nimmermehr. Eher könnte man sich ein nordisches Märchen mit viel Schnee, Glitzer und zipfelmützigen alten Männern zusammenfabulieren.

Beliebte Weihnachtslieder sind oft auch keine große Hilfe. „White Christmas“, naja. Und dann bei Kindern der Hit „In der Weihnachtsbäckerei“, begeistert geschmettert, aber nicht eben aufschlussreich, was den Inhalt des Festes betrifft. Ich mag viele dieser Lieder, meinetwegen auch die Dekoartikel und den Glühwein, gar kein Problem! Bisschen Glitzer ist nett, aber nur Glitzer finde ich arm. Wenn es keine Verbindung zum Anlass mehr gibt, dann bin ich da raus.

Wir feiern an Weihnachten, dass Gott Mensch wurde. Gott kam aus seinem Himmel zu einfachen Leuten und lag als kleiner Jesus in ihren Armen. Eine sensationelle Nachricht! Der Messias, der Christus, der ist geboren. Zu finden in einem Stall bei Bethlehem. Und noch eins: Fürchtet euch nicht! An der Krippe versammelt, fanden die Hirten ein Kind, das sicher nicht göttlicher aussah als andere Neugeborene.

So ging es los mit Jesus. Mit extrem wenig Glitzer. Dafür mit umso mehr Liebe zu den Menschen. Diese Liebe drang durch seine Stimme, seine Augen, seine Berührung. Und viele verstanden: Da ist mehr als Jesus. Da ist Gott selbst, der mich gesund gemacht hat. Der mir meine Würde zurückgegeben hat. Der mich erlöst hat. Der mich fähig macht zu lieben. Diese Geschichte strahlt, sie braucht keinen Glitzer. Sie braucht uns.


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Autorin

Pfarrerin Amina Bruch-Cincar ist Prodekanin des Evangelischen Stadtdekanats Frankfurt und Offenbach. Nähere Informationen zu ihrer Person finden Sie hier. Sie ist für den Dekanatsbereich Süd-Ost zuständig, zudem koordiniert sie die Arbeitsbereiche Kirchenmusik und Altenseelsorge.

1 Kommentar

2. Dezember 2021 15:03 Volker Mahnkopp

So frisch, frei und schmissig, wie das "Verschwinden der Kindheit" Jesu bedauert wird (Danke!), so sehr war ich gespannt auf eine tiefwurzelnde Rückbesinnung. Ich fand sie nicht. Zu lesen ist: "Gott kam aus seinem Himmel zu einfachen Leuten ..." Da höre ich Strophen aus Kirchenliedern, nicht jedoch Worte der beiden biblischen Geburtsgeschichten. Gott wurde Mensch - nun, erst dreihundert Jahre nach den Ereignissen. Etliche Männer stimmten mit Ja! darüber ab, ob Gott Mensch wurde. Mit Folgen für Abweichler im nahen Osten, bis heute. Nächste Passage: "Der Messias, der Christus, der ist geboren." Christus ist gleich Messias - und was ist so ein "Messias"? Da höre ich Händel, aber wieder Fehlanzeige bei den Erzählern, Matthäus und Lukas, die sich noch an der Bibel der Juden orientieren. Im obigen Text heißt es: "Zu finden in einem Stall bei Bethlehem." Da sehe ich die Krippen auf den Weihnachtsmärkten - doch für den biblischen Erzähler, Lukas, gibt es keinen Stall, sondern fürs Baby einen Futtertrog im Haus, wo auch die Ziege schläft. Einfache Sprache, das käme mir recht, m i t den Quellentexten. Damit diese nicht verschwinden. Dazu ein weiterer Vorschlag: Astrologen aus Afghanistan folgten ihrem Stern - und Flüchtende auf deren Route.

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