Eine Collage über das Deutschsein
Nora Krug, geboren 1977, lebt seit Anfang des Jahrhunderts in Brooklyn, New York. In „Heimat“ beschreibt sie, was sie als Kind und Jugendliche in Karlsruhe über den Nationalsozialismus und die Verbrechen an den Juden gelernt hat, und wie sie sich in Amerika oft für ihr Deutschsein schämt.
Sie erzählt aber auch, dass sie kaum etwas über die Orte weiß, aus denen ihre Familie mütter- und väterlicherseits stammt. Das führt zu einer intensiven Spurensuche. Sie befragt Familienmitglieder, zu denen lange kein Kontakt bestand, sichtet Familienfotos, alte Briefe und Hausaufgabenhefte, recherchiert in Archiven und stöbert auf Flohmärkten.
Nora Krug ist Professorin für Illustration an der „Parsons School of Design“ in New York und so ist ein einzigartiges „Graphic Memoir“ entstanden: Es integriert Text- und Bildquellen in die handschriftlich erzählte und illustrierte Spurensuche und beantwortet die Frage nach dem Deutschsein so auch bildlich. Sieben Dinge scheinen der „heimwehkranken Auswanderin“ darüber hinaus besonders deutsch und verlässlich: Die Heftflaster, die Wärmflasche, der Leitzordner, der Wald, der Fliegenpilz, Brot und der Klebstoff Uhu.
Dieses Buch ist nicht nur ein Augenschmaus, sondern auch deshalb so überzeugend, weil sie sich keineswegs mit den schon immer in der Familie kolportierten Antworten zufriedengibt. Zugleich sehr persönlich wie auch zeitgeschichtlich interessant, ist es wirklich ein „deutsches Familienalbum".
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