Kunst & Kultur

Aktuell kommt es noch mehr auf die Orgel an

Lars Voorgang lebt zweigleisig: Unter der Woche steht er im Dienst des Hessischen Innenministeriums, am Sonntag spielt der studierte Kirchenmusiker in der Alten Nikolaikirche auf dem Frankfurter Römerberg die Orgel.

Lars Voorgang an der Orgel der Alten Nikolaikirche I Foto: Rolf Oeser
Lars Voorgang an der Orgel der Alten Nikolaikirche I Foto: Rolf Oeser

Manche füllen im Homeoffice in der Mittagspause die Waschmaschine. Andere schmieren sich eine Stulle, surfen im Netz, schauen nach den Balkonpflanzen – Lars Voorgang setzt sich zwischen zwölf und eins oftmals an die Orgel, ein E-Exemplar steht in seinem Wohnzimmer.

Der gebürtige Rheinländer hat einen Hauptberuf und übt eine Nebentätigkeit aus: Für 41 Stunden die Woche ist er dem Hessischen Innenministerium in Wiesbaden verpflichtet, der Sonntag gehört der Evangelischen Sankt Paulsgemeinde auf dem Frankfurter Römerberg. Dort spielt der 41-Jährige die Orgel der Alten Nikolaikirche. Sonntags in aller Früh reist er vom Rhein an den Main. Zu anderen Zeiten kommen noch Konzerte hinzu.

Paralleles unter einen Hut zu bringen, das prägte schon die Ausbildungsjahre. Als Lars Voorgang in Düsseldorf 2007 sein Kirchenmusikstudium abschloss, war er bereits verbeamtet. Der Geschäftsleiter im Amtsgericht habe sich in der Studienzeit sehr flexibel gezeigt: Morgens früh ins Büro, dann zwei Stunden an die Orgel der Hochschule und wieder retour – „er hat mir vieles möglich gemacht“, so lange die Aufgaben erfüllt wurden.

Ganz auf Kirchenmusik zu setzen, daran zweifelte er möglicherweise schon zu Studienzeiten. Das Thema der Diplomarbeit lautete: „Zukunftsaussichten der Kirchenmusik in der evangelischen Kirche im Rheinland“, eine gewisse Vorsicht oder auch Skepsis mag da mitgeschwungen haben. Das heißt noch lange nicht, dass von „halben Sachen“ die Rede sein kann. Nicht nur, aber gerade in Corona-Zeiten betreibt Voorgang die Kirchenmusik mit Verve „jetzt, wo der gemeinsame Gesang fehlt“.

Festlich könne der Einzug sein, da gehe es nicht um Pomp, sondern um ein Hineinführen aus dem Alltag hinaus, angelehnt ans Kirchenjahr. Die Wochenlieder, überhaupt den durch die Agende vorliegenden Plan, nehme die Sankt Paulsgemeinde und auch er ernst, betont Lars Voorgang. Und doch bleibt Platz für Improvisation, etwa nach der Predigt, da könne Solistisches das Passende sein, findet der Organist.

Auch in diesen Zeiten gesellen sich weitere Personen an des Kirchenmusikers Seite: die Chorleiterin und einige Mitglieder der Kantorei übernehmen zweimal monatlich – coronakonform – den Gemeindegesang. An den übrigen Sonntagen wirken oft Musikerinnen mit, die der Gemeinde angehören oder ihr verbunden sind: Sängerinnen, eine Violonistin, eine Flötistin. Allzu viel Geld sei da nicht zu verdienen, obgleich die Gemeinde und das Stadtdekanat in Corona-Zeiten versuchten, weitere Mittel für die Kirchenmusik lockerzumachen, um den Gottesdienstgenuss zu erhöhen und um Musizierende zu unterstützen, denen Einnahmen wegbrechen.

Lars Voorgang sieht sich gerade jetzt in einer komfortablen Situation. In der Mittagspause kann er proben – „da bin ich wesentlich frischer als am Abend“ – und am Wochenende geht er seiner Liebe zur Kirchenmusik nach. Die Menschen, die regelmäßig die 34 Plätze auf Abstand in der Alten Nikolaikirche besetzen, danken es ihm.


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Bettina Behler 180 Artikel

Bettina Behler, Medieninformation Evangelische Öffentlichkeitsarbeit Frankfurt und Offenbach