Kunst & Kultur

Existenzielle Krise für viele Kirchenmusiker*innen

Auch für Freiberufliche in der Kirchenmusik bedeutet Corona Existenznöte. Das Evangelische Stadtdekanat Frankfurt und Offenbach versuche, einige Härten zu mildern, sagt Propsteikantor Stefan Küchler, aber die Lage sei dennoch für viele sehr schwierig.

Propsteikantor Stefan Küchler  |  Foto: Rolf Oeser
Propsteikantor Stefan Küchler | Foto: Rolf Oeser

Viele freiberufliche Künstlerinnen und Künstler stecken wegen der Corona-Pandemie in einer existenziellen Krise: Veranstaltungen werden abgesagt, damit fallen für sie Auftrittsmöglichkeiten und Einnahmen weg, aber die Hilfsprogramme für Kleinunternehmer greifen bei ihnen in der Regel nicht, da sie außer ihrem Können kein Kapital haben.

Auch Kulturschaffende, die in Kirchen auftreten, sind hiervon betroffen. Die evangelischen Kirchengemeinden in Frankfurt und Offenbach etwa beschäftigen Chorleiter, Organisten, aber auch Solistinnen und Orchestermusiker für ein anspruchsvolles Konzertprogramm.  

Laut Propsteikantor Stefan Küchler versucht die evangelische Kirche hier pragmatische Regelungen zu finden, die Existenznöte bei den Betroffenen abfedern. Für die meisten regelmäßigen Engagements, zum Beispiel Orgelspiel im sonntäglichen Gottesdienst, haben die Gemeinden ohnehin nebenberufliche Verträge abgeschlossen, hier fließt das Geld also weiter.

Schwieriger sei es bei den Honorare für Konzertsolisten und Orchestermusikerinnen. „Allein für das Programm über die Oster-Saison im März und April waren hierfür rund 100.000 Euro veranschlagt“, sagt Küchler. 20 bis 30 Prozent des Geldes wolle das Evangelische Stadtdekanat als Ausfallhonorar bezahlen, wobei im Einzelfall entschieden wird, wer wieviel bekommt. „Manche Orchestermusiker haben eine Festanstellung und sind auf das Honorar weniger angewiesen als Freiberufler“, sagt Küchler, „viele verzichten dann freiwillig, ich beobachte hier eine große Solidarität.“

Komplizierter werde es aber, wenn die Einschränkungen länger andauern, da es rechtlich nicht möglich sei, Honorare auszuzahlen, ohne dass dafür Leistungen erbracht werden. „Wo es keinen Vertrag gibt, gibt es auch keine Zahlungen“, sagt Küchler. Derzeit arbeite man zwar an „phantasievollen Alternativformaten“ wie Konzerte im Hof von Altenheimen, die von Fenstern oder Balkonen aus verfolgt werden können, oder auch Konzerten im Internet. Doch das werden einzelne und kleinere Projekte sein, die den Ausfall großer und publikumsstarker Kirchenkonzerte nicht kompensieren können.

Der Kirchenmusikerverband Hessen-Nassau, dessen Vorsitzender Stefan Küchler ist, schlägt deshalb in einem offenen Brief an die Kirchenleitung vor, zur Unterstützung freiberuflicher Musikerinnen und Musiker einen Nothilfefond einzurichten.


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Antje Schrupp 137 Artikel

Dr. Antje Schrupp ist Chefredakteurin von Evangelisches Frankfurt und Offenbach. Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin bloggt auch unter www.antjeschrupp.com

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