Kirchentag 2021

ÖKT bietet Diskurs in einer kontaktarmen Zeit

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Prominenz wie Bundespräsident Steinmeier, Bundeskanzlerin Merkel und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wird beim 3. Ökumenischen Kirchentag erwartet, reichlich Gelegenheit sich im Netz auszutauschen, soll es ebenfalls geben. Namen und Programmpunkte wurden gestern bei einer Pressekonferenz bekanntgemacht.

Bettina Limperg Foto: ÖKT
Bettina Limperg Foto: ÖKT

Eine Programmstruktur mit zentralem Live-Stream, einem ÖKT-Studio, einem Vertiefungsprogramm und einem digitalen Begegnungsort werde den 3. Ökumenischen Kirchentag vom 13. bis zum 16. Mai prägen, teilten die Organisator*innen gestern bei einer Pressekonferenz mit. „Es wird ein besonderes Event in einer außergewöhnlichen Zeit", heißt es in der Ankündigung. Unter dem Leitwort „schaut hin“ (Mk 6,38) entstanden rund 100 digitale Veranstaltungen zu Glaubens- und Vertrauensfragen, dem gesellschaftlichen Zusammenhalt und der wachsenden globalen Verantwortung.

Bettina Limperg, evangelischerseits Präsidentin des Kirchentags, versprach bei der virtuellen Pressekonferenz, es solle vermieden werden, dass die Teilnehmer*innen an den Schirmen während der Tage „eckige Augen" bekommen – deshalb werde es auch reichlich partizipative Elemente geben. „Ich freue mich darüber, dass wir hart am Wind geblieben sind“, teilte Limperg mit. „Dass der 3. ÖKT als digitale Großveranstaltung stattfindet, wird von Tag zu Tag ein größeres Geschenk! Ganz genau gerade jetzt bietet der ÖKT eine lang vermisste Möglichkeit für Diskurs, Orientierung, Halt und, ja auch, Trost. Wir packen heiße Eisen an: Macht und Missbrauch von Macht, Armut und Ungerechtigkeit, die Herausforderungen einer digitalen Gesellschaft und vieles mehr. Dafür schaffen wir mit Workshops und Barcamps digitale Beteiligungsmöglichkeiten. Und ich bin froh, dass wir Kulturveranstaltungen anbieten können. Ganz klar: Dabeisein wird sich lohnen!“

Thomas Sternberg, katholischerseits ÖKT-Präsident, bekräftigt: „Gerade in Zeiten der globalen Seuche ist der ÖKT wichtig: Wir wollen gemeinsam Stimme sein für diejenigen, die bei uns und weltweit durch die Pandemie noch weiter an den Rand gedrängt werden, die auf der Strecke bleiben, die zur Zeit Einsamkeit und Angst erleben. Aus Frankfurt, einer pluralen Stadt mit so vielen verschiedenen Menschen und Problemen, wollen wir ein Signal senden für das gemeinsame Engagement aller Christinnen und Christen.“

„So vieles ist gerade durcheinander geraten“, sagte Julia Helmke, Generalsekreärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, bei der Vorstellung des Programms. „Auch der 3. ÖKT hat sich mehrmals transformiert. Deshalb ist er mehr denn je ein Experimentierlabor und lädt ein, die eigene Komfortzone zu verlassen. Kirchentage leben ja davon, Kirche und Gesellschaft in Frage zu stellen und weiterzuentwickeln.“

„Der 3. ÖKT will Dialog und Austausch ermöglichen“, äußerte Generalsekretär Marc Frings vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken. „Gesprächskanäle scheinen in Politik, Gesellschaft und Kirchen abhanden zu kommen. Stattdessen dominieren Polemik, Populismus und Provokation. Als Veranstalter des 3. Ökumenischen Kirchentages wollen wir zu einer gesellschaftlichen Verständigung beitragen: Statt in die eigene Filterblase hineinzuhorchen, freuen wir uns auf eine konstruktive Debattenkultur. Der 3. ÖKT fällt in ein deutsches Superwahljahr. Schauen wir also auf die Themen, die uns als Christinnen und Christen beschäftigen. Für mich sind das vor allem Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts und des internationalen Einsatzes für Menschenrechte und Völkerrecht.“

Als Beispiele für prominent besetzte Veranstaltungen nannten die Verantwortlichen die Beiträge des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und die Dialogformate mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. In andere Gesprächsrunden werden sich die Bundesminister Jens Spahn und Heiko Maas, die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt, der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland Josef Schuster und die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor mit ihren Gedanken und Positionen einbringen. Neben seinen digitalen Angeboten wird der 3. ÖKT auch in den klassischen Medien zu verfolgen sein. Der Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt am Donnerstag, 13. Mai, 10 Uhr, wird live im Ersten übertragen, der Schlussgottesdienst am Sonntag, 16. Mai, 10 Uhr, live im ZDF. Ebenfalls live im ZDF wird am Samstag, 15. Mai, 11 Uhr, eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Abschied in Würde – Verantwortung und Schutz am Lebensende“ gesendet.

Bereits etablierte Formate in der neuen Struktur sind Bibelarbeiten mit Prominenten wie Entertainer Eckart von Hirschhausen, der Lyrikerin Nora Gomringer, der Theologin Margot Käßmann oder dem baden-württembergischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Zudem wird ein digitaler Begegnungsort Menschen, die Austausch und Gemeinschaft mit anderen suchen, die Möglichkeit bieten, sich gegenseitig kennenzulernen und zu vernetzen. „Die Begegnung von Mensch zu Mensch ist es, was einen ökumenischen Kirchentag ausmacht und das wollen wir auch digital ermöglichen“, meinte dazu Julia Helmke. „In den letzten Monaten ist die Welt für Herz und Geist vieler Menschen eng geworden. Ich persönlich freue mich deshalb auf neue und alte Gesichter, aufs Zuhören und Austauschen – das ist für mich gelebte Geistkraft Gottes.“

Verfolgen lässt sich das Programm kostenlos auf www.oekt.de. Neben Livestreams finden sich dort auch die Zugänge zu Begegnungsforen und Workshops. Voranmeldungen für teilnahmebeschränkte Veranstaltungen können ab sofort in der kostenlosen ÖKT-App für iOS und Android vorgenommen werden. Das komplette Programm des 3. Ökumenischen Kirchentages digital und dezentral ist im Internet unter oekt.de/programm und ebenfalls in der kostenlosen ÖKT-App verfügbar. Pfarreien und Gemeinden, Vereine, Verbände und andere Institutionen sind eingeladen, den ÖKT am jeweiligen Heimatort mit eigenen Angeboten zu feiern. Der 3. Ökumenische Kirchentag wird anders – konzentrierter, dezentraler, und digitaler. Aus der Kombination von in Frankfurt konzipiertem digitalen Programm und den Aktionen und Gottesdiensten in ganz Deutschland ergeben sich vielfältige Themen und Formen von Begegnung.

Der ÖKT wird veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK). Nach 2003 in Berlin und 2010 in München findet der Ökumenische Kirchentag 2021 zum dritten Mal statt.


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