Kirchentag 2021

Neubauquartier Riedberg – hier zeigt sich Kirche auf Wachstumskurs

Der ÖKT streamt einen der vier zentralen Gottesdienste am Samstagabend aus dem Frankfurter Norden. Während der Dom für jahrhundertelange Kirchengeschichte steht, beheimatet der 2011 bezogene Kirchenbau am Riedberg die jüngste evangelische Kirchengemeinde Frankfurts.

Pfarrerin Kirsten Emmerich lädt in die Riedbergkirche ein.  |  Foto: Rolf Oeser
Pfarrerin Kirsten Emmerich lädt in die Riedbergkirche ein. | Foto: Rolf Oeser

Zu anderen Zeiten drängen sich bei Kirchentagen Menschen in Messehallen und auf Plätzen, dieses Mal, beim Ökumenischen Kirchentag vom 13. bis zum 16. Mai in Frankfurt, ist vieles anders – das Netz ist die Agora, der große Marktplatz – und der zentrale Gottesdienstort. Am Samstagabend, 15. Mai, streamt das ÖKT-Büro aus vier Frankfurter Kirchen konfessionelle Gottesdienste mit „ökumenisch sensibel“ gefeiertem Abendmahl: aus dem Dom in der Innenstadt, aus der freien evangelischen Gemeinde am Oeder Weg, der Griechisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Prophet Elia an der Solmsstraße und aus der evangelischen Riedberggemeinde, benannt nach dem Neubauquartier, das seit den neunziger Jahren im Norden Frankfurts gewachsen ist.

„Ich weiß eigentlich gar nicht, wie die auf uns gekommen sind“ sagt die Pfarrerin vom Riedberg, Kirsten Emmerich, und liefert doch gleich eine Reihe an Gründen, warum die Veranstalter des ÖKT ihre Gemeinde gewählt und Anfang des Jahres bei ihr angerufen haben: „Einen Neubau zeigen“, ist ein Grund. Im März 2011 wurde der spitzgieblige Bau, der nicht auf Anhieb als Gottesdienstort zu erkennen ist, offiziell bezogen, 2016 haben die Katholiken gegenüber ihre Kirche eingeweiht – ein Unikum auh in der katholischen Kirchenlandschaft – in einer Zeit, in der es bei den Kirchen vor allem um Reduktion an Gebäuden geht. „Junge Gemeinde“, lautet ein anderes Argument.

Die Zahlen bestätigen, dass es kirchlicherseits eine gute Entscheidung war, am Riedberg auf Wachstum zu setzen. 400 Mitglieder habe ihre Gemeinde in der Gründungsphase gehabt, erzählt Emmerich, 2.166 Personen tauchen Ende 2020 in der Statistik auf. In den Reihenhäusern und Wohnungen haben vor allem Familien ein Zuhause gefunden, das spiegelt auch das kirchliche Leben. Der erste Konfirmandenjahrgang umfasste vier Teenager, in diesem Jahr stehen 33 auf der Liste.

89 Hektar Neubauland weist das Stadtplanungsamt am Riedberg aus, nicht nur für privates Wohnen, auch die Universität hat hier einen umfangreichen Standort errichtet. Junge Generation, mittlere Jahrgänge, aber auch ein Seniorenheim, sind inzwischen in dem Quartier ansässig, „wir sind ein richtiger Stadtteil geworden“, sagt Emmerich.

In dem ÖKT-Gottesdienst wird die 56jährige Theologin den liturgischen Teil übernehmen. Die Gastpredigt hält die katholische Gemeindereferentin Angela Köhler aus der Riedberger Pfarrei St. Edith Stein. Als Ehrengäste werden Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), und Professor Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZDK) und katholischerseits Präsident des ÖKT, am Samstagabend in dem Neubauviertel erwartet.

Emmerich wird Talar tragen, Köhler im weißen Laiengewand predigen. „Die Kleidungsfrage ist durchaus von Bedeutung“, sagt die evangelische Theologin. Doch klar ist für Emmerich auch: „Von Anfang an haben der ÖKT und die vier Gemeinden verabredet, wir machen hier keine Show für den Kirchentag“. Jemand aus dem Kirchenvorstand wird an dem Gottesdienst in der Riedbergkirche beteiligt, Eva Bieber singt, die Mezzosopranistin ist am Riedberg hinlänglich bekannt. Aus der freien Josua Gemeinde in der Nachbarschaft kommt Monika Biebl, die die Psalm-Lesung am 15. Mai übernimmt.

Corona-konform wird das Abendmahl auf dem Altar stehen – zur Abholung bereit. Neben den Plätzen gebe es kleine Hocker, auf denen die Gaben abgestellt werden können, erzählt Emmerich. Sieben Personen gestalten den Gottesdienst, 23 Personen werden im Kirchraum Platz nehmen können – die Plätze sind bereits vergeben. Aber auch auf dem Kirchplatz wird für 60 Personen Abendmahl bereitstehen, Kirchenvorstandsmitglieder begleiten es.

Was für die Riedberggemeinde sicher auch sprach, ist, dass die Gemeinde zwar zu Beginn der Pandemie nicht über Erfahrungen mit Audio- und Videogottesdiensten verfügte, dann aber ganz schnell umgeschaltet hat. Kurz vor dem ersten Lockdown wurden die Oblaten noch „mit der Pinzette“ gereicht, aber als klar wurde, solche Vorsichtsmaßnahmen reichen nicht, kam zügig die Übertragung der Gottesdienste ins Spiel. Frank Wornath, Nachrichtensprecher des Hessischen Rundfunks „und technisch sehr versiert“, so Emmerich, hat zusammen mit zwei gleichermaßen kompetenten Gemeindemitgliedern rasch dafür gesorgt, dass jetzt von der Riedbergallee aus jeder Gottesdienst auch per Audio gesendet wird. An Weihnachten wurden Video-Gottesdienste hochgeladen, gelegentlich werden Gottesdienste über Zoom gefeiert.

Im vergangenen Frühjahr hätten sie auf die Schnelle Lieder eingesungen, „den Segen habe ich eingesprochen“, berichtet Emmerich – sozusagen alle Gottesdienstbausteine wurden auf Dateiformat gebracht. Um nicht für Infektionen zu sorgen, wurden oftmals Paare gebeten, aus dem Gesangbuch etwas einzustudieren und ins Aufnahmegerät einzuspeisen.

Lange hat das Team gebangt, ob die Inzidenzzahlen es zulassen, am 15. Mai in der Riedbergkirche zusammenzukommen. „Ich bin erleichtert über die Entwicklung der letzten Tage“, sagt Emmerich und freut sich, mit der katholischen Gemeindereferentin Angela Köhler diesen besonderen ökumenischen Gottesdienst feiern zu können. Mit einigen vor Ort und vielen, die im Netz an dieser besonderen Stunde teilnehmen.


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Bettina Behler 170 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach